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Fussball

Nur noch fünf Minuten

Arsene Wenger startet am Sonntag gegen den FC Liverpool in seine 21. Spielzeit beim FC Arsenal

Arsenewenger: Auch aufgrund solcher Anekdoten wird Wenger in London vergöttert. Am 24. November 2007 kam dem Franzosen eine besondere Ehre zuteil. Ein Asteroid wurde nach ihm benannt. "Arsenewenger" liegt auf dem mittleren Hauptgürtel und heißt so, weil sein Entdecker, Ian P. Griffin, riesiger Arsenal-Fan ist.

Das Hollywood-Techtelmechtel: Der Himmelskörper würde unter diesem Namen wohl nicht existieren, wenn dessen Namensvetter ein Jahr zuvor zu Real Madrid gewechselt wäre. Das hatte der damalige Präsidentschaftskandidat der Königlichen, Juan Miguel Villar Mir, nämlich versprochen.

Nach dessen Aussagen hätte er sich bereits über einen Vierjahresvertrag mit Wenger geeinigt. Letzten Endes wurde Ramon Calderon neuer Chef in Madrid. Doch auch der sprach mit Wenger: "Er war sehr interessiert zu diesem Zeitpunkt."

Der Deal scheiterte aber an Wengers Liebe zum Spiel. Calderon erinnert sich: "Er fragte mich: 'Wollt ihr wieder einen Hollywood-Verein oder einen Fußball-Klub?'"

Das letzte Mal Highbury: Wenger verschwendete offenbar nur wenige Gedanken an einen Wechsel. Ein schwacher Moment in einer schwierigen Zeit. Arsenal war finanziell limitiert. Grund dafür war einer der emotionalsten Momente in Wengers Zeit bei Arsenal, das letzte Spiel im altehrwürdigen Highbury.

"Wir hätten uns alle schuldig gefühlt, wenn wir hier mit einer Niederlage rausmarschiert wären, nachdem, was hier in den vergangenen Jahrzehnten alles passiert ist", sagte Wenger nach der Partie.

Der 4:2-Sieg gegen Wigan Athletic war gleichbedeutend mit dem Umzug ins Emirates Stadium und der Aufnahme eines großen Kredits. Das weitaus größere Stadion sollte die glorreiche Zukunft des Klubs einläuten. Doch sportlich lief es weniger glorreich. Arsenal wurde Vierter in der Liga.

Die Erlösung: Und tatsächlich begann Wegners große Durststrecke. Neun Jahre mussten die Fans auf einen Titel warten. Am 17. Mai 2014 reckte Kapitän Mikel Arteta (zumindest) den FA Cup in die Höhe. "Ich freue mich für mein Team. Ich glaube das war ein Wendepunkt", sagte Wenger nach seinem fünften Pokal-Sieg.

Das erste "Arsene doesn't know": Doch eine spürbar neue Ära bewirkte auch das nicht, genauso wenig wie die Titelverteidigung im darauffolgenden Jahr. Die Fans sehnen sich nach der Meisterschaft. Am 19. März dieses Jahres forderten Fans erstmals öffentlich Wengers Rücktritt.

"Zeit für Veränderung! Arsenal FC. Nicht Arsene FC", konnte man auf den Schildern lesen. Wenger entschuldigte sich, dass er nicht "100 Prozent zufriedenstellen kann". "Ich glaube, das ist eher enttäuschte Liebe als echte Aggression", erklärte Wenger seine Sichtweise. Schließlich hätte Arsenal seit langem wieder angemessene Ansprüche auf die Meisterschaft gehabt.

Eine weitere Transferperiode, in der die Konkurrenz Namen wie Zlatan Ibrahimovic an Land zog und Arsenal sich eher bedeckt hielt, verschärft die Kritik. Idealist Wenger bleibt dennoch dabei: "Nicht Namen sind wichtig, sondern das Team."

Der Nur-noch-fünf-Minuten-Moment: Fußball-Purist eben. Das Spiel ist Wengers Lebensinhalt. Ob Wenger nach dieser Saison, nach der auch sein Vertrag endet, wirklich in Rente geht, ist unsicher. Die Liebe zum Verein ist zu groß. Darunter litt unter anderem auch Wengers Ehe mit seiner Ex-Frau Annie.

Ein unscheinbarer Moment in Wengers Karriere spiegelt seine wahre Liebesbeziehung perfekt wider. Im Jahr 1998 fand ein vielsagendes Gespräch mit seiner Annie statt: "Ich sagte meiner Frau: 'Noch fünf Jahre, dann höre ich auf'. Und ich bin immer noch hier."

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