Manchester-United-Star Raphaël Varane warnt eindringlich vor Gehirnerschütterungen

Von Stefan Petri
Raphael Varane Manchester United 2023-24
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Manchester Uniteds Innenverteidiger Raphaël Varane hat in einem Interview mit der französischen L'Équipe vor den Folgen von Gehirnerschütterungen im Fußball gewarnt.

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Er wolle vor allem auf "Mikro-Gehirnerschütterungen" aufmerksam machen, betonte der 30-Jährige.

Varane, der seine Nationalmannschaftskarriere für Frankreich im Februar 2023 beendet hatte, verriet, dass er in seiner Laufbahn mehrfach trotz Schädel-Hirn-Traumata gespielt habe. So habe er nach einer Gehirnerschütterung im Achtelfinale der WM 2014 gegen Nigeria "auf Autopilot" weitergemacht. "Wenn mich jemand zu der Zeit angesprochen hätte, weiß ich nicht, ob ich hätte antworten können."

In der Saison 2019/20 habe er sich im Trikot von Real Madrid gegen Getafe eine Gehirnerschütterung zugezogen. Anschließend sei er mehrere Tage "unglaublich müde" gewesen, habe dies aber den Strapazen der Saison zugeschrieben - bis er schließlich vor der Champions-League-Partie gegen Manchester City so müde gewesen sei, "dass ich mich fast ins Gesicht schlagen wollte".

Er habe auch schon in der laufenden Saison Spiele für Man United aufgrund der Nachwirkungen verpasst. Besonders heimtückisch seien dabei sogenannte "Mikro-Gehirnerschütterungen" aufgrund von Kopfbällen.

Varane: "Ich war danach ungewöhnlich müde"

"Zum ersten Mal habe ich davon in dieser Saison gehört, als Spezialisten zu Besuch waren und darüber gesprochen haben", berichtete Varane. "Als Spieler verstehen wir das oft nicht und denken gar nicht dran, uns testen zu lassen."

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Er habe die Nachwirkungen aber am eigenen Leib erfahren: "Im frühen Saisonverlauf hatte ich in einem Spiel für Manchester United viele Kopfbälle und war in den Tagen danach ungewöhnlich müde, auch meine Augen. Ich habe den Trainern Bescheid gesagt, die mir dringend empfohlen haben, nicht zu spielen. Ich habe mich testen lassen, was meinen Ausfall zur Folge hatte", verriet er.

Als Fußballer auf dem höchsten Level "sind wir den Schmerz gewohnt, ein bisschen wie Soldaten. Wir sind harte Jungs, Symbole der Stärke. Aber diese Symptome sind fast unsichtbar. Eine Beinverletzung sieht jeder, wenn man humpelt. Aber bei Kopfverletzungen sieht es aus wie ein Zeichen der Schwäche, wenn man sagt, dass man müde ist, Kopfschmerzen oder müde Augen hat."

Varane sprach sich für Regeländerungen aus, um zu viele Kopfbälle zu vermeiden, gerade in jungen Jahren: "Mein siebenjähriger Sohn spielt Fußball. Ich sage ihm, dass er den Ball nicht köpfen soll." Selbst wenn es kein sofortiges Trauma gebe, "wissen wir, dass wiederholte Erschütterungen langfristig negative Folgen haben. Ich weiß nicht, ob ich 100 Jahre alt werde, aber ich weiß, dass ich meinen Körper beschädigt habe."

Varane kommt in der aktuellen Saison für Man United auf 29 Pflichtspiele (1 Tor). Im September verpasste er die Ligaspiele gegen Arsenal (1:3) und Brighton & Hove Albion (1:3) aufgrund einer unbekannten Verletzung.