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Fussball

BVB-Transferziel Hugo Ekitike: Effizienter als Haaland, Mentalität wie Kobe Bryant

Bis zu einer Verletzung im Februar war Hugo Ekitike der treffsicherste Teenager in Europas Top-Ligen. Beim BVB überlegt man dem Vernehmen nach ernsthaft, ob der Franzose die Nachfolge von Erling Haaland antreten könnte. SPOX und GOAL stellen die Stärken und Schwächen des 19-Jährigen vor, der sogar schon über Auslandserfahrung verfügt.

Es ist sicher nicht so, dass Jean-Pierre Caillot, der Präsident des französischen Erstligisten Stade Reims, seinen aktuell wertvollsten Spieler gerne loswerden möchte. Erst im Winter hat Caillot schließlich laut eigener Aussage ein auf dem Tisch liegendes Angebot mit einem Gesamtvolumen von 35 Millionen Euro Ablöse abgelehnt.

Doch vergangenes Wochenende sagte Caillot bei Europe 1: "Für Hugo wäre es eine Zeitverschwendung bei uns zu bleiben. Hugo hat eine Ausstiegsklausel und wird uns wahrscheinlich verlassen. Ich kenne keinen großen Klub, der diese Information nicht hat."

Hugo, das ist Hugo Ekitike, bis zu seiner Oberschenkelverletzung im Februar mit neun Toren der treffsicherste Teenager in Europas Top-5-Ligen. Dazu kommen drei Assists. Zu den mehr oder weniger großen Klubs, die nicht nur Kenntnis von der Ausstiegsklausel im bis 2024 laufenden Vertrag des 19 Jahre alten französischen U21-Nationalspielers, sondern ihn auch ausgiebig gescoutet haben, sollen gehören: aus England der FC Chelsea, der aktuell freilich keine Transfers tätigen darf, der Europa-League-Halbfinalist und Eintracht-Frankfurt-Gegner West Ham United, das neureiche Newcastle United, das im Januar das konkrete und von Reims abgelehnte 35-Millionen-Euro-Angebot abgab, sowie die internationalen Top-Klubs Real Madrid und Paris Saint-Germain.

Und natürlich der BVB, dessen Scouts bei der Suche nach einem potentiellen Nachfolger für Erling Haaland ziemlich früh auch Ekitike auf ihre Liste nahmen - und der den 19-Jährigen in diesem Sommer tatsächlich auch brauchen könnte und Ekitike auch auf die Pole Position gesetzt hat für die mögliche Haaland-Nachfolge.

BVB: Darum sagte Hugo Ekitike im Januar Newcastle United ab

Als Stade Reims im Januar besagtes 35-Millionen-Euro Angebot (mit Boni und weiteren Nebengeräuschen) ablehnte, tat der Klub das einerseits, weil man sich mit Newcastle nicht über eine Reimser Beteiligung an einem späteren Weiterverkauf einigen konnte; wenn ein Klub Stade Reims diesen Wunsch kommenden Sommer erfüllt, könnte der Transfer nach SPOX und GOAL womöglich sogar unter 35 Millionen Euro Ablöse über die Bühne gehen.

Aber eben auch, weil Hugo Ekitike gerne seine erste komplette Profisaison bei seinem Heimatverein zu Ende spielen wollte. Und angeblich auch, weil Ekitike lieber zum anerkannt besten Veredelungsverein für internationale Top-Talente will, als nach Newcastle United, das seine Rolle auf der Fußballbühne nach dem Kauf durch ein saudi-arabisches Konsortium noch finden muss und im Januar außerdem noch abstiegsgefährdet war.

Ekitike vereine "die Mentalität von Kobe Bryant im Körper eines 19-Jährigen", sagte ein Freund des Stürmers im Dezember 2021 zu SPOX und GOAL, als der Rechtsfuß für NXGN bei Goal UK vorgestellt wurde.

Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass der sehr schlaksige Ekitike in zwei Jahren einen Körper wie der 21-jährige Erling Haaland haben wird. Aber einen Stürmer mit viel Selbstvertrauen, dem es egal ist, "wer unser Gegner ist. Ich sage mir, dass ich immer etwas Entscheidendes beitragen kann", stünde einem Verein mit der Mentalität des BVB natürlich immer zu Gesicht. Außerdem sagt Ekitike über sich und seine Qualitäten zu Foot Mercato: "Ich treffe. Um seine Leistung als Stürmer zu bestätigen, muss man immer wieder Tore machen. Mir mangelt es nicht an Demut, aber ich habe Vertrauen in meine Qualitäten und weiß, wozu ich fähig bin."

Nun ist die Selbstbeschreibung eines 19-jährigen Jungprofi das Eine. Doch betrachtet man, wie und aus welchen Positionen Ekitike seine neun Ligatore erzielt hat, dann erhalten die Worte des Stürmers durchaus Substanz.

BVB-Wunschspieler Hugo Ekitike: Er trifft auch aus unmöglichen Positionen

Der Expected-Goal-Wert (xG) all seiner Chancen in der Liga beträgt 6,4. Das heißt: Ekitike macht auch aus eher unwahrscheinlichen und schwierigen Gold respektive Tore.

So traf der nicht außergewöhnlich schnelle, aber gerade für seine Größe (1,90 Meter) ungemein dribbel- und technisch starke Stürmer im Ligaspiel gegen Nantes im September etwa mit einem Distanzschuss aus beinahe 29 Metern, der xG dieses gut platzierten und fein austarierten Schusses betrug gerade Mal 0,06. Sprich: Statistisch würden von 100 Schüssen aus dieser Spielsituation heraus nur sechs ins Tor gehen.

Auch Haalands xG-Wert liegt unter seiner tatsächlichen Toranzahl, er ist vor dem Tor aber - obwohl freilich deutlich erfolgreicher - ein wenig ineffizienter. Während 35 Prozent von Ekitikes Schüsse in Toren münden, sind es bei Haaland immer noch starke 31 Prozent.

In beinahe allen anderen relevanten Statistiken fehlt Ekitike aber dann doch noch Einiges zu Haaland: Der Norweger erzielte in genauso vielen Ligaspielen wie der Franzose (21) mit 18 doppelt so viele Tore, ihm gelangen acht Assists (Ekitike 2), 35 Schlüsselpässe (Pässe, die in Torschüssen münden; Ekitike 5) und er kreierte in einer freilich generell offensiver spielenden Spitzenmannschaft 29 Torchancen (Ekitike 9). Auch Haalands Passquote in den Strafraum ist mit sehr guten 69 Prozent erfolgreichen Pässen deutlich besser als Ekitkes 47 Prozent.

In Reims loben sie Ekitike aber nicht nur für seinen Torriecher und seine Technik, sondern auch für seine Bereitschaft, defensiv mitzuarbeiten. In der Tat sind seine defensiven Daten beeindruckend für einen Mittelstürmer: In seinen 21 Ligaspielen blockte er vier gegnerische Torschüsse (Haaland null), grätschte 26-mal (Haaland viermal) und ging 74-mal in den Luftzweikampf (Haaland 84-mal).

"Es ist sehr lange her, dass ich einen Spieler mit einem solchen Stil gesehen habe", sagte der frühere Werder-Bremen-Star Johan Micoud der offiziellen Website der Ligue 1: "Die Art und Weise, wie er sich bewegt und wie er läuft, erinnert mich an einen großen Spieler: David Trezeguet."

Hugo Ekitike: Sein Vorbild ist Kylian Mbappe

Ekitike benennt als Vorbild Kylian Mbappe. "Während der letzten Jahre habe ich ihn am meisten beobachtet und studiert, er inspiriert mich, nicht nur auf dem Platz", sagte Ekitike Foot Mercato.

Im Vergleich des 1vs1-Indexes, in den unter anderem oben genannte Daten einfließen, kann Ekitike derzeit weder Mbappe, noch Haaland auch nur annähernd das Wasser reichen. Während Mbappe auf einen 1vs1-Wert von 89 und Haaland auf 87 kommt, schafft Ekitke nur 68. Doch das Potenzial ist erkennbar und die Verpflichtung eines 19-Jährigen ist natürlich immer eine Wette auf die Zukunft.

Ekitike hat immerhin schon einmal bewiesen, dass er sich sehr schnell anpassen kann. Im Januar 2021 ließ er sich kurzerhand nach Dänemark ausleihen, als man ihm bei Vejle BK Hoffnungen auf sofortige Erstligaspiele machte. In acht Spielen der Abstiegsrunde traf Ekitike dreimal und gab zwei Assists, auch dank dieser Treffer hielt Vejle knapp die Klasse. "Ich bin dort angekommen und habe Tore erzielt. Das war gut für mein Selbstvertrauen", sagte Ekitike.

Dabei hätte er beinahe nicht nach Dänemark einreisen dürfen. Im Januar 2021 befand sich Dänemark im Lockdown und ließ Reisende aus dem Ausland nicht ins Land. Ekitike durfte schließlich nur einreisen, nachdem ein hochrangiger Grenzbeamter eingriff. Der Mann war zufällig Fan des Boldklubs.

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