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Fussball

Kommentar zum Supercup: An Verantwortungslosigkeit nicht zu überbieten

Aleksander Ceferin ist Präsident der UEFA.

Obwohl in Ungarn seit dem 1. September wegen der hohen Corona-Fallzahlen ein Einreiseverbot gilt, will die UEFA auf Biegen und Brechen ihren Plan durchsetzen, den Supercup zwischen dem FC Bayern und dem FC Sevilla (Do., 21 Uhr LIVE auf DAZN) vor 20.000 Fans im Budapester Ferenc-Puskas-Stadion auszutragen. Ein Akt der Verantwortungslosigkeit und Ignoranz, der wochenlang zu wenig Kritik erfahren hat, kommentiert Reporter Kerry Hau.

"Supercup? Supersafe!", stand auf einem riesigen Banner im Gästeparkhaus der Allianz Arena. Ein Slogan, der zumindest am Montagmorgen nicht allzu große Überzeugungskraft zu haben schien.

Dort, wo kostenlose Corona-Tests für die Fans des FC Bayern stattfinden sollten, die ein Ticket für den Supercup in Budapest erworben hatten, war es erstaunlich ruhig. Alle zehn Minuten fuhr ein Auto herein, von Gedrängel war keine Spur.

"Es gibt halt noch ein paar vernünftige Leute", sagte einer der Männer, der die Rachenabstriche nahm. "Hier waren schon ein paar, die gesagt haben, dass sie sich jetzt einfach mal testen lassen - ob sie am Ende nach Budapest fahren, wissen sie noch nicht."

Die UEFA hatte genügend Zeit, um zu reagieren

Von den 2100 angemeldeten Fans (3000 wären laut UEFA möglich gewesen) hatten zu jenem Zeitpunkt bereits 800 ihre Reise storniert. Tendenz steigend - auch, weil die UEFA die volle Rückerstattung des Ticketpreises bietet. Kein Wunder, war das Projekt Supercup doch im Grunde schon vor einem Monat zum Scheitern verurteilt, als feststand, dass Ungarn aufgrund des hohen Corona-Indizenzwertes (derzeit 100,7 pro 100.00 Einwohner; München hatte am Montag 56,13, was auch schon über dem Grenzwert von 50 liegt) zum Risikogebiet werden würde.

Dass die UEFA seit dem zum 1. September in Kraft getretenen Einreiseverbot trotzdem unbeirrt an ihrem Plan festhält, das Spiel zwischen dem Champions-League-Sieger aus München und dem Europa-League-Gewinner aus Sevilla am Donnerstag vor 20.000 Zuschauern auszutragen, ist an Verantwortungslosigkeit und Ignoranz nicht zu überbieten.

Noch aberwitziger: Auf mehrere Nachfragen in den vergangenen Wochen teilte der Verband immer wieder mit, man habe und brauche auch keinen Plan B, schließlich werde man ja nur Ticketinhaber einreisen lassen, die negativ getestet seien.

FC Bayern gegen FC Sevilla: Wo ist die Vernunft?

Unabhängig davon, dass Fans bei all ihrer Bedeutung für den Fußball nicht in ein Stadion gehören, das sich in einem Risikogebiet befindet, ist das Problem nicht die Ein-, sondern die Ausreise: Den Vorschriften des Robert-Koch-Institutes zufolge muss man sich nicht testen lassen oder in eine bis zu 14-tägige Selbstisolation begeben, wenn man innerhalb von 48 Stunden zurückreist.

"Wir werden das ändern - und ändern müssen", stellte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder am Montag klar. "Wir können das nicht mit 2000, 3000 Leuten riskieren, die sich dann möglicherweise verständlicherweise im großen Feiern in den Armen liegen - und dann haben wir eine Riesen-Infektionswelle." Der UEFA-Supercup soll nicht zu einem Superspreader-Event werden.

Für jeden berufstätigen Fan wäre ein Kurztrip nach Budapest somit noch unattraktiver. Söder ist aber kein Spielverderber, aus ihm spricht die Vernunft. Vernunft, die bei der UEFA um Präsident Aleksander Ceferin seit Wochen nicht mehr vorhanden zu sein scheint. Nicht grundlos wird gemunkelt, dass Ceferin seinem aus Ungarn stammenden Vize Sandor Csanyi mit der Austragung im Ferenc-Puskas-Stadion einen persönlichen Gefallen tun möchte.

Das engstirnige Vorgehen des Verbandes ist aber wohl auch damit zu begründen, dass es in den vergangenen Wochen weder von den Vereinen noch von den Verbänden ausreichend genug in Frage gestellt wurde.

Supercup: Zu wenig Kritik am Vorgehen der UEFA

Vonseiten des FC Sevilla äußerte sich bisher niemand in der Öffentlichkeit kritisch. Auf Bayern-Seite war Hansi Flick nach dem Bundesliga-Start am Freitag gegen Schalke 04 der erste Verantwortliche, der meinte, er würde den Budapest-Plan nicht verstehen.

Der Trainer blieb damit relativ allein. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge meinte zwar, dass die UEFA es sich "schwer mache". Allerdings: "Sie wollte zielbewusst einen ersten Schritt in Richtung Normalität gehen. Grundsätzlich halten wir das für möglich und nachvollziehbar."

Dass gerade Rummenigge als langjähriger Präsident der Europäischen Klub-Vereinigung ECA offensichtlich nicht einmal versuchte, sich bei der UEFA Gehör zu verschaffen und auf eine weniger riskante Lösung - kurzfristige Verlegung des Spiels in ein Land mit weniger Fällen oder Austragung als Geisterspiel - im Interesse aller pochte, passt ins Bild dieser chaotischen Farce. Eine Farce, die schon vor einem Monat vermeidbar gewesen wäre.

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