Fussball

Mesut Özil beim FC Arsenal: Vom Lockdown in die Zwickmühle

Von Alexander Hagl
Mesut Özil hat noch kein Pflichtspiel seit dem Restart bestritten.

Mesut Özil wurde eigentlich unter Trainer Mikel Arteta beim FC Arsenal rehabilitiert. Eigentlich. Nach dem Restart der Premier League ist der ehemalige Nationalspieler aber wieder außen vor - und befindet sich nun in einer Zwickmühle.

Acht Pflichtspiele hat der FC Arsenal seit der Wiederaufnahme des Spielbetriebs in England absolviert. In keinem davon stand die Nummer zehn der Gunners auf dem Platz.

Dabei sah es so aus, als würde Özil unter dem Nachfolger von Unai Emery wieder aufblühen. Özil, der zu Saisonbeginn bei Emery komplett außen vor war, mauserte sich bei Arteta wieder zum Stammspieler. Dann jedoch kam der Lockdown.

Seitdem ist Özil einer der wenigen Tribünengäste und nicht der Denker und Lenker in Arsenals Offensive. "350.000 Pfund die Woche fürs Unterm-Schirm-Sitzen", echauffierte sich der britische Moderator Piers Morgan, als sich Özil in Southampton einen Schirm als Schutz vor der Hitze über den Kopf hielt.

Den Spott über das Gehalt hat sich Özil selbst eingebrockt. Dem Mirror zufolge ist er einer der drei Spieler des Klubs, der den Verzicht auf 12,5 Prozent des Gehalts nicht mitträgt. Und das als Top-Verdiener der Gunners. Sein Jahressalär soll nämlich bis zu 20 Millionen Euro betragen.

Arsenal-Coach Arteta: "Özil ist in den letzten Wochen viel passiert"

Arteta lobte den Verzicht seiner Spieler im Nachhinein als "unglaubliche Geste der Einheit und des Engagements". Darauf sei der Spanier sehr stolz. Dies jedoch als einzigen Grund für Özils Reservistenrolle anzuführen, wäre Schwachsinn. Arteta betonte zudem, dass er nicht nach Gehalt aufstelle.

"Ihm ist in den letzten Wochen viel passiert. Das habe ich zu respektieren", sagte der ehemalige Assistent von Pep Guardiola. Konkretisieren wollte er dies jedoch nicht. Fakt ist, dass Özil immer wieder an Rückenproblemen laboriert. Auch deswegen fiel er für einige Spiele aus.

Laut dem SID ist das Verhältnis zwischen Trainer und Spieler weiterhin intakt. Arteta stört sich aber offensichtlich an der Einstellung und der Arbeitsmoral des Weltmeisters von 2014. Er setze auf "Spieler, die bereit sind, sich gegenseitig zu helfen, füreinander zu kämpfen und gerne zusammenspielen. [...] Wenn Sie sich jeden Tag so verhalten, sind Sie bei uns sehr, sehr willkommen."

Zwischen den Zeilen kann man also lesen, was Arteta von Özil fordert. Das laufintensive und auf Pressing ausgelegte 3-4-3-System, das der Coach seit dem Restart spielen lässt, kommt Özil dabei nicht entgegen.

Arsenal: Özils Problem ist die Arbeit gegen den Ball

"Wenn Mesut Özil den Ball nicht an den Füßen hat, ist er einer der schlechtesten Spieler der Welt. Nennt mir einen Schlechteren! Wenn dein Team den Ball gerade nicht hat, wird Mesut Özil ihn ganz sicher nicht für dich zurückerobern. Weder für Liebe noch für Geld. Ich habe noch nie einen Spieler gesehen, der dann so wenig Interesse zeigt", lederte Arsenal-Legende Paul Merson bei Sky Sports zuletzt gegen den 31-Jährigen.

Etwas freundlicher formulierte dies sein ehemaliger Trainer Emery: "Özil ist ein sehr wichtiger Spieler, wenn man einen Weg finden kann, wie er mit anderen Spielern harmoniert. Er hat das Talent, das es anderen Spielern erlaubt, besser zu werden, aber wenn man ein etwas aggressiveres Pressing spielen will, dann hat er dafür nicht die besten Qualitäten", sagte der Spanier der BBC im Dezember vergangenen Jahres.

Das Grundproblem bei Özil ist also die Arbeit gegen den Ball. Auch einen Monat nach dem Restart scheint Özil nicht auf seine Rückkehr auf den Platz hoffen zu können. Arteta gab zumindest Anfang Juli an, dass er spielen wird, sobald er dazu bereit ist.

Arsenal: Özil meldet sich zu Wort

Auf Instagram meldete sich Özil am Dienstag zu Wort - mit exakt diesen Worten. "I am ready", schrieb er. "Im Moment ist die Situation für ihn unverändert", sagte Arteta aber vor dem Duell gegen den bereits feststehenden Premier-League-Meister FC Liverpool (heute ab 21.15 Uhr im LIVETICKER).

Der 31-Jährige könnte zumindest wieder in den Kader rücken. Ob die Nummer zehn der Gunners am Mittwochabend in Aktion tritt, darf jedoch bezweifelt werden.

Damit steckt Özil nach dem Lockdown in einer Zwickmühle. Die Chance auf Einsätze ist gering, ein Abgang ohnehin schwierig wegen seines exorbitant hohen Gehalts. Zudem betonte er mehrmals, dass er seinen Vertrag bis 2021 erfüllen möchte. Es könnte ein langes Abschiedsjahr für Özil werden.

Mesut Özil: Leistungsdaten für den FC Arsenal in der Saison 2019/20

WettbewerbSpieleToreVorlagenMinuten
Premier League18121449
Europa League2--150
EFL Cup2-1136
FA Cup1--77
Werbung
Werbung
Werbung
Werbung