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Fussball

Ein One-Season-Wonder, das selbst Sir Alex Ferguson verblüffte: Wie Michu Erling Haalands Idol wurde

Von Falko Blöding
Michu erzielte in der Premier-League-Saison 2012/13 18 Treffer.

Ein Jahr lang gelang Michu in der Premier League alles, danach ging es steil bergab. Erling Haaland ist trotzdem ein großer Verehrer.

"Odd man out". Man kennt das noch aus der Schule. Eine Knobelaufgabe, bei der es eine Reihe von Begriffen gibt, in der einer fehl am Platz ist. Dieser muss gefunden werden. Eine mögliche solche Reihe wäre zum Beispiel: Cristiano Ronaldo, Zlatan Ibrahimovic, Michu.

Klarer Fall, die ersten beiden sind Weltstars, die unzählige Titel gewonnen und Rekorde gebrochen haben. Michu dagegen hatte ziemlich genau eine gute Saison und musste seine Laufbahn wegen einer Verletzung vorzeitig beenden. Und trotzdem, der Spanier gehört in diese Reihe! Denn neben CR7 und Zlatan ist er das Vorbild von Borussia Dortmunds Top-Stürmer Erling Haaland. Wie kommt das?

Michus Laufbahn ist auf den ersten Blick keine, die für einen aufstrebenden Kicker zum Vorbild taugt. Beziehungsweise, die sich Jungs in der Regel zum Vorbild nehmen. Miguel Perez Cuesta, wie der Ex-Angreifer mit bürgerlichem Namen heißt, stammt wie Santi Cazorla und Juan Mata aus der Jugendabteilung Real Oviedos.

Während die beiden Erstgenannten zunächst in LaLiga und später auf der Insel für Furore sorgten, schaffte es Michu lange nicht in die erste Liga. Er pendelte mit Oviedo zwischen Zweit- und Drittklassigkeit und 2007 entschloss er sich schließlich nach einem erneuten Abstieg seines Herzensvereins zu einem Wechsel zu Celta Vigo in die Segunda Division.

Erling Haalands Idol Michu wechselt zu Swansea City

2010 schlug er eine Offerte des Erstligisten Sporting Gijon aus. "Sporting ist unser Erzrivale, also konnte ich nicht für sie spielen. Oviedo ist mein Verein, egal ob sie in der dritten, zweiten oder ersten Liga spielen", erklärte er später.

Nachdem er 2011 mit Vigo in den Playoffs um den Aufstieg gescheitert war - Michu vergab gegen Granada den entscheidenden Elfmeter - gelang wenig später doch noch der Sprung in LaLiga. Rayo Vallecano holte ihn 2011 ablösefrei und ein Jahr und 15 Saisontore später schlug Swansea City zum Schnäppchenpreis von 2,5 Millionen Euro Ablöse zu.

Es folgte eine Debütsaison, wie sie in England nicht viele Neuzugänge hatten. In jener Liga, in der es heißt, neue Spieler bräuchten viel Anlaufzeit, um sich an den speziellen Premier-League-Fußball zu gewöhnen, startete Michu auf Anhieb durch. Ob als Stürmer, hängende Spitze oder offensiver Mittelfeldmann, der damals 26-Jährige lieferte. Am Ende standen 22 Tore und fünf Assists in 43 Pflichtspielen. Die Swans hielten souverän im gesicherten Mittelfeld die Klasse und gewannen völlig überraschend den Ligapokal.

Michu erinnerte sich im vergangenen August bei FourFourTwo: "In fußballerischer Hinsicht war es das beste Jahr, das ich haben konnte. Ich erzielte 22 Tore, gewann einen Pokal in Wembley und in der Liga traf ich bei unserem Sieg im Emirates Stadium doppelt."

Sir Alex Ferguson lobte Michu

Swanseas Trainer Michael Laudrup, ein Kenner des spanischen Fußballs, baute um den vielseitigen Linksfuß eine starke Offensive auf und sogar Trainerlegende Sir Alex Ferguson, damals noch in Diensten Manchester Uniteds, war von Michu schwer beeindruckt: "Ich habe seinen Namen nie gehört, bevor er nach Swansea wechselte. Ich glaube, ich werde mal ein ernstes Wörtchen mit unserer Scoutingabteilung reden. Laudrup hat den spanischen Markt für sich erschlossen. Und mit Michu hat er einen sehr guten Spieler gefunden."

Nicht nur Sir Alex, sondern auch Laudrup war begeistert: "Ich würde von einem neuen Spieler niemals erwarten, dass er gleich reinkommt und so viele Tore schießt. Wenn man bedenkt, dass er nie eine Nummer neun war, ist es unglaublich, was er macht."

Michus "unglaubliche" Leistungen machten ihn zum spanischen Nationalspieler und ließen plötzlich die Gerüchteküche brodeln. Allerlei namhafte Klubs wurden mit einem Transfer des Durchstarters in Verbindung gebracht. Michu sagte dazu: "Ich bin nicht sicher, dass ich auf dem für Barcelona oder Madrid nötigen Level hätte spielen können. Aber nach 22 Toren für Swansea wäre ich in der Lage gewesen, bei Arsenal eine Rolle zu spielen."

Es muss in jener Saison gewesen sein, als der in England geborene und damals zwölf Jahre alte Haaland seine Sympathien für den 1,90-Meter-Schlacks entdeckte. Denn anschließend ging es für Michu stark bergab. In der Folgesaison lief er wegen Verletzungen an Knie und Sprunggelenk nur noch 17-mal in der Liga auf und erzielte mickrige zwei Tore. Das Momentum, das ihn quasi ein Jahr lang getragen hatte, war weg. Von Blessuren jäh beendet.

BVB-Stürmer Erling Haaland bezeichnet Michu als "Legende"

Eine Ausleihe zu Napoli sollte neuen Schwung bringen, stattdessen wurde es dort mit mageren drei Einsätzen 2014/15 noch schlimmer. Der malade Knöchel sorgte dafür, dass Michu nach seiner Rückkehr zu den Swans keine Partie mehr auf der Insel absolvierte und sein Vertrag im November 2015 aufgelöst wurde. Mehrere Operationen und der Besuch eines Spezialisten in Madrid hatten zuvor nicht die gewünschte Besserung gebracht.

Michu heuerte in Spaniens vierter Liga bei UP Langreo an, wo sein Bruder als Trainer arbeitete. 2016/17 spielte er nochmal für seinen Herzensklub Real Oviedo, dann sah er ein, dass seine Knöchelprobleme nicht in den Griff zu bekommen waren. Im Alter von 31 Jahren beendete er seine Laufbahn.

"Ich fühle einen scharfen Schmerz, wie einen Stich", schilderte er vor wenigen Monaten bei The Athletic seine Probleme, die ihn auch heute noch im Alltag begleiten. "Es ist Knochen auf Knochen. Mein rechtes Sprunggelenk ist das eines 80-Jährigen, mein linkes das eines 33-Jährigen."

Michus Geschichte ist bemerkenswert, allerdings wurde sie selten so häufig erzählt wie im Herbst 2020, seitdem Erling Haaland ihn in Instagram-Posts markierte und ihn bei Twitter als "Legende" bezeichnet. Vor einigen Monaten erst huldigte ihm der BVB-Star, indem er Michus bekannten Torjubel mit dem Ohrenschrauber während des 5:1-Siegs der norwegischen Nationalmannschaft in der Nations League kopierte.

Auflösen kann Michu den Grund für die Sympathien Haalands allerdings auch nicht wirklich: "Ich weiß nicht, warum er das gemacht hat. Ich weiß es einfach nicht. Vielleicht weil ich groß bin, genau wie er, und Linksfuß." Allerdings spielte er den Pass gerne nach Dortmund zurück. Aktuell arbeitet Michu als Sportdirektor beim spanischen Drittligisten Burgos. Als der 34-Jährige hörte, dass Haaland ihn als Idol bezeichnet hatte, ließ er kurzerhand ein Burgos-Trikot mit dem Namen des Norwegers beflocken und schenkte es ihm.

BVB: Michu will Erling Haaland besuchen

Der wiederum revanchierte sich mit einer Einladung zu einem Heimspiel des BVB: "Ich will sie annehmen. Die Zuschauer hinter dem Tor sind verrückt. Also habe ich ihm gesagt: 'Ich werde kommen, um dir zuzuschauen'", verriet Michu.

Im Moment dürfen auf der berühmten Südtribüne der Borussia keine Fans stehen. Wenn Zuschauer dort wieder erlaubt sind, sollte Michu sich nicht mehr allzu viel Zeit mit einem Besuch in Dortmund lassen.

Denn wie er Radio Marca vor wenigen Wochen sagte, rechnet er damit, dass Haaland über kurz oder lang wechseln wird: "Wir werden ihn bald bei einer großartigen Mannschaft, wie Real Madrid, Manchester City oder Bayern München sehen."

Michu im Steckbrief

geboren21. März 1986 in Oviedo
Größe1,85 m
Positionhängende Spitze
starker Fußlinks
StationenOviedo Jugend, Celta Vigo, Rayo Vallecano, Swansea City, SSC Neapel, UP Langreo, Oviedo
PL-Spiele/Tore52/20
aktuelle FunktionSportdirektor bei Burgos CF
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