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Fussball

Ex-Ajax-Juwel Dani Koks: "Kühlschrank"-Vertrag, De-Jong-Schicksal und eine zweite Leidenschaft

Von Stanislav Schupp
Dani Koks spielte in der Jugend für Ajax Amsterdam.

Koks zählte zu den begehrtesten Talenten des Landes, spielte mit heutigen Superstars. Mit gerade einmal 23 ist der Profitraum aber wieder Geschichte.

Dani Koks hat ein breites Grinsen auf dem Gesicht, wenn er seine Zeit bei Ajax Amsterdam Revue passieren lässt. "Das war eine ganz andere Welt", erzählt er im Gespräch mit SPOX und Goal.

Koks kam im Alter von 14 Jahren in die prestigeträchtige Talentschmiede des niederländischen Meisters. Der zentrale Mittelfeldspieler galt als eines der größten Juwele des Landes, dem alle Türen offen standen. Der Traum vom Profi war präsenter denn je.

Anno 2021 ist dieser für den gerade einmal 23-Jährigen allerdings bereits Geschichte. Während seine einstigen Akademie-Kollegen Frenkie de Jong oder Matthijs de Ligt heute auf höchstem Level spielen, widmet sich Koks einer anderen Leidenschaft: Er gründete ein Unternehmen für Videoproduktionen, kreiert unter dem Pseudonym Dani Digitals beispielsweise Werbe- oder Hochzeitsaufnahmen.

Mit dem Fußball hat Koks nach einigen Enttäuschungen bereits früh abgeschlossen - freiwillig. Dabei hatte die Reise äußerst vielversprechend begonnen.

Ex-Ajax-Talent Koks: Telefonterror und ein "Kühlschrank"-Vertrag mit Frenkie de Jong

Bereits im Alter von sieben Jahren stieß Koks zur ersten großen Nachwuchsakademie. Seinerzeit war es die von Willem II, national wie international ebenfalls angesehen, brachte der Klub doch Größen wie Frenkie de Jong oder Virgil van Dijk hervor. Ersteren kennt er seither.

"Mit 14 hatte ich mein bestes Jahr", erinnert sich Koks: "Man kann sagen, dass es im Team nur um mich ging. Ich war Kapitän und habe als Mittelfeldspieler 30 Tore geschossen." Dies blieb auch den anderen Größen des Landes nicht verborgen. Und dann ging die Jagd los.

"Ich war gerade in der Schule, als mein Vater mich anrief und sagte: 'Dani, du wirst es nicht glauben, aber Feyenoord hat angerufen. Sie wollen, dass du kommst.' Ich fand das absolut verrückt." Als sei dies nicht genug gewesen, klingelte sein Handy nur wenige Minuten später erneut, diesmal war es PSV Eindhoven, das Interesse bekundet hatte. Eine Woche verging, ehe Koks senior die Bombe platzen ließ - Ajax war ebenfalls interessiert. "Ich dachte, er macht Witze", blickt Koks zurück: "Innerhalb von nur einer Woche hatte sich meine komplette Karriere verändert. Das war das stressigste Jahr überhaupt."

Koks hatte die vielzitierte Qual der Wahl. Aus dem Ausland gab es zudem ein Angebot von Aston Villa. Auch Willem II wollte sich nicht kampflos geschlagen geben und ließ sich etwas ganz Besonderes einfallen. "Da ich erst 14 war, war es nicht legal, mir einen Vertrag anzubieten", verrät Koks. Also bot man ihm einen "Kühlschrank"-Vertrag an. "Den hätten sie nach meiner Unterschrift bis zu meinem 16. Lebensjahr im "Kühlschrank" behalten, also aufbewahrt, ehe er sich in einen Profivertrag verwandelt hätte", erklärt der frühere Juniorennationalspieler. Den gleichen habe man auch De Jong angeboten, den der heutige Barca-Star auch unterschrieb.

Koks hingegen lehnte all dies ab, entschied sich 2012 für Ajax. Er sei sich sicher gewesen, dass Ajax die "beste Nachwuchsakademie Europas, wenn nicht sogar weltweit" habe.

Mit seiner Spielweise hätte Koks nach eigener Aussage eher woanders hin gepasst, doch er hatte andere Ansprüche an sich selbst. "Ich war ein Box-to-Box-Spieler, einer, der perfekt zu PSV oder Feyenoord gepasst hätte", erklärt Koks, der in Amsterdam größeres Entwicklungspotenzial sah: "Ajax legte hingegen viel mehr Wert auf Passspiel und Kreativität, auf Tiki taka sozusagen. Ich konnte dort also an etwas arbeiten und schneller verbessern, was nicht gerade zu meinem Spezialgebiet gehörte."

Legende als Gegenspieler und purer Teenager-Luxus: "Das ist einfach Ajax"

Da war er nun, in einer der renommiertesten Talentschmieden der Welt, Seite an Seite mit den besten Talenten des Landes. Vor allem zwei stachen dabei heraus. "Matthijs de Ligt und de Jong waren unvergleichlich. Frenkie war ein unglaubliches Naturtalent und Matthijs war bereits mit 14 genauso groß und stark, wie er es jetzt ist", sagt Koks schmunzelnd: "Sein Pass- und Abwehrspiel waren damals schon beeindruckend."

Den Moment, als er die Akademie betrat, bezeichnet er noch heute als "prägendstes Erlebnis" seiner Karriere. Sogar mit Legende Dennis Bergkamp durfte er einst trainieren. "Er hat mit den Profis trainiert und unser U15-Trainer fragte ihn, ob er nicht bei uns mitmachen wolle. In den Trainingsspielen war er einfach mein direkter Gegenspieler", erinnert sich Koks begeistert.

Trotz des Prestige und der zahlreichen Top-Talente herrschte bei Ajax keine Ellbogen-Kultur. Natürlich habe ein gewisser Konkurrenzgedanke geherrscht, "aber untereinander hat man das nie gespürt", betont Koks: "Als ich dorthin kam, hielt ich Ajax für einen arroganten Klub. Jede Mannschaft, gegen die wir gespielt haben, sei es Anderlecht oder Manchester United, hat zu uns aufgeschaut. Der Sozialgedanke war aber sehr präsent." Im Endeffekt sei Ajax "ein wärmerer Verein als Willem II" gewesen.

Es hat etwas gedauert, bis Koks realisierte, dass er tatsächlich Teil von Ajax war, auf Turniere ins Ausland reisen und bereits in jungen Jahren den ganzen Luxus des Vereins genießen würde.

"Zunächst wohnte ich noch bei meinen Eltern in Tilburg und hatte einen privaten Fahrer, der mich fünfmal die Woche anderthalb Stunden zu Trainings und Spielen nach Amsterdam und wieder zurück fuhr. Später trainierten wir zweimal am Tag, also stellte mir Ajax ein Zimmer im Hilton Hotel unweit des Stadions zur Verfügung." All das, gesteht Koks, habe ihn "etwas arrogant werden lassen. Es war für alles gesorgt, sodass ich mich vollkommen auf Fußball konzentrieren konnte. Das ist einfach Ajax."

Volle Konzentration also für den großen Traum. "Mit jedem Jahr kam ich näher an die Profis. Jedes Jahr habe ich mich gefragt, ob ich derjenige bin, der es ganz nach oben schafft", sagt Koks.

Doch die Einsatzzeiten in der Jugend schwanden, genauso wie die Perspektive. Koks schaffte es nicht. "Nach drei Jahren war ich unsicher, ob ich den Sprung zu den Profis vielleicht nicht doch lieber woanders schaffen würde", erinnert sich Koks. Mit Donny van de Beek oder Abdelhak Nouri hatte er große Konkurrenz auf seiner Position. "Zum damaligen Zeitpunkt dachte ich, dass es die beste Entscheidung sei, zu Willem zurückzukehren", begründet Koks seinen Entschluss. Es sollte einer werden, den er später als "größten Fehler seiner Karriere" bezeichnet.

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