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Fussball

Mino Raiolas Karriere-Anfänge in Haarlem: Tür, Tisch, Transfermarkt

Heute ist Mino Raiola (53) einer der berüchtigsten Spielerberater der Welt, sein Weg dahin war ein verworrener. Er handelt von Tätigkeiten in Restaurants und als Sportdirektor des HFC Haarlem, von Fahrten in Stretchlimos durch die Niederlande und Taktik-Übersetzungen auf der Bank von Foggia Calcio. SPOX und Goal begaben sich auf Spurensuche und sprachen mit Weggefährten.

Kreuzung Gasthuissingel/Houtplein, ein Haus wie viele andere in der niederländischen Stadt Haarlem nahe Amsterdam auch: rote Backsteine, große Fenster, selbstverständlich an einem Kanal gelegen. Das Erdgeschoss ist beige gestrichen und darüber steht: "Ristorante Napoli". Es ist der Ort, an dem Mino Raiolas sagenhafte Karriere im Fußball-Geschäft Ende der 1980er Jahre begonnen hat.

Heute zählt der 53-Jährige gemeinsam mit Jorge Mendes zu den berüchtigsten Beratern der Welt. Spieler lieben ihn, Klubs hassen ihn wegen seiner harten Verhandlungstaktiken, sein Konto ist voll und wird immer voller. Raiola transferierte Paul Pogba 2016 für die damalige Weltrekord-Summe von 105 Millionen Euro von Juventus Turin zu Manchester United - und kassierte dafür laut Football Leaks 49 Millionen Euro selbst. Aktuell sucht er nach dem bestzahlenden Klub für Borussia Dortmunds Erling Haaland.

Wie Mino Raiola nach Haarlem kam

Begonnen hat Raiolas Weg in einem Städtchen bei Neapel, wo er 1967 zur Welt kam. Wenige Monate später wanderte seine Familie nach Haarlem aus. Sein Onkel mit dem herrlichen Namen Gerardo Cannavacciuolo hatte dort kurz davor das bis heute bestehende Ristorante Napoli eröffnet, damals war es eines der ersten italienischen Lokale des Landes.

Pizza und Pasta sorgten schnell für Begeisterung in Haarlem und dem benachbarten Amsterdam, sogar Ajax-Spieler sollen regelmäßig zum Dinieren die rund 20 Kilometer gen Westen gereist sein. Raiolas Vater und Onkel nutzten die frisch entdeckte Lust der Niederländer auf das neuartige italienische Essen und eröffnete weitere Restaurants. Wie viele? Das ist schwer nachzuvollziehen, zu unterschiedlich sind die Aussagen. Fragt man Zeitzeugen in Haarlem, erinnern sie sich an ein oder zwei weitere, Raiola selbst berichtete in einem Interview mit 11Freunde mal von sagenhaften 25.

Fest steht: Raiola half, wo er konnte. "Ich war der älteste Sohn, mein Niederländisch war besser als das meines Vaters, also wurde ich sein Berater, sein Einkäufer, sein Geschäftsführer. Verhandeln und organisieren, das war mein Ding. Alles, was ich kann, habe ich im Restaurant gelernt", sagte Raiola. Heute wird er gerne "Il Pizzaiolo" gerufen, aber das ist dann doch übertrieben. Pizzabäcker Mino? "Ich habe so ziemlich alles gemacht - gespült, gekellnert, nur eines nie: Pizza gebacken."

Die Wege von der Tür zum Tisch

Das Ristorante Napoli war als lokale Institution eine Art inoffizielle Außenstelle des HFC Haarlem, diente als Lokalität für Treffen der Klubführung und zeitweise außerdem als Trikotsponsor. Ganz automatisch kam Raiola so mit den wichtigsten Mitarbeitern in Kontakt, beispielsweise dem damaligen Vorstand Andre van Eerden.

Angesprochen auf Raiola, erinnert er sich an einen "typischen Italiener": Die Liebe zum Fußball, die ausufernde Körpersprache, die Offenheit und die Freundlichkeit und der Drang, sich mit allen auszutauschen. Ciao ragazzi! Come state? "Mino war derjenige, der einen bei der Tür willkommen geheißen, abgeholt und dann zum Tisch gebracht hat", sagt van Eerden.

Bei diesen Wegen zwischen Tür und Tisch bekam Raiola erste Einblicke in den Klub. Schnell soll er seine Meinung zu allen Themen abgegeben haben. Also fragten sie ihn, ob er nicht aktiv mithelfen wolle. Er wollte und wurde Vorstand, 1989 dürfte das gewesen sein. Raiola war damals Anfang 20. Sein Jura-Studium fand er deutlich weniger spannend als die neue Tätigkeit im Fußball, nach kurzer Zeit brach er es ab. Beim HFC Haarlem machte Raiola zunächst das, was er aus dem Restaurant bestens kannte: Fremde ansprechen und sie zum Geldausgeben animieren.

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