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Fussball

Mesut Özil und Jose Mourinho bei Real Madrid: Wie ein Streit vor der Mannschaft eskalierte

Von Stanislav Schupp
Schätzten sich bei Real Madrid sehr: Jose Mourinho und Mesut Özil.

Jose Mourinho ist ein Mann der direkten Worte. Bei Real Madrid führte das einst zu einer lautstarken Auseinandersetzung mit Mesut Özil - vor dem Team.

Dass Jose Mourinho kein Blatt vor den Mund nimmt, ist hinlänglich bekannt - auch, dass "The Special One" oftmals über die Stränge schlägt. Dabei ist es völlig unerheblich, ob es darum geht, Kritik an seinen eigenen Spielern zu üben, ob es vor laufender Kamera oder von Angesicht zu Angesicht geschieht. Das musste einst auch Mesut Özil am eigenen Leib erfahren.

"Weißt du was, Mesut? Wein' doch! Heul' doch! Du bist so ein Baby! Geh duschen, wir brauchen dich nicht", lauteten Mourinhos Worte an Özil während der Halbzeitpause eines Spiels von Real Madrid. Das enthüllte der Weltmeister in seinem 2017 erschienenen Buch Die Magie des Spiels.

Doch was war passiert?

Özils Streit mit Mourinho: "Wie sehr ich ihn gerade hasse"

Der Portugiese hatte es auf Özil abgesehen und ließ es diesen dementsprechend spüren - vor versammelter Mannschaft wohlgemerkt: "Du denkst, zwei schöne Pässe reichen. Du bist dir zu fein dafür, in Zweikämpfe zu gehen. Du denkst, dass du so gut bist, dass 50 Prozent genug sind."

In Özil brodelte es, doch noch blieb er ruhig. "Wie sehr ich ihn gerade hasse. Dabei liebe ich Mourinho eigentlich", verriet der Spielmacher seine damaligen Gedanken.

Vor allem Özils Zweikampfverhalten missfiel der Trainer-Ikone. "Ich will, dass du so gut spielst, wie du es kannst. Ich will, dass du in die Zweikämpfe gehst wie ein Mann. Weißt du, wie Zweikämpfe von dir aussehen? Nein? Ich zeig es dir!", polterte Mourinho und tat dies auf seine eigene Art und Weise: Er ging auf die Zehenspitzen, legte seine Arme eng um seinen Körper und sprang mit zu einem Kussmund geformten Lippen durch die Kabine.

Es war der vielzitierte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Özil riss sich das Dress vom Leib, warf es vor die Füße seines Trainers und brüllte in dessen Richtung: "Wenn du so geil bist, dann spiel' du doch! Hier, zieh es an. Los!"

Mourinhos Reaktion? Er lachte, bezeichnete Özil als Feigling - und dann legte er noch einen drauf: "Was möchtest du? Dich unter die schöne warme Dusche verkriechen und dir die Haare schamponieren? Allein sein? Oder willst du deinen Mitspielern, den Fans da draußen und mir beweisen, was du kannst?" Özil verschwand wortlos unter der Dusche.

Özil nach Streit einsichtig: "War schnell satt und zufrieden"

Seine Reaktion sollte der 92-fache deutsche Nationalspieler später bereuen, wie er in seinem Buch erklärte. Vor allem, dass er seine Teamkollegen im Stich gelassen hatte, nagte an ihm. Am Abend des Vorfalls stattete Özil Abwehrchef Sergio Ramos einen Besuch ab, um sich bei ihm zu entschuldigen. Später tat er dies auch vor versammelter Truppe.

Auch mit Mourinho waren im Anschluss die Wogen geglättet. "Er wollte mir die Lässigkeit austreiben und mich abhärten", resümierte Özil, der gestand zu seiner Anfangszeit beim spanischen Rekordmeister in puncto Einstellung durchaus Luft nach oben gehabt zu haben: "Ich war schnell satt und zufrieden. Diese Verhaltensweise hat mir Mourinho ausgetrieben."

Es habe "in meinem Kopf klick gemacht. Ich bin ihm dankbar, dass er mir das so deutlich vor Augen geführt hat." Überzogen oder nicht - Mourinhos Worte haben bei Özil in der Tat etwas bewegt.

In seinen drei Jahren bei den Königlichen entwickelte er sich zu einem nahezu unverzichtbaren Bestandteil des Teams, stand 159-Mal auf dem Platz, schoss 27 Tore und legte 80 weitere vor. Zudem krönte er sich je einmal zum Spanischen Meister, Pokalsieger und Superpokalsieger.

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