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Fussball

FC Chelsea und die Übernahme von Todd Boehly: Transfers wie Liverpool und die neue Stamford Bridge

Von Nizaar Kinsella
Ein Konsortium unter der Führung von Todd Boehly wird den FC Chelsea übernehmen.

Ein Konsortium unter der Führung des US-Amerikaners Todd Boehly hat sich gegen eine Reihe von Bietern durchgesetzt und die Übernahme des FC Chelsea abgeschlossen. Wer ist dabei und wie geht es jetzt weiter? Fragen und Antworten.

Das von Todd Boehly geführte Konsortium wird die Blues nach einem langwierigen Bieterverfahren, das seit März andauert, vom russischen Oligarchen Roman Abramovich kaufen. Boehly, dem die Los Angeles Lakers und die LA Dodgers gehören, hat die Zustimmung der Premier League und der britischen Regierung erhalten. Zuvor hatte er eine Einigung mit der New Yorker Investmentbank Raine Group erzielt, die den Verkauf ermöglicht.

Der US-Milliardär, der über ein Nettovermögen von rund 3,86 Milliarden Euro verfügt, war bei den Chelsea-Anhängern während des gesamten Prozesses aufgrund seiner Kenntnisse über den Verein und seiner Erfolge in anderen Sportarten eine beliebte Option.

FC Chelsea: Wer ist Teil von Boehlys Kosortium?

Obwohl Boehly das Gesicht des Angebots ist, gibt es eine lange Liste wichtiger Akteure hinter den Kulissen, von denen der bedeutendste wohl Clearlake Capital ist. Eine private Beteiligungsgesellschaft, die mindestens 66 Prozent der Übernahme finanziert. Hinter Clearlake stehen Behdad Eghbali und Jose Feliciano, die sich verpflichtet haben, trotz ihres Umfangs an anderen Investitionen "aktive Direktoren" zu sein. Insider gehen zudem davon aus, dass der Kauf zumindest teilweise über Schulden finanziert werden muss.

Hinzu kommen Boehlys langjähriger Geschäftspartner Hansjörg Wyss, ein Schweizer Milliardär, der keine besonders sichtbare Rolle spielen, aber einen wichtigen Einfluss ausüben wird, der Haupteigentümer der LA Dodgers, Mark Walter, und der britische Investor Jonathan Goldstein.

Alles in allem handelt es sich um eine Gruppe von Geldgebern, die in der finanziellen und politischen Sphäre unglaublich gut vernetzt ist. Das Konsortium hat die Dienste großer Banken wie Goldman Sachs und Robey Warshaw in Anspruch genommen, wobei bei letzterer der ehemalige britische Schatzkanzler und Chelsea-Fan George Osborne in beratender Funktion tätig ist.

Außerdem werden Chelsea-Fans in den Vorstand einbezogen. Darunter Danny Finkelstein, der Mitglied des Oberhauses und Kolumnist der Zeitung The Times war. Ihm zur Seite steht Barbara Charone, eine einflussreiche Marketingmanagerin in der Unterhaltungsbranche.

Trotz ihrer Verbindungen zu Abramowich wurde SPOX und GOAL bestätigt, dass der Chelsea-Vorsitzende Bruce Buck und die Direktorin Marina Granovskaia ihre Ämter auch nach der Übernahme zumindest vorläufig behalten werden.

Der Grund, warum sich so viele prominente Persönlichkeiten für das Angebot interessierten, war die bloße Tatsache, dass ein derartig erstklassiger Vermögenswert nicht allzu oft zu kaufen sei, da Premier-League-Klubs selbst für die reichsten Menschen der Welt finanziell nur schwer zu stemmen sind.

Zudem ist Chelsea in London beheimatet, was das Angebot für Investoren noch attraktiver macht. Viele der Investoren vertreten darüber hinaus die Meinung, dass die Blues ihr kommerzielles Potenzial in der Vergangenheit nicht so effektiv genutzt haben wie einige ihrer Konkurrenten aus den "Big Six".

FC Chelsea unter Boehly: Wie sieht es in Sachen Transfers aus?

Es ist sehr unwahrscheinlich, dass Boehly Chelsea so weiterführen wird, wie es Abramovich bisher getan hat. Da der russische Oligarch den Klub kaum gewinnorientiert führen musste, steckte er mehr als 1,9 Milliarden Euro seines persönlichen Vermögens in den Verein, um sicherzustellen, dass der Erfolg der Mannschaft gewährleistet ist.

Fortan muss Chelsea auf dem Transfermarkt vorsichtiger, klüger agieren. Angeblich will sich Boehly in Sachen Transfers am FC Liverpool orientieren. Die Reds haben es in die Premier-League-Spitze geschafft, indem Spieler verpflichtet wurden, die genau zur Spielphilosophie von Trainer Jürgen Klopp passen.

Während zu Beginn der Abramovich-Ära noch regelmäßig wilde Transfers getätigt wurden, ist die Strategie der Blues heute zwar viel ausgereifter. Fehlgriffe gab es aber auch zuletzt, etwa Romelu Lukaku. Der Belgier kam für eine Rekordsumme von 136 Millionen Euro an die Stamford Bridge, passte jedoch überhaupt nicht ins System von Coach Thomas Tuchel.

Neben der Frage, was mit Lukaku in diesem Sommer geschehen soll, ist man im Lager von Boehly über die vielen auslaufenden Verträge im Spielerkader besorgt. Antonio Rüdiger und Andreas Christensen haben dem Verein bereits mitgeteilt, dass sie in diesem Sommer ablösefrei gehen werden.

Nach Verkäufen einiger Spieler soll Tuchel ein Transferbudget von bis zu 200 Millionen Pfund zur Verfügung gestellt werden. Unbedingt gehalten werden sollen auf Wunsch der neuen Besitzer Mason Mount und Reece James. Bei beiden Spielern befürchtet man einen Wechselwunsch, da sie trotz ihres Talents nicht zu den Besserverdienern im Klub gehören.

Was passiert mit dem Umbau der Stamford Bridge?

Bereits 2019 hatte Boehly einen Versuch unternommen, den FC Chelsea zu kaufen. Sein Angebot in Höhe von 2,6 Milliarden Euro wurde von Roman Abramovich damals abgelehnt, obwohl der Russe mit dem Gedanken spielte, den Klub zu verkaufen. Grund waren zunehmende politische Spannungen zwischen Großbritannien und Russland in dessen Folge die britische Regierung dem Oligarchen das Visum für Investitionen der Stufe 1 entzogen hatte.

Zur selben Zeit wurde Chelseas ehrgeizige Sanierung der Stamford Bridge im Wert von 1,2 Milliarden Euro verworfen. Bei der Suche nach einem neuen Eigentümer waren etwaige Umbauarbeiten des Stadions fester Bestandteil der Gespräche.

Boehlys Gruppe hat einen der detailliertesten Sanierungsvorschläge vorgelegt und bereits mit mehreren Architekten wie Jane Marie Smith und David Hickey gesprochen, die an Abramovichs ursprünglichem Projekt beteiligt waren.

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