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Fussball

Fangzhuo Dong: Der größte Wintertransfer-Flop bei Manchester United

Von SPOX
Mit 18 kam er aus China zu Manchester United, der Hype war riesig. Doch heute erinnert sich kaum noch jemand an das vermeintliche Top-Talent Fangzhuo Dong.

Mit 18 kam er aus China zu Manchester United, der Hype war riesig. Doch heute erinnert sich kaum noch jemand an das vermeintliche Top-Talent Fangzhuo Dong.

Betrachtet man die sportliche Karriere von Fangzhuo Dong, stellen sich viele schnell die Frage: War das alles nur ein Marketing-Gag von Manchester United, um in China populärer zu werden und dort möglichst viele Trikots zu verkaufen? Oder ist es die Geschichte eines wirklich hochveranlagten Talents, das es letztlich aber schlichtweg nicht schaffte?

Aussagen, die auf Letzteres schließen lassen, gibt es so manche. Die von Paul McGuinness zum Beispiel, ehemals U18-Trainer bei United: "Er ging gleich hoch zur U23 und es wurden große Dinge von ihm erwartet. Er war ein starker Spieler, wirklich kräftig. Das beeindruckte uns: Dass ein Spieler aus Asien dieses physische Level hatte", sagte er dem Bleacher Report.

Oder die von Su Maozhen, der 14 Jahre vor Dong ebenfalls als junger chinesischer Spieler in Kontakt mit United kam und einige Zeit bei den Red Devils auf Probe verbrachte. Er musste sich irgendwann eingestehen, dass er nicht robust und nicht schnell genug war, um es im englischen Fußball zu etwas zu bringen. "Dong hatte all das", sagt Maozhen. "Er hatte Schnelligkeit, Power, all diese Dinge. Ferguson (Sir Alex, ehemaliger United-Trainer, d. Red.) sagte mir, dass Dong fantastisch sei, perfekt für England. Er nannte ihn 'explosiv'."

Dong war erst 18 Jahre alt, als United ihn für rund 700.000 Euro vom chinesischen Klub Dalian Shide nach England holte. Er hatte gerade einmal eine Handvoll Spiele in der ersten chinesischen Liga absolviert, ein A-Länderspiel stand noch nicht in seiner Vita. Deshalb blieb er zunächst auch nur für ein paar Wochen, da er als Nicht-Nationalspieler in England keine Arbeitserlaubnis bekam.

Fangzhuo Dong: Zweite belgische Liga statt Old Trafford

United parkte den flinken Mittelstürmer beim damaligen Farmteam Royal Antwerpen. Abstiegskampf in Belgien war fortan also Dongs Alltag, in der Folgesaison fand er sich dann in der zweiten belgischen Liga wieder. Im Sommer 2005 kehrte er kurz nach Manchester zurück, hatte auf Uniteds Vorbereitungstour durch Asien drei Einsätze und erzielte sogar ein Tor. Kritiker sahen darin aber lediglich eine Bestätigung ihrer Meinung, dass Dong nur aus Marketingzwecken bei einem der besten Klubs der Welt unter Vertrag stand.

Doch immerhin hatte er im Herbst 2004 Chinas Auswahl bei den Junioren-Asien-Meisterschaften bis ins Finale geführt, machte in der Saison 2005/06, mit 21, dann auch bei Antwerpen so richtig auf sich aufmerksam. 18 Tore gelangen dem Chinesen in der zweiten belgischen Liga, fußballerisch begeisterte er. "Dong war ein toller Spieler", betont Regi van Acker, einer seiner Trainer während der Zeit bei Antwerpen. "Sehr stark, relativ groß, extrem schnell. Und wenn er aufs Tor schoss, war das wie eine Bombe - so kraftvoll. Die Verteidiger fürchteten ihn."

Extrem fleißig sei Dong gewesen, er schob ständig Extraschichten. Und United hatte ihn stets im Auge, vergaß ihn nicht. "Sir Alex Ferguson schaute regelmäßig in Antwerpen vorbei. Alles lief gut", sagt van Acker.

Nachdem er in der Hinrunde der Saison 2006/07 neun Tore in 14 Einsätzen für Antwerpen folgen ließ, schon im Oktober 2005 in einem Freundschaftsspiel gegen Deutschland sein Debüt für Chinas A-Nationalelf gegeben hatte, erhielt Dong Anfang 2007 schließlich doch noch seine Arbeitserlaubnis für England. Er kehrte also zu United zurück, stand dreimal im Champions-League-Kader, zum Beispiel im Halbfinal-Hinspiel gegen den großen AC Milan.

Fangzhuo Dong: Eintagsfliege gegen Chelsea

Doch er machte nur ein Spiel. Im Mai 2007 war das, als United schon als englischer Meister feststand, Dong beim 0:0 gegen Chelsea daher von Beginn an ran durfte. Es folgten zwei weitere Einsätze in der Saison 2007/08, größtenteils musste er sich aber bei der Reserve verdingen. Die Zeit des nun 23-Jährigen, der 2004 neben Namen wie Cristiano Ronaldo oder Bastian Schweinsteiger auf der Shortlist für die Wahl zum FIFPro Young Player of the Year gestanden hatte, in Manchester ging allmählich zu Ende.

Sicher hatte das vor allem sportlich Gründe. Aber auch Dongs Persönlichkeit erschwerte es ihm zusätzlich, tatsächlich bei einem Topklub Fuß fassen zu können. "Das größte Problem war, dass er so reserviert war", sagte Uniteds Ex-U18-Coach McGuinness. Und Regi van Acker erzählt: "Einmal kam er von der Nationalmannschaft zurück und brachte mir ein Trikot und ein paar andere Dinge als Geschenk mit. Aber selbst dabei war es so extrem schwierig, mit ihm zu kommunizieren. Niemand wusste, was in ihm drin vorging, es war schwer, ihm zu helfen. Wir hatten nur europäische Trainer."

Und Su Maozhen, das chinesische Top-Talent vor Dong, betont: "Die Sprache war ein Problem, aber ich unternahm damals große Anstrengungen, zumindest ein paar Sachen zu können. Nach all dem, was ich hörte, hat Dong das nicht einmal probiert."

Nachdem Dong im Sommer 2008 mit China am Olympischen Turnier in Peking teilgenommen und im Gruppenspiel gegen Neuseeland immerhin ein Tor erzielt hatte, ließ United ihn ablösefrei zurück zu Dalian Shide ziehen. Auch dort fand er aber nicht wieder in die Spur, spielte kaum - und probierte es 2010 dann noch einmal in Europa.

Fangzhuo Dong: Polen, Portugal, Armenien, China, Karriereende

Doch weder bei Legia Warschau in Polen, noch bei Portimonense in Portugal oder bei MIKA Aschtarak in Armenien hinterließ er mehr Spuren als ein paar wenige Einsätze. "Er hatte die falsche Einstellung", versucht sich Su Maozhen an einer Erklärung. "Er dachte, dass nach Manchester United alles ganz leicht werden würde und dass er in China ohnehin der Beste sei."

2012/13 gelangen Dong noch sieben Tore für den chinesischen Zweitligisten Hunan Billows, seit dem Ende seines Engagements bei Hebei China Fortune im Januar 2015 hat er kein Spiel mehr als Profi absolviert. Mit 30 war die Karriere des einstigen Hoffnungsträgers eines ganzen Landes also schon vorbei.

"Es gab immer Vorwürfe, dass er sich zu sehr ins Nachtleben stürzte und nicht mehr auf Fußball konzentrierte", sagt Tom Byer, ein früherer Profi, der seit einigen Jahren für den chinesischen Fußballverband arbeitet. "Eine Sache, die man ihm wirklich übel nahm, war aber, dass er sich seine Haare blond färbte. Das ist in Asien eigentlich ein No-Go."

Kurz nach dem Ende von Dongs letzter Profistation tauchte er zudem in einer chinesischen Reality-TV-Show auf, in der die mit Gewichtsproblemen kämpfenden Teilnehmer chirurgische Eingriff vornehmen lassen. Ein weiterer Tiefpunkt.

"Auf diesem Jungen lastete so viel Druck. Der chinesische Fußball brauchte einen Schub. Die Super League wurde rund um Dongs Wechsel zu United gegründet, er sollte der Start einer goldenen Zukunft sein. Wie sollte ein Junge wie er damit umgehen?", wirft Tom Byer ein. Und Christopher Atkins, als Spielerberater in China tätig, betont: "Eine wirklich traurige Geschichte von einem sehr talentierten Spieler. Einer seiner ehemaligen Teamkollegen bei Antwerpen sagte mir mal, dass er der beste Spieler war, den Manchester United jemals nach Antwerpen schickte."

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