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Fussball

Museumsprojekt: FIFA stellt Strafanzeige gegen frühere Führung um Blatter

SID
Josef Blatter wird von der FIFA angeklagt.

Die FIFA hat gegen ihre ehemalige Geschäftsführung um den früheren Präsidenten Joseph S. Blatter (84) Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft im Kanton Zürich eingereicht. Wie der Fußball-Weltverband am Dienstag mitteilte, seien externe Experten auf Beweise für den mutmaßlichen Tatbestand der ungetreuen Geschäftsbesorgung im Zusammenhang mit einem Museumsprojekt in Zürich gestoßen.

Aufruhr bei der FIFA, Strafanzeige gegen Ex-Präsident Joseph S. Blatter: Der Fußball-Weltverband hat bei der Staatsanwaltschaft im Kanton Zürich Strafanzeige gegen die frühere Geschäftsführung um den ehemaligen FIFA-Chef Blatter eingereicht. Rund um ein millionenschweres Museumsprojekt erhebt der Verband Vorwürfe der ungetreuen Geschäftsbesorgung, der Streitwert beläuft sich auf eine halbe Milliarde Schweizer Franken.

Blatter und seine Mitstreiter sollen laut FIFA am Abschluss von Verträgen, die zu Projektkosten in Höhe von 500 Millionen Schweizer Franken führen werden, beteiligt gewesen sein. Die damalige Geschäftsführung des Weltverbandes soll 140 Millionen Schweizer Franken in die Renovierung und Modernisierung investiert haben, obwohl das Gebäude "der Organisation gar nicht gehörte", teilte die FIFA mit. Das Museum, das 2016 eröffnet worden war, entstand in Zürich am Bahnhof Enge in einem leer stehenden Haus.

Zudem sei ein langfristiger Mietvertrag zu "ungünstigen" Konditionen abgeschlossen worden. Die FIFA rechnet bis zum Ablauf des Vertrages im Jahr 2045 mit Kosten in Höhe von 360 Millionen Schweizer Franken. Die Rede ist dem Vernehmen nach von Vetternwirtschaft zugunsten der Vertragsnehmer.

"Wir hatten keine andere Wahl, als den Fall bei der Staatsanwaltschaft anzuzeigen, zumal die jetzige FIFA-Geschäftsleitung gegenüber der Organisation auch eine Treuepflicht hat, die sie nach den massiven Versäumnissen ihrer Vorgänger zu erfüllen gewillt ist", sagte der stellvertretende Generalsekretär Alasdair Bell. Es seien "mehrere verdächtige Umstände und Führungsversäumnisse" zutage getreten. Die Administration will die Unterlagen zudem der FIFA-Ethikkommission zukommen lassen.

Blatter, der von der Kommission nach dem Ende seiner Amtszeit zunächst für acht Jahre gesperrt worden war, bestreitet unterdessen die Anschuldigungen. "Die Vorwürfe sind haltlos und werden vehement zurückgewiesen", teilte sein Anwalt auf SID-Anfrage mit. Die Seite des 84-Jährigen vermutet Medienberichten zufolge eine Strategie der aktuellen FIFA-Führung um Präsident Gianni Infantino, der bereits in der Vergangenheit gegen seinen Vorgänger vorgegangen war. Der Zwist der beiden Eidgenossen, die beide aus dem Wallis stammen, hatte sich in den letzten Jahren immer weiter verschärft.

Infantino hatte Blatter, der seit 1998 im Amt gewesen war, 2016 im Zuge des FIFA-Skandals beerbt. Seitdem wurde die Fehde zwischen den beiden immer wieder öffentlich.

Blatters Umfeld vermutet offenbar, dass Infantino mit der Strafanzeige von seinen eigenen Problemen mit der Schweizer Justiz ablenken wolle. "Es gibt deutliche Anzeichen für ein strafbares Verhalten des FIFA-Präsidenten", hatte der Außerordentliche Bundesanwalt Stefan Keller unlängst mitgeteilt.

Jüngster Anlass war ein Flug Infantinos im Jahr 2017 mit einem Privatjet von Surinam in seine Schweizer Heimat auf Kosten des Weltverbandes. "Böswillig" und "diffamierend" seien die jüngsten Vorwürfe des Schweizer Sonderermittlers, sie grenzten sogar an "Rufmord", hatte die FIFA daraufhin mitgeteilt.

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