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Fussball

Voller Fokus auf das Wurstbrot

Im Estadio Bernabeu empfängt Real den FC Barcelona zum 231. Clasico
© getty

Der FC Barcelona reist am Samstag zum 231. Clasico ins Estadio Bernabeu (18.30 Uhr im LIVETICKER). Das Comeback von Lionel Messi wird zum Nervenkrieg hochstilisiert, Reals Trainer Rafa Benitez ist angezählt. Doch Paris macht auch vor dem größten Fußballspiel der Welt nicht halt. Die Prioritäten liegen anderenorts.

Als sich am Donnerstagabend eine Anti-Gewalt-Kommission, unter anderem mit Heimatschutzminister Francisco Martinez, in Madrid zusammenfand, um über den Clasico zu beratschlagen, herrschte rund um das Bernabeu Alarmbereitschaft.

Spezialeinheiten der Polizei und Bombenexperten mit sprengstoffgeschulten Spürhunden durchkämmten da bereits die Außenbereiche des Stadions in Chamartin. Die ohnehin als Hochrisikospiel eingestufte Partie zwischen den spanischen Erzrivalen, sie wurde nach den Terroranschlägen von Paris zum Politikum nationalen Ausmaßes.

Als im Mai Juventus zum letzten Sportereignis dieser Kategorie in der spanischen Hauptstadt gastierte, sorgten 1635 Polizisten und Sicherheitskräfte verschiedenster Polizeidirektionen und privater Firmen aus dem Madrider Umland für Ordnung. Am Samstag könnte sich diese Zahl verdoppeln. Bis zu 3000 Sicherheitsleute werden erwartet.

Sicherheitsringe, Metalldetektoren, Videoüberwachung

Innenminister Jorge Fernandez Diaz erklärte, dass es keinen Grund für die Absage des Clasico gebe: "Die Leute können Vertrauen haben in die Sicherheitskräfte und deren Kampf gegen den Terrorismus." Dennoch schrillen bei den Königlichen ob der jüngsten Anschläge und Spielabsagen die Alarmglocken.

Dreizehn Jahre ist es her, da detonierte eine Autobombe der baskischen Terrororganisation ETA wenigen Stunden vor dem Clasico direkt am Stadion. 2004 kamen bei Anschlägen auf Züge in Madrider Vororten rund 200 Menschen ums Leben. Im gleichen Jahr musste ein Spiel Reals gegen Sociedad sechs Minuten vor Ende wegen einer Bombendrohung abgebrochen, das komplette Stadion evakuiert werden.

Mit massiv verstärkten Sicherheitsvorkehrungen will man in Madrid dem drohenden Unheil Herr werden. Drei Sicherheitsringe mit Metalldetektoren an den Eingängen sollen dafür sorgen, dass jede einzelne Person gründlich und mehrfach durchsucht wird. Um den zeitlichen Mehraufwand zu meistern, öffnet das Bernabeu zwei Stunden früher als normal seine Pforten. Rucksäcke und Taschen dürfen laut spanischer Medienberichte gar nicht ins Innere mitgenommen werden, die Spaltung der Fanlager und Videoüberwachung des gesamten Stadions verstehen sich von selbst.

"Wir werden sogar die Sandwiches checken", kündigte Regierungspräfektin Concepcion Dancausa an. Eine Aussage mit Hintergrund: Im September hatten Benfica-Anhänger so Pyrotechnik ins Vicente Calderon schmuggeln können.

"Es ist schwierig, darüber zu sprechen"

Sicherheit ist das große Thema, das die Debatte um den 231. Clasico im Vorfeld beherrscht. Voller Fokus auf das Wohlbefinden der Fans, auf jedes Wurstbrot, das die Schaulustigen ins Bernabeu mitbringen werden.

Auch in die Köpfe der Spieler haben sich die jüngsten Ereignisse geschlichen. "Dass die Situation Unruhe schafft, ist unvermeidlich", meinte Andres Iniesta. "Es ist schwierig, darüber zu sprechen", gab Barcelonas Angreifer Luis Suarez zu: "Ich hoffe, dass bald wieder Frieden herrscht. Zum Wohl des Fußballs und des ganzen Planeten."

Suarez kann sich dabei am Samstag, was das Sportliche angeht, wohl wieder über den besten Spieler der Welt an seiner Seite freuen. Fast sieben Wochen ist es her, da riss sich Lionel Messi die Bänder im linken Knie. Und jetzt das Comeback ausgerechnet im Clasico?

Fest steht: Es bleibt ein Wettlauf gegen die Zeit. Die endgültige Entscheidung über einen Einsatz, egal ob Startelf oder als Joker, soll frühestens am Freitag fallen, so munkelt man in Spanien. Trotz Trainings seit ein paar Tagen, trotz der Verkündung seines Ausrüsters adidas, Messi werde am Samstag seinen neuen Schuh "Messi15" tragen - im Lager der Katalanen gibt man sich auffällig mysteriös und bedeckt. Die AS schrieb gar von "Nervenkrieg" und einer "Einschüchterungstaktik" den Königlichen gegenüber.

Folgt Zidane auf Benitez?

Dort ist der Druck, was das Sportliche angeht, um ein vielfaches höher. Für positive Schlagzeile sorgte im Vorfeld nur Rückkehrer Gareth Bale, der sich nach langer Pause "bereit für diesen Kampf" meldete. Ansonsten kriselt und rumort es im Lager der Königlichen trotz Tabellenplatz zwei, vor allem das Verhältnis von Coach Rafael Benitez zu Führungsspielern wie Cristiano Ronaldo und Sergio Ramos soll angeknackst sein.

Sollte der Clasico im eigenen Wohnzimmer verloren gehen, das vermelden mehrere Medien, wird der Trainerstuhl des Spaniers mehr als ordentlich wackeln. Laut Mundo Deportivo steht mit Zinedine Zidane schon der Nachfolger in den Startlöchern.

Sechs Punkte Rückstand wären es bei einer Pleite gegen die Katalanen, zudem droht der Sturz auf Platz drei. Ausgerechnet Stadtrivale Atletico könnte dann am Wochenende vorbeiziehen. Für das Madrider Selbstverständnis freilich ein schlimmes Szenario. Was das Sportliche angeht. Die Prioritäten sollten, selbst für den eingefleischtesten Fan, aktuell aber anderenorts liegen.

Real Madrid in der Übersicht

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