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Sergio Agüeros letzte Wochen bei Manchester City: Ungebraucht auf dem Weg zur Statue

Sergio Agüero wechselte 2011 für 40 Millionen Euro von Atletico Madrid zu Manchester City und wird den Klub im Sommer ablösefrei verlassen.

Sergio Agüero wird Manchester City nach Saisonende als Klublegende verlassen. Weil Pep Guardiola seine Mannschaft längst von ihrem besten Stürmer emanzipiert hat, spielt er aktuell aber nur mehr eine Nebenrolle. Unklar ist, wohin der dann 33-Jährige im Sommer wechselt - und ob City einen Nachfolger für ihn braucht.

Demnächst werden sie wieder nebeneinander stehen, die drei fußballerischen Architekten des modernen Manchester City: Abwehrchef Vincent Kompany, Mittelfeldregisseur David Silva und Torjäger Sergio Agüero. Wo vor dem Etihad Stadium bereits Statuen für die kürzlich abgewanderten Kompany und Silva entstehen, kommt nach Agüeros bereits feststehendem Abgang im Sommer eine dritte dazu.

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Der dann 33-jährige Argentinier wird den Klub nach zehn Jahren als bester Torschütze der Klubgeschichte und letzter Vertreter der Meistermannschaft von 2012 verlassen. Seine Verpflichtung für 40 Millionen Euro von Atletico Madrid vor jener Titelsaison war einst die letzte nötige Zutat für den bis heute andauernden Triumphzug des aus Abu Dhabi finanziell massiv alimentierten Klubs.

Zur Legende wurde Agüero bereits in seiner ersten Saison, als er City am letzten Spieltag mit seinem Treffer in der Nachspielzeit gegen die Queens Park Rangers zum ersten Meistertitel nach 44 Jahren schoss. Seitdem baute er diesen Legendenstatus mit beachtlicher Konstanz kontinuierlich aus, mit jedem weiteren Tor und jedem weiteren Titel. Am Samstag gelang Agüero gegen Crystal Palace sein 182. Premier-League-Tor, womit er auf Platz vier der ewigen Bestenliste liegt.

In der laufenden Saison war es aber erst sein zweiter Treffer, aus verschiedenen Gründen spielt er mittlerweile nur mehr eine Nebenrolle. Trainer Pep Guardiola hat seine Mannschaft schon vor dessen Abschied von ihrem besten Torjäger emanzipiert. City spielt aktuell größtenteils und vor allem in den wichtigen Spielen ohne Agüero - und dabei so schön, so konstant und so erfolgreich wie vielleicht noch nie zuvor.

Mit einem Sieg gegen den FC Chelsea am Samstag würde der dritte Meistertitel der Guardiola-Ära feststehen, bereits am Dienstag könnte gegen Paris Saint-Germain der erstmalige Einzug in ein Champions-League-Finale gelingen. Nach dem 2:1 in Paris stehen die Chancen vor dem Rückspiel (Dienstag, 21 Uhr live auf DAZN und im LIVETICKER) ausgezeichnet. Ach ja, neulich gelang auch noch der League-Cup-Sieg. Alltag, es war der vierte in Folge.

Manchester City: Flexible Offensivspieler statt Agüero

Citys Erfolgsgeheimnisse dieser Saison sind eine ungewohnt stabile Defensive dank des neuen Abwehrchefs Ruben Dias und eine kaum ausrechenbare Offensive dank einer qualitativ beachtlichen Kadertiefe. Jahrelang hingen die Erfolgschancen der Mannschaft beträchtlich vom Fitnesszustand und der Form Agüeros ab. Acht Jahre in Folge war er der beste Torschütze der Mannschaft, ehe ihn Raheem Sterling in der vergangenen Saison toppte.

Sterling ist nun einer von zahlreichen Offensivspielern, die sich in Abwesenheit Agüeros auf der vakanten Position im Sturmzentrum abwechseln. Auch Gabriel Jesus spielte dort schon, genau wie Riyad Mahrez, Ferran Torres und vereinzelt sogar Kevin de Bruyne, Phil Foden und Bernardo Silva. Bester Torschütze der Mannschaft ist mit fast schon lächerlich wenig anmutenden 16 Pflichtspieltreffern aber Ilkay Gündogan, der tatsächlich noch nie in der Sturmspitze auflief.

Guardiola verzichtet in dieser Saison aufgrund einer wohl noch nie dagewesenen Dichte an Spielen auf eine eingespielte Startelf und nutzt stattdessen ganz bewusst die Tiefen seines Kaders. Insgesamt setzte er schon 29 Spieler ein, kein Trainer vollzog im Laufe dieser Premier-League-Saison mehr Startelfänderungen als Guardiola. Womöglich ist dies das entscheidende Rezept gegen den seit seiner Zeit beim FC Bayern München kontinuierlich geäußerten Vorwurf, dass seine Mannschaften bei den wichtigen K.o.-Spielen in der Champions League oft müde und überspielt wirken.

Dass Agüero trotz dieser permanenten Rotation kaum Spielzeit bekommt, liegt neben einer neuen Herangehensweise Guardiolas auch an eigenen Unpässlichkeiten. Im Herbst hatte er abwechselnd mit Knie- und Oberschenkelverletzungen zu kämpfen, ehe er Anfang des Jahres rund einen Monat wegen einer Corona-Erkrankung fehlte. Als er zurückkehrte, wusste Guardiola längst: Es läuft auch ohne Agüero ganz wunderbar. Geahnt hat er das übrigens schon bei seiner Ankunft 2016.

Agüero und Guardiola: Erfolge nach schwierigem Start

Guardiola war damals der erste City-Trainer, der zeitweise freiwillig auf Agüero verzichtete und ihn auf die Bank setzte. Vor allem passte ihm das Verhalten des Stürmers bei gegnerischem Ballbesitz in eigenen Pressing-Phasen nicht. "Pep ist ein sehr fordernder Trainer und in unserem ersten gemeinsamen Jahr ist es mir nicht leichtgefallen, mich daran anzupassen", erzählte Agüero 2018 beim argentinischen TV-Sender TyC Sports, phasenweise sei Guardiola sogar "wütend" auf ihn gewesen.

Letztlich arrangierte sich Agüero mit der neuen Erwartungshaltung, verbesserte sein Pressing-Verhalten und vergaß dabei nicht seine Kernaufgabe: Tore zu schießen. 2018 und 2019 führte er seine Mannschaft jeweils als bester Torschütze zum Meistertitel. Schon im Laufe der darauffolgenden Saison nahm seine Wichtigkeit für die Mannschaft aber kontinuierlich ab.

Als Ende März sein ablösefreier Abgang zum Saisonende verkündet wurde, berichtete der Klub in einem Statement von den Plänen einer Statue und Guardiola hielt eine Würdigungsrede. "Sergio ist unersetzlich", sagte Guardiola und meinte damit nicht seine Tore, nicht nur. Nicht mehr. Er meinte etwas weniger Greifbares, etwas Größeres. "Er ist eine Legende, der beste Stürmer, den der Klub in diesem Jahrhundert hatte. Er ist unersetzlich in den Seelen, den Herzen und den Gedanken unserer Fans, seiner Mitspieler und seiner Trainer."

Auch Guardiola weiß genau, warum Agüero neben Kompany und Silva eine Statue gebaut wird. "Er war gemeinsam mit Joe Hart, Pablo Zabaleta, Vincent Kompany und David Silva einer der Spieler, die den Klub einen Schritt nach vorne gebracht haben. Er hat dabei geholfen, den Klub auf ein höheres Level zu heben."

Manchester City: Braucht es einen Agüero-Nachfolger?

Auf diesem Level brilliert die Mannschaft nun mit einer Reihe flexibel einsetzbarer Offensivspieler und ohne einen eher weniger ins Kombinationsspiel eingebundenen klassischen Neuner wie Agüero. Braucht City im Sommer also überhaupt einen Agüero-Nachfolger? Einen neuen klassischen Neuner? Einen wie Erling Haaland oder vielleicht sogar einen Erling Haaland, der bereits mit City in Verbindung gebracht wurde? Tendenz nach den Eindrücken der bisherigen Saison: eher nicht.

"Wir haben im Moment genug Spieler in der ersten Mannschaft und wir haben auch interessante Spieler in der Akademie", sagte Guardiola kürzlich, mit dieser Thematik konfrontiert. "Die Wahrscheinlichkeit ist größer, dass wir auch aufgrund der wirtschaftlichen Situation keinen Stürmer für die nächste Saison verpflichten werden."

Sergio Agüeros unklare Zukunft: Barca oder eine Rückkehr?

Haaland selbst wird unterdessen nicht nur bei City, sondern bei jedem Topklub auf Stürmersuche gehandelt. Wer ihn nicht kriegt, für den würde sich eine ablösefreie Alternative anbieten: Sergio Agüero, dessen Zukunft noch unklar ist.

Als Favorit auf eine Verpflichtung gilt der FC Barcelona, wo er auf seinen Freund und Kollegen aus der argentinischen Nationalmannschaft Lionel Messi treffen könnte. Gerüchte gibt es aber auch über angebliches Interesse von Juventus Turin, Paris Saint-Germain, dem FC Everton - sowie von seinen Ex-Klubs Atletico Madrid und Independiente. Seinen Heimatklub aus Buenos Aires' Vorort Avellaneda verließ Agüero einst im Alter von 18 Jahren titellos Richtung Madrid. "Ich habe nichts mit Independiente gewonnen und will mit dem Verein noch Meister werden", sagte Agüero mal.

Zuvor aber wird er mit City als erster Spieler der Klubgeschichte einen fünften Meistertitel holen und womöglich auch erstmals die Champions League.

Manchester City: Die besten Torschützen der laufenden Saison

ToreSpieleMinuten
Ilkay Gündogan16413.038
Phil Foden14453.033
Raheem Sterling13443.348
Gabriel Jesus13362.530
Riyad Mahrez12443.111
Ferran Torres10321.919
Kevin de Bruyne9372.811
Bernardo Silva5413.006
John Stones5312.503
Sergio Agüero416607
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