Fussball

Wayne Rooney feiert Debüt als Spielertrainer von Derby County: Der Vorhang geht noch mal auf

Wayne Rooney gab am Donnerstag sein Debüt für Derby County.

Wayne Rooney ist nicht mehr der athletischste Spieler. Er hat sich vom Stürmer mit Killerinstinkt zum Altherrenfußballer entwickelt. Nach seinem Abenteuer in der MLS kickt er nun in der zweiten englischen Liga als Spielertrainer. Sein Debüt war überraschend vielversprechend.

Crystal Palace gegen Derby County - FA Cup mit Wayne Rooney: Sonntag, 15.01 Uhr live auf DAZN!

Leise und doch laut war sie, Rooneys Rückkehr in den englischen Fußball. Leise, weil zwar rund 27.000 Zuschauer im Pride Park in Derby dem 34-Jährigen applaudierten, aber es eben doch nur ein Zweitligaspiel war. Laut, weil er beim 2:1-Sieg von Derby County gegen Barnsley bei beiden Toren seinen rechten Fuß im Spiel hatte.

Das 1:0 von Jack Marriot bereitete der Routinier per butterweichem Freistoß aus dem Halbfeld vor. Das 2:1 von Martyn Waghorn leitete er mit einem Diagonalball von der Mittellinie aus ein.

Wayne Rooney erntet Lob für sein Debüt

"Es war so surreal, an der Seite von Wayne im Mittelfeld zu spielen. Mit einem meiner Helden zu spielen, ist ein Traum, der wahr geworden ist", sagte Max Bird zu Sky Sports. Im Mittelfeld? Ja, richtig. Rooney ist längst nicht mehr der tödliche Stürmer aus jungen Jahren.

Heute zieht er tief im Mittelfeld die Fäden. "Ich habe das Gefühl, dass ich eine Menge Qualität in den Kader einbringen kann", sagte Rooney nach der Verkündung des Transfers. Seine Qualitäten sind heute andere. Rooney half seiner Mannschaft durch Erfahrung, Kommunikation und Übersicht. "Viele Leute sehen ihn als Stürmer und Torschützen, aber sein Spielverständnis ist ausgezeichnet", sagte Derby-Cheftrainer Phillip Cocu über seinen Assistenten.

Rooneys Rolle hat sich gewandelt. In der MLS erzielte er als Mittelstürmer 25 Tore in 52 Spielen. Cocu stellt ihn als Zehner im 4-4-2-System mit Route auf. Doch Rooney agiert sogar noch tiefer als Ballverteiler. "Wayne ist großartig. Du kannst jeden Lauf der Welt machen und er wird dich finden", sagte Marriot.

Wayne Rooneys allmählicher Abschied von der Premier League

Eine ähnliche Rolle hatte Rooney bereits unter Louis van Gaal bei Manchester United inne. Es war gleichzeitig der Anfang vom Ende der Ära Rooney bei den Red Devils. Das von Athletik geprägte Spiel stand sein geschundener Körper nicht mehr durch. Er schien verbraucht. Es folgte der Wechsel zum FC Everton. Dort zeichnete sich ein ähnliches Bild ab: Rooney avancierte langsam zum Altherrenfußballer. Zu einem mit enormer Qualität.

Bei den Toffees, bei denen der einst 16-jährige Junge aus Liverpools Armenviertel Croxteth seine glorreiche Karriere begann, erzielte Rooney zehn Tore. Doch seinen Stempel konnte er dem Spiel nicht mehr aufdrücken. Rooney wurde geschasst. Nach nur einem Jahr wechselte er zu D.C. United.

Anfangs bezeichnete er die MLS als großartige Chance und Abenteuer. Später kristallisierte sich heraus, dass Everton einfach nicht mehr mit dem alternden Star geplant hatte. "Welcher Grund auch immer es war, ich weiß es immer noch nicht. Everton hat gegen Ende der Saison deutlich gemacht, dass sie froh wären, würde ich gehen. So ist Fußball", sagte Rooney gegenüber ESPN.

Wayne Rooney: Statistiken pro Verein

TeamSpieleToreAssists
Manchester United559253146
FC Everton117284
D.C. United522514
Derby County101

Wayne Rooney - der Vorhang einer Karriere fällt

Für Rooney schien die Tür zum Profifußball in England endgültig geschlossen. Vier Monate später kehrte er für sein Abschiedsspiel in der Nationalmannschaft noch mal ins Wembley zurück. "Der Vorhang einer glanzvollen Karriere fällt", schrieb der englische Verband vielsagend.

So richtig geliebt schien der Rekordtorschütze der Three Lions in England nicht mehr zu sein. Sein schleichender sportlicher Abwärtstrend sowie Eskapaden abseits des Platzes sind die Gründe. Rooney raucht, wurde wegen Trunkenheit verhaftet (er trinkt gern) und betrog seine Frau Coleen, mit der er mittlerweile vier Söhne hat. Das einst glorifizierte Straßenköter-Image haftet noch immer an Rooney, nur wird es eben nicht mehr derart glorifiziert.

Auch in den USA war Rooney nicht gegen Eklats gefeit. Immerhin aus sportlicher Sicht konnte er sein Image aufpolieren. Er belebte die Franchise wieder, führte sie vom letzten Tabellenplatz in die Playoffs. Seinen Traum vom Titel erfüllte er sich zwar nicht, doch hat ihm D.C. United viel zu verdanken.

Wayne Rooney will mit Derby County in die Premier League

Seit Ende Oktober ist Rooney zurück in England. Sein Wechsel zu Derby County stand bereits im August fest. Er hatte zwei Monate Zeit, sich beim englischen Zweitligisten einzufinden, bevor er am 1. Januar offiziell bei der FA angemeldet werden konnte.

Trotzdem ist Rooney der Rost noch anzusehen. "Er ist fit, er kann anfangen, aber wird einige Spiele brauchen", sagte Cocu voraus. Viel Zeit hat Rooney nicht, will er sein im August formuliertes Ziel in die Tat umsetzen: Aufstieg!

Derby startete mäßig in die Saison. Aktuell stehen die Rams auf Platz 17 der Tabelle. Zwischenzeitlich blieb Derby sieben Spiele ohne Sieg. Doch Rooney ist zuversichtlich: "Wenn man sich die Tabelle anschaut, sind wir acht Punkte hinter den Playoffs, das ist noch machbar." So ein wenig hört man den Trainer Rooney schon raus.

Das ist der langfristige Plan des 34-Jährigen. Er kam als Spielertrainer zu den Rams, machte jedoch klar, dass er sich zunächst mehr als Spieler und Schüler von Cocu sehe. Auf dem Platz ist er der verlängerte Arm des Niederländers. "Ich versuche einfach, die Stimme auf dem Spielfeld zu sein und sie (die jungen Spieler, Anm. d. Red.) in kleinen Details anzuleiten."

Dass diese Stimme auch sehr laut werden kann, bekam Stürmer Marriott direkt zu spüren. Der 25-Jährige vergab in der ersten Halbzeit mehrere Chancen. Einmal schrie Rooney wild gestikulierend auf ihn ein. Später erklärte der Routinier: "Du kannst Chancen vergeben, kein Thema. Es war die Art und Weise, wie lässig er es angegangen hat. Er sagte, dass er glaubte, im Abseits zu stehen. Aber du schießt das Tor, immer! Wenn du dann im Abseits gestanden hast, ist es eben so. Aber du schießt das Tor."

"Das Schwierigste im Leben ist, hart zu arbeiten"

Eine knackige Lektion, dann orientiert sich Rooney wieder nach hinten. Im Pride Park. Derby gegen Barnsley. Das ist nun also Rooneys Bühne. Trotzdem: Der Vorhang, der laut FA längst gefallen sei, geht noch einmal auf.

Rooneys Vertrag läuft bis 2021. Derby hat jedoch die Möglichkeit, den Vertrag um ein weiteres Jahr zu verlängern. Dass Rooney die Motivation findet, in der zweiten Liga zu kicken, liegt zum Teil wohl an den rund 105.000 Euro, die er pro Woche verdient. Zum Teil aber auch an Sir Alex Ferguson, Rooneys bestem Lehrer.

"Es gibt viele Trainer-Weisheiten, die du dir im Laufe deiner Karriere merkst. Aber diese eine ist mir am stärksten in Erinnerung geblieben: 'Das Schwierigste im Leben ist es, hart zu arbeiten.' Das ist wahr, egal was du tust. Ob Fußball oder Bürojob, das Schwierigste ist es, motiviert zu bleiben. Es ist eine tolle Eigenschaft, wenn man das kann."

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung