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Fussball

Als Arsenal-Eigengewächs Ashley Cole zum verhassten Erzrivalen Chelsea wechselte: Mittelfinger für den "Local Hero"

Den FC Arsenal und den FC Chelsea verbindet eine erbitterte Rivalität, die sich spätestens nach dem Aufstieg der neureichen Blues unter Roman Abramovich zuspitzte. Gekrönt wurden die Feindseligkeiten vom eigentlich unvorstellbaren Wechsel von Ashley Cole von Arsenal zu Chelsea. Ein Rückblick vor dem London-Derby am Sonntag (ab 18.30 Uhr im Liveticker).

10. Dezember 2006: In einer spannenden Schlussphase an der Stamford Bridge egalisiert Michael Essien die Gäste-Führung durch Mathieu Flamini. Im Zentrum des Geschehens Mittelpunkt steht jedoch bereits vor Spielbeginn einer, der auf den Ausgang des Spiels nur wenig Auswirkungen hatte: Ashley Cole.

Der Linksverteidiger hatte es im August nach der WM in Deutschland gewagt, ein Vertragsangebot seines Jugendklubs über 55.000 Pfund pro Woche abzulehnen und das rot-weiße Jersey gegen ein blaues einzutauschen. Höhepunkt der Fan-Wut: Hass-Sprechchöre beim ersten Aufeinandertreffen, "Cashley"-Plakate im Arsenal-Block sowie Anhänger, die es 20-Pfund-Scheine regnen ließen, untermalt von Fäusten und Mittelfingern.

Doch die Saga um Cole begann bereits früher. Schon als er neun Jahre alt war, spielte Cole für die Nachwuchsabteilung der Gunners, gab im Alter von 18 Jahren gar sein Profidebüt (November 1999). Die Karriere des Linksfußes, der in der Jugend noch im Sturm eingesetzt wurde, nahm schnell Fahrt auf: Seinen ersten Profivertrag bei Arsenal unterschrieb er 2000, es folgten sechs Jahre bei den Gunners, die lediglich von einer sechsmonatigen Leihe zu Crystal Palace unterbrochen wurden.

Auf nationaler Ebene gewann Cole mit Arsenal alles: Zweimal die Meisterschaft, dreimal den FA Cup, viermal den englischen Superpokal. Seine offensiven Fähigkeiten waren stets über jeden Zweifel erhaben, mit der Zeit verbesserte er auch sein Zweikampfverhalten und zählte über Jahre zu den besten Linksverteidigern der Welt.

Ashley Cole: Unerlaubte Verhandlungen mit Chelsea

Fans sahen in ihm, der weniger als sieben Kilometer vom ehemaligen Highbury Stadium entfernt im Stadtteil Stepney aufgewachsen war, eine absolute Identifikationsfigur. Einen "Local Hero". Die Homepage der Gunners bezeichnete ihn als "Erinnerung daran, dass lokale Jungs in Zeiten von kosmopolitischen Premier-League-Lineups noch immer ihre Spuren beim größten Klub der Hauptstadt hinterlassen können".

Doch das Verhältnis zum Klub und den Fans veränderte sich Januar 2005 schlagartig. Schon 18 Monate vor dem Wechsel kam es zu einem geheimen Treffen von Cole, seinem Berater Jonathan Barnett und Chelsea-Verantwortlichen um Teammanager Jose Mourinho in einem Londoner Hotel. Als dies an die Öffentlichkeit geriet, hagelte es Hasstiraden - und Strafen.

300.000 Pfund für Chelsea plus Drei-Punkte-Abzug auf Bewährung, 75.000 Pfund für Cole und Mourinho sowie 100.000 Pfund plus 18-monatiges Berufsverbot für Barnett. Die bis dato Höchststrafe von insgesamt 30.000 Pfund, als sich der FC Middlesbrough 2002 unerlaubt um Liverpools Christian Ziege bemühte, wurde deutlich überboten.

Zwar dementierte Cole, dass es in dem 15- bis 20-minütigen Gespräch um "Zahlen, einen Transfer, weitere Treffen oder gar einen Abschied von Arsenal" gegangen sei, sein Ruf bei seinem damaligen Klub war aber trotz allem ruiniert. Kurioserweise verlängerte er im Sommer seinen Vertrag bis 2008, an eine langfristige Zukunft war aber nicht mehr zu denken.

Cole sauer auf Arsenal: "Ich hätte fast einen Unfall gebaut"

Bevor Cole tatsächlich wechselte, boten die Gunners 2006 einen verbesserten Vertrag über 55.000 Pfund in der Woche. Für Cole eine schallende Ohrfeige, ein Ausdruck der aus seiner Sicht geringen Wertschätzung. Denn als Berater Barnett ihm dies telefonisch mitteilte, musste er mit seinem Auto anhalten: "Ich schüttelte mich vor Zorn. Ich konnte nicht glauben, was ich gehört hatte. Ich hätte fast einen Unfall gebaut." Chelsea bot ihm 90.000 Pfund, der Wechsel war beschlossene Sache.

Lediglich 7,4 Millionen Euro erhielt Arsenal letztlich und als Gegenwert außerdem William Gallas, der bei den Gunners aber enttäuschte. Cole, der kurz vor seinem Abgang noch mit den Gunners im Champions-League-Finale dem FC Barcelona unterlag, hatte hingegen eine äußerst erfolgreiche Zeit an der Stamford Bridge. 2012 folgte gar die Krönung in der Champions League im legendären "Drama dahoam".

Der unschöne Wechsel ist jedoch bis heute das Thema Nummer eins, wenn Cole zum Gespräch gebeten wird. Hatte er bereits 2006 in seiner Autobiografie Arsenal vorgeworfen, dass er unberechtigterweise zum "Sündenbock" gemacht wurde und vom Klub "den Haien zum Fraß vorgeworfen" worden sei, hat er seine Meinung nur geringfügig geändert.

Sogar über Niederlagen der Gunners würde er sich freuen. "Wenn ich ehrlich bin: Ja!" Zwar verbinde ihn eine "lange Geschichte mit dem Verein" und sein Abgang war "vielleicht nicht optimal", aber: "Der fehlende Respekt, den er mir zeigte, war ebenfalls unangebracht", erklärte er 2016 bei ITV's Play to the Whistle.

Ashley Cole bereut Ärger mit Arsenal: "Jung, naiv und dumm"

So ganz kann er dann aber doch nicht von seiner alten Liebe loslassen: "Der Schmerz ist immer noch da", sagte er bei Monday Night Football. "Ich bin nicht zu Arsene Wenger gegangen und habe gesagt: 'Ich will weg.'" Manchmal sei er deshalb ein wenig traurig: "Es war mein Klub. Dass es böses Blut bei den Fans gibt, ist manchmal hart."

"Es sollte wohl so sein", sagte er über den Wechsel, den seitdem nur noch Olivier Giroud vollzog. "Ich war jung, naiv und dumm, aber ich hatte das Gefühl, dass etwas passieren muss. Wie ich mich verhalten habe, war etwas stur und hitzköpfig, aber ich bereue es nicht."

Wenger bezeichnete den Transfer im Nachgang als eine der Sachen, die er im Laufe seiner Karriere am meisten bereute: "Er hat in seiner restlichen Laufbahn gezeigt, welch großer Spieler er ist. Er hätte sie hier verbringen sollen" erklärte er im Buch Invincible, das sich der historischen Meistersaison von Lehmann, Vieira, Pires, Henry und eben auch Cole widmet.

Im August 2019 beendete der heute 40-Jährige seine Karriere, nachdem er eine Saison für Derby County unter Ex-Mitspieler Frank Lampard gespielt hatte - nach insgesamt 687 Pflichtspielen und unzähligen Erfolgen. Derzeit arbeitet er in der Nachwuchs-Akademie des FC Chelsea und kümmert sich dort um die U15.

Ashley Cole: Seine Karrierestationen im Überblick

VereinZeitSpieleToreVorlagenGelbe KartenMinuten
FC Chelsea2006-20143387385229.149
FC Arsenal1999-20062289224019.561
Los Angeles Galaxy2016-20199431198.196
AS Rom2014-201616--21.283
Derby County201912122698
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