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Fussball

Beim Football Manager für Chile entdeckt und nun Senkrechtstarter in Südamerika: Das ist Ben Brereton

Von Chris Lugert
Ben Brereton ist in aller Munde.

Er ist das neue, frische Gesicht des chilenischen Fußballs und derzeit das Thema in der dortigen Fachpresse. Ben Brereton, 22 Jahre alt und hauptberuflich Stürmer. Seine Geschichte ist außergewöhnlich, denn Brereton hat sein gesamtes Leben ausschließlich in England gespielt, kämpft sich dort seit Jahren durch die Knochenmühle Championship - und spricht obendrein kein Wort Spanisch.

Dass er sich dennoch seit diesem Jahr chilenischer Nationalspieler nennen darf, liegt an zwei Dingen: an der Herkunft seiner Mutter sowie an einem aufmerksamen Zocker des beliebten 'Football Manager'. Doch der Reihe nach.

Brereton wurde 1999 in der englischen Arbeiterstadt Stoke-on-Trent geboren. Viel weiter entfernt von Glanz und Glamour des internationalen Fußballs kann eine Stadt kaum sein. Der dort heimische Klub Stoke City verkörpert die alten englischen Fußballtugenden noch heute. Kratzen, beißen, kämpfen, grätschen, und jeder Pass am Boden ist einer zu viel.

Schon früh allerdings erlebte Brereton die andere Seite des Fußballs. Bereits als Siebenjähriger kam er 2006 in die Nachwuchsabteilung von Manchester United und durchlebte dort seine fußballerische Ausbildung. 2013 zog es ihn zurück nach Stoke, dann auch wirklich zu den Potters. Zwei Jahre blieb er dort, dann ging es zu Nottingham Forest. Seit 2018 spielt er für die Blackburn Rovers. Etwa in dieser Zeit wurde auch der chilenische Verband erstmals auf ihn aufmerksam.

Denn seine Mutter ist Chilenin, was der Verband allerdings erst durch fremde Hilfe erfuhr. Ein aufmerksamer Spieler des 'Football Manager' startete eine Online-Kampagne, in der er darauf hinwies, dass Brereton für Chile spielberechtigt ist.

Brereton: Ex-Angestellter von Arsenal intensiviert Austausch

Es kam zu einem ersten Austausch, wirklich konkret wurde das Thema allerdings erst Ende 2020. Damals wurde Francis Cagigao zum Sportdirektor des chilenischen Verbandes ernannt. Cagigao selbst hatte eine Vergangenheit in England, beim FC Arsenal war er als Leiter internationale Rekrutierung tätig. "Nachdem ich kam, haben wir jeden Spieler analysiert, sowohl die im Ausland als auch in der heimischen Liga", erklärte Cagigao.

Besonders Brereton hatte es ihm angetan. "Ich habe jedes Spiel von ihm gesehen, habe mir Berichte und Analysen eingeholt. Das führte dann zum Austausch mit dem Spieler, mit dem Berater, um sicherzustellen, dass der Spieler auch für uns spielen will", sagte Cagigao. Die Resonanz beim Spieler war positiv, auch Nationaltrainer Martin Lasarte wollte ihn haben. "Danach ging es nur noch darum, ihn rüberzuholen", schilderte Cagigao.

Ben Corbyn, der Sohn des früheren Vorsitzenden der englischen Labour-Partei Jeremy Corbyn, wurde mit der Abwicklung betraut. Auch er hat eine chilenische Mutter, verfügt über gute Kontakte ins Team und bot schon zuvor seine Hilfe an, wenn es darum geht, britische Spieler zu registrieren.

Brereton: "Eine Ehre, für Chile zu spielen"

Nach einigen formellen Angelegenheiten erhielt Brereton schließlich in der chilenischen Botschaft in London seinen Pass, seine erste Einladung ins Nationalteam erfolgte im Mai 2021. Brereton bezeichnete es als "große Ehre", ab sofort für Chile spielen zu dürfen. "Chile hat ein tolles Team, meine Mutter, mein Großvater, meine gesamte Familie ist sehr stolz. Es ist etwas ganz Besonderes für sie und sie waren zu Tränen gerührt", sagte er.

Und auch sportlich wusste Brereton, der im Nationalteam unter dem Namen Brereton Diaz aufläuft, sofort zu überzeugen. Er bestritt alle fünf Spiele bei der Copa America, und vor wenigen Wochen schoss er Chile zum wichtigen Sieg in der WM-Qualifikation gegen Peru.

"Es wird hier viel über Ben gesprochen, und das hat er sich verdient", sagte Cagigao: "Er ist so etwas wie ein Idol geworden, aber er weiß, dass sich die Dinge im Fußball schnell verändern können. Er bleibt mit beiden Beinen auf dem Boden." Allerdings kann es durchaus sein, dass Bereton künftig bald ganze Hauswände ziert. Denn er wurde bereits zum Gesicht von Pepsi Chile auserkoren. Über Alexis Sanchez und Arturo Vidal redet derzeit kaum jemand mehr.

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