Wer lässt hier wen im Stich?

Von SPOX
Jürgen Klopp steckt mit dem FC Liverpool in einer handfesten Krise
© getty

Der FC Liverpool steckt in der Krise und kassiert eine herbe Pleite gegen die Tottenham Hotspur. Trainer Jürgen Klopp baut auf einer unsicheren Defensive auf und erntet viel Kritik. Der Gegenwind wird immer stärker.

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Wenn Jürgen Klopp das Lachen vergeht, muss etwas wirklich Schlimmes passiert sein. Der Sonntag, genauer gesagt das Duell mit den Tottenham Hotspur, verlief wirklich schlimm für den FC Liverpool. Mit 1:4 wurden die Reds im Wembley abgefertigt und verfielen dabei phasenweise in puren Slapstick.

Beim Trainer verwandelte sich im Laufe der 90 Minuten eine Lachfalte nach der anderen in eine Sorgenfalte. Hatte der 7:0-Kantersieg unter der Woche gegen Maribor noch eine Trendwende angedeutet, ist die Krise am Wochenende doch abermals verschärft worden. 13 Punkte aus neun Spielen bedeuten für Liverpool derzeit den neunten Platz in England.

Seit der 0:5-Pleite gegen Manchester City Anfang September standen Klopp und seine Reds nur zweimal auf der Siegerseite - gegen Maribor und gegen ein nicht minder in der Krise steckendes Leicester City. Zwischendrin war jede Menge, aber nur wenige Erkenntnisse.

Liverpool: Standortbestimmung Tottenham

Unentschieden gegen Sevilla, Burnley, Spartak Moskau, Newcastle und zuletzt Manchester United ließen kaum Rückschlüsse zu über die tatsächliche Stärke von Liverpool - ganz im Gegenteil zur Niederlage gegen die Spurs. "Wir können jetzt nicht über die Top vier reden. Wir sind Neunter", stellte Klopp im Anschluss fest.

Der sonst so optimistische 50-Jährige sprach von den "schlechtesten Statistiken seit 1964". 16 Gegentore hat es seitdem nach neun Spieltagen nicht mehr gegeben, eine derart schlechte Defensivleistung dürfte in den Archiven auch schon lange nicht mehr eingegangen sein.

Schon nach 31 Minuten nahm Klopp den bis dato verheerenden Dejan Lovren vom Platz und brachte mit Alex-Oxlade Chamberlain einen weiteren offensiven Akteur. "Dejan war nicht verletzt und auch nicht schlechter als alle anderen. Wir mussten etwas verändern", erklärte der Trainer seinen frühen Wechsel.

Causa Lovren sorgt für Unruhe

Eine Auswechslung nach einer halben Stunde kommt aber stets einer öffentlichen Diffamierung gleich - besonders, wenn es von einem wütenden Klopp befeuert wird. "Das erste Tor wäre nicht gefallen, wäre ich auf dem Platz gestanden", fluchte dieser nach der Partie.

Das kam nicht überall gut an, schon gar nicht bei den zahlreichen TV-Pundits in England. Ex-Profi Peter Schmeichel schwang sich zum Wortführer auf: "Was er getan hat, ist alle Verantwortung auf Lovren zu schieben. Er wird jetzt die Überschriften dominieren und das ist wirklich unfair. Dort sollte der Manager stehen."

Klopp, so Schmeichel, habe mit seinem Handeln Lovren "gekillt", der Spieler wäre nun nahezu vogelfrei. Das sei nicht gerechtfertigt: "Die Art und Weise, wie sie heute verteidigt haben und wie sie schon die ganze Saison lang verteidigen ist naiv und Jürgen Klopp muss dafür Verantwortung übernehmen."

Neville: "Sie sind nicht gut genug"

In den Planungen der Reds ergibt sich derzeit ein Mismatch. Die Abwehrreihe muss hoch stehen, um das Pressing zu unterstützen, das wiederum den Verteidigern die Aufgaben erleichtern soll. Wenn das Pressing allerdings so wenig greift wie gegen die Spurs, muss die Defensive eine nicht unwesentliche individuelle Qualität unter Beweis stellen.

Klopp verteidigte jedoch sein Defensiv-Konzept: "Jeder Job ist klar, aber wir haben ihn nicht erledigt. [...] Wir müssen unter Beweis stellen, dass wir bessere Verteidiger sind als wir gezeigt haben. Es war nicht so, dass Tottenham genial gespielt hat, um durch unsere Abwehrreihen zu kommen."

Der Trainer distanziert sich in der Krise von den Leistungen seiner Mannschaft. Mit Recht, so ein anderer dieser Pundits. "Seine Innenverteidiger und sein Torwart werden ihn immer killen. Sie sind nicht gut genug. Völlig egal wie gut sie offensiv sind, sie werden ihn immer im Stich lassen."

Ein Blick zu Chelsea genügt

Die Nicht-Verpflichtung von Wunschkandidat Virgil van Dijk macht sich bemerkbar. Schon im vergangenen Jahr war Liverpool defensiv nie so sattelfest wie gewünscht gewesen, die teuren Neuzugänge beschränkten sich aber auf die Offensive: Alex Oxlade-Chamberlain und Mohamed Salah.

Doch das Prinzip "Wir müssen mehr Tore schießen als der Gegner", zeigte sich ebenfalls wenig erfolgreich: "Wir hatten unsere Chancen, aber gegen ein Team wie dieses Tottenham, das komplett fokussiert war, kann man mit einer derartigen Performance keine Punkte holen."

Für Klopp wird es mit zwölf Punkten Rückstand auf den Tabellenführer Zeit, Lösungen zu finden. Der Blick zum FC Chelsea sollte als Ansporn genügen. Dort wird Trainer Antonio Conte, im letzten Jahr immerhin Meister, nach einem durchschnittlichen Start Tag für Tag mehr in Richtung Entlassung geschrieben.

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