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Fussball

Alen Halilovic: Wunderkind, "Next Messi" und jetzt in Englands 2. Liga

Von Oliver Maywurm

Seit Ende November probiert sich Alen Halilovic in der zweiten englischen Liga bei Birmingham City. Von einem Hochbegabten, dem die Welt zu Füßen zu liegen schien.

Alen Halilovic war mit 14 schon so gut, dass sich die größten Klubs Europas um seine Verpflichtung balgten. Mit nur 16 Jahren spielte er dann mit Dinamo Zagreb in der Champions League und für Kroatiens A-Nationalmannschaft - und wäre beinahe schon damals nach Spanien gewechselt.

Sein Vater Sejad, der einst selbst Länderspiele für Kroatien und Bosnien-Herzegowina absolvierte und für Real Valladolid in LaLiga spielte, hatte bereits alles eingefädelt für einen Wechsel seines Sprösslings zu Atletico Madrid. "Sie waren auf dem Weg dorthin", erinnert sich Dinamos damaliger Vorstandsboss Zdravko Mamic laut Guardian.

Er griff ein, verhinderte den Transfer in Spaniens Hauptstadt in letzter Sekunde. "Ich stoppte die Familie direkt vor der Zollstelle an der kroatischen Grenze und überredete sie doch noch zum Bleiben."

Halilovic durfte also doch noch ein bisschen in seiner Heimat bleiben, sich doch noch etwas ruhiger in Zagreb weiterentwickeln. Die Erwartungen, sie waren aber gefühlt schon immer überbordend. "Ich bin mir bewusst, wie überheblich das klingt: Aber wenn es je einen Spieler vom Typ Messi gab, dann ist er es", sagte Zagrebs Sportdirektor Zoran Mamic 2012 zu Canal+ - und hatte dabei mit Sicherheit auch im Hinterkopf, die Ablöse für sein Juwel so weit wie möglich nach oben zu treiben.

Halilovic: Einst war er der "kroatische Messi"

Gut acht Jahre später kann sich Halilovic für all die Lorbeeren von damals überhaupt nichts mehr kaufen. Als er 2014, mit 18, schließlich den Schritt zu einem Topklub machte und beim FC Barcelona unterschrieb, gab es kaum einen Artikel, in dem er nicht "Kroatischer Messi" oder "Next Messi" genannt wurde.

Vor allem die ersten zwei oder drei Jahre nach dem Wechsel ins Camp Nou seien "wirklich schwierig" gewesen, wurde Halilovic Anfang Dezember von der Birmingham Mail zitiert. Zwei Wochen zuvor hatte er nach einiger Zeit der Vereinslosigkeit beim englischen Zweitligisten Birmingham City unterschrieben. Dort will der mittlerweile 24-jährige Spielmacher die x-te Chance, seine Karriere doch noch in Fahrt zu bringen, endlich nutzen.

"Barcelona hatte damals eine extrem starke Mannschaft", versucht sich Halilovic heute an einer Erklärung für sein Scheitern bei Barca. "Messi, Suarez, Neymar, Iniesta, Xavi - es war wirklich hart, Chancen zu bekommen. In meinem ersten Jahr dort gewannen sie alles."

Alen Halilovic: HSV "mein größter Fehler"

Ein Einsatz im Pokal in seiner ersten Saison sollte bis heute sein einziger für Barcelonas erste Mannschaft bleiben. Dass sich Halilovic 2015 dann auf eine weiterhin andauernde Odyssee begab, ist bestens bekannt. Sein "größter Fehler" sei dabei der Wechsel zum Hamburger SV im Sommer 2016 gewesen.

Bruno Labbadia, der ihn an die Elbe geholt hatte, wurde schon nach einigen Wochen entlassen, bei Nachfolger Markus Gisdol spielte Halilovic keine Rolle mehr. "Er sagte mir, dass er für mich keine Verwendung habe", erinnert sich der zehnmalige kroatische Nationalspieler.

Bei Las Palmas lief es danach zumindest zeitweise ordentlich, doch weder dort noch beim AC Milan, bei Standard Lüttich oder in Heerenveen reichte es zum endgültigen Durchbruch. Aufgegeben hat Halilovic die Hoffnung auf eine große Karriere aber nie - und er nahm sich dafür vor gut einem Jahr mit Luka Modric einen berühmten Landsmann zum Vorbild. "Er hat Dinamo Zagreb auch mit 23 erst verlassen und bei Tottenham zunächst Schwierigkeiten gehabt. Nach meinem Gefühl kann ich immer noch so gut werden wie er."

In Birmingham will er jetzt den ersten Schritt in diese Richtung endlich gehen. "Ich habe Fehler gemacht", gesteht er. "Wenn du jung bist, bist du nicht so geduldig und wirst sauer, wenn du mal ein oder zwei Spiele nicht spielst. Aber ich glaube, im letzten Jahr habe ich viel gelernt."

Alen Halilovic will es bei Birmingham City noch einmal wissen

Zwar läuft sein Vertrag zunächst nur bis Saisonende, Halilovic will in der Millionenstadt im Herzen Englands aber zumindest mittelfristig sesshaft werden, Konstanz in seine Laufbahn bringen. "Ich will nicht mehr ständig weiterziehen", betont er. "Ich will zunächst einmal mir selbst beweisen, dass ich auf Top-Level guten Fußball spielen kann. Und dann will ich es all den Leuten zeigen, die nicht an mich geglaubt haben oder das auch jetzt nicht tun."

Dass Birmingham mit Aitor Karanka über einen spanischen Trainer verfügt, sehen einige Experten als positives Indiz dafür, dass Halilovic beim Championship-Klub tatsächlich gut aufgehoben sein könnte. Bislang ist er zwar nur zu vier Kurzeinsätzen gekommen - aber die Hoffnung lebt.

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