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Fussball

Exklusiv - Shakhtar-Techniktrainer Paolo Bianco berichtet von Flucht aus Kiew: "Man konnte nachts kein Auge zumachen"

Von Renato Maisani
Paolo Bianco ist Techniktrainer bei Shakhtar Donezk.

Paolo Bianco ist Techniktrainer bei Shakhtar Donezk und floh nach dem russischen Einmarsch aus der Ukraine. Wir sprachen exklusiv mit ihm.

Paolo Bianco, Techniktrainer beim ukrainischen Topklub Shakhtar Donezk, hat im exklusiven Gespräch SPOX und GOAL von seiner Flucht aus Kiew nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine berichtet.

Der Italiener und der Trainerstab um Chefcoach und Landsmann Roberto De Zerbi wandten sich zunächst an die italienische Regierung, die ihnen beim Verlassen der Ukraine jedoch nicht helfen konnte. Daher organisierte Darijo Srna, langjähriger Shakhtar-Spieler und heutiger Sportdirektor des Klubs, gemeinsam mit dem ukrainischen Fußballverband, dass Bianco, De Zerbi und einige der anderen Coaches zunächst nach Ungarn fliehen konnten.

Davor mussten sie jedoch noch in einem Hotel ausharren und fürchten, das Land nicht rechtzeitig verlassen zu können: "In den Tagen, als wir uns auf den möglichen russischen Einmarsch in die Stadt (Kiew, d. Red.) vorbereiten mussten, wiesen uns Vertreter der OSZE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, d. Red.) sowie einige Journalisten an, unsere italienischen Pässe und die italienische Flagge stets bereitzuhalten ... Hände auflegen, nach unten schauen, sie nicht herausfordern ...", sagte Bianco zu SPOX und GOAL. "Natürlich konnte man nachts kein Auge zumachen. Wir verbrachten unsere Tage damit, eine Flucht vorzubereiten."

Als sie das Hotel schließlich verlassen konnten, habe er "ein Gefühl von Freiheit verspürt, das ich zuvor noch nie in meinem Leben hatte. Tagelang in einem Keller eingesperrt zu sein, mit Menschen, die man nicht kennt, ohne etwas zu wissen, führt nach einer Weile dazu, dass man nicht einmal mehr Angst hat."

Shakhtar-Techniktrainer Bianco floh aus der Ukraine

Sie verließen Kiew daraufhin mit dem Zug, doch "die Reise dauerte neuneinhalb Stunden", erzählt Bianco. "Manchmal musste der Zug im Dunklen weiterfahren, weil auf einigen Strecken Bombenanschläge im Gang waren."

Anders als Bianco sind einige Mitglieder des Trainerstabs und auch einige Spieler immer noch in der Ukraine. "Wir kontaktieren sie jeden Morgen und hoffen auf ihre Antwort. Wir machen uns große Sorgen um sie", so der 44-Jährige, der einst unter anderem für Cagliari, Atalanta und Sassuolo in der Serie A spielte.

Er wisse derzeit nicht, ob er je wieder für Shakhtar arbeiten werde, sagt Bianco und fügte an: "Aber ich sehe mich definitiv wieder zusammen mit diesen Leuten. Ich will zurück in die Ukraine, um sie alle zu umarmen. Diese Erfahrung wird uns für immer zusammenschweißen."

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