Fussball

Karim Adeyemi von Red Bull Salzburg im Interview: "Wenn man bei Bayern aus der Reihe tanzte, erfuhr man wenig Unterstützung"

Von Dennis Melzer
Karim Adeyemi gegen Eintracht Frankfurt

Karim Adeyemi von Red Bull Salzburg sicherte sich in der diesjährigen NxGn-Abstimmung einen Platz unter den 50 größten Wunderkindern der Welt. Im Interview mit SPOX und Goal spricht der gebürtige Münchner über seine ersten fußballerischen Schritte beim TSV Forstenried und seinen frühen Wechsel zum FC Bayern München.

Adeyemi verrät zudem, warum es nach zwei Jahren beim Rekordmeister zu Komplikationen kam und dass die Schulbank nicht zu seinen Lieblingsorten zählte.

Zudem erklärt der 18-Jährige, wie er mit dem Hype um seine Person in Unterhaching umging und warum er es vorzog, der SpVgg treu zu bleiben, anstatt zum FC Chelsea zu wechseln.

Karim, Ihr Vater war Fußball-Profi in Nigeria, Ihre Mutter stammt aus Rumänien, Sie selbst wurden in München geboren. Was hat Ihre Eltern nach Deutschland verschlagen?

Karim Adeyemi: Mein Vater ist aus Nigeria nach Deutschland gekommen, um sich ein neues Leben aufzubauen. Meine Mutter hat in Rumänien eine deutsche Schule besucht. Im Anschluss hat sie sich entschlossen, nach Deutschland auszuwandern. Die beiden haben sich in München kennengelernt und sind dort sesshaft geworden.

Wie haben Sie Ihre Passion für den Fußball entwickelt?

Adeyemi: Im Kindergarten haben die meisten Jungs Fußball gespielt, auch der Einfluss meines Vaters ist sicherlich nicht zu leugnen. In unserem Ort gab es einen Verein, den TSV Forstenried. Bei dem wurde ich dann angemeldet.

Waren andere Sportarten im jungen Alter ebenfalls eine Option?

Adeyemi: Grundsätzlich habe ich damals viele Ballsportarten gerne ausgeübt. Basketball oder Volleyball beispielsweise. Als Vereinssport kam allerdings nur der Fußball infrage. Der stand bei mir immer an erster Stelle.

Welche Erinnerungen haben Sie an Ihr erstes Training bei Forstenried?

Adeyemi: Das war ein zusammengewürfelter Haufen, ich kannte dort nur meinen damals besten Freund. Die Fußballschuhe und Ausrüstung allgemein, die ich zu Beginn hatte, waren nicht so toll. Wir haben auch nicht auf dem Rasen, sondern auf der roten Erde oder auf dem Gummiplatz gespielt. Aber diese Nebenaspekte standen damals nicht im Vordergrund - das Wichtigste für mich war, die Jungs kennenzulernen und mit ihnen gemeinsam zu kicken.

Trotz der Gegebenheiten haben Sie sich sehr gut bei Forstenried entwickelt. Nach zwei Jahren wurde der FC Bayern auf Sie aufmerksam. Wie haben Sie vom Interesse erfahren?

Adeyemi: Im Winter hatten wir häufig kleine Hallenturniere, bei denen ich mich zeigen konnte. Dort waren Scouts des FC Bayern anwesend. Diese kontaktierten meine Eltern und boten mir an, ein Probetraining zu absolvieren.

Was hat das Bayern-Interesse in Ihnen ausgelöst?

Adeyemi: Da ich Münchner bin und der FC Bayern der beste Klub der Stadt ist, war das früher mein absoluter Lieblingsverein. Ich habe mich riesig gefreut, die Chance zu bekommen, mit den besten Nachwuchsspielern Münchens zusammenzuspielen.

Wie groß war die Nervosität vor dem ersten Training bei den Bayern?

Adeyemi: Ich würde nicht sagen, dass ich sonderlich nervös war. Ich habe einfach Fußball gespielt und mich in diesem Moment nicht großartig damit beschäftigt, ob ich angenommen werde oder nicht.

Welche Unterschiede zwischen Forstenried und dem FC Bayern sind Ihnen bei Ihrer Ankunft sofort ins Auge gesprungen?

Adeyemi: Das Training war ganz anders, viel intensiver und strukturierter. Bei Forstenried gab es sehr viele Spieler, bei Bayern hingegen waren die Gruppen kleiner. Kurz gesagt: Die Qualität und die Bedingungen waren einfach hochwertiger.

Wenn Sie sich an Ihre ehemaligen Bayern-Mitspieler zurückerinnern: Wer hat damals besonders herausgeragt?

Adeyemi: Es gab natürlich viele Spieler, die für ihr Alter schon sehr gut waren. Aber, wenn ich einen herausheben müsste, wäre das mein Kumpel Emre Biter. Er war ein großes Innenverteidiger-Talent und hat in der Defensive alles abgeräumt. Obwohl wir damals noch extrem jung waren, hätte ich ihm eine große fußballerische Zukunft vorausgesagt. Ich bin immer noch gut mit ihm befreundet, mittlerweile ist Fußball nur noch ein Hobby für ihn.

Welcher Ex-Teamkollege beim FC Bayern hat - ähnlich wie Sie - den Sprung nach oben in Ansätzen gepackt?

Adeyemi: Ich glaube, dass nur noch David Halbich beim FC Bayern aktiv ist. Er spielt aktuell in der U19 und ist der einzige, der den nächsten Schritt gemacht hat. Alle anderen ehemaligen Teamkollegen spielen nur noch zum Spaß, soweit ich weiß.

Welcher Trainer der Bayern hatte besonders großen Einfluss auf Ihre Entwicklung?

Adeyemi: Da würde ich meinen ersten Bayern-Trainer nennen: Stefan Weckerle. Er war sehr wichtig für mich.

Was hat ihn besonders ausgezeichnet?

Adeyemi: Er hat mir vor allem im offensiven Eins-gegen-Eins alle Freiheiten gelassen und mich nicht kritisiert, wenn eine Aktion danebenging. Er hat mich diesbezüglich immer unterstützt und mir geholfen.

Wer ist Ihr fußballerisches Vorbild?

Adeyemi: Mein Idol war immer Arjen Robben. Die Art und Weise, wie er ins Eins-gegen-Eins ging, und sein präziser Torschuss haben mir imponiert.

Zuletzt wurde von einigen Experten angeprangert, dass den deutschen Nachwuchsspielern genau diese Mentalität, auch mal das Eins-gegen-Eins zu suchen, ausgetrieben wird. Haben Sie diese Erfahrungen auch gemacht?

Adeyemi: Beim FC Bayern hat man schnell gemerkt, dass es einen genauen Plan gibt. Wenn man als Spieler diesbezüglich aus der Reihe tanzte oder sich nicht an diesen Plan hielt, erfuhr man meistens eher wenig Unterstützung. Ich glaube nicht, dass der Verein auf Spieler setzt, die in der Offensive machen, was sie wollen. Letztlich geht aber jeder Verein mit dieser Thematik anders um. Welcher Weg der richtige ist, möchte ich gar nicht beurteilen. Immerhin ist der FC Bayern ein absoluter Top-Klub.

Nach zwei Jahren wurden Sie beim FC Bayern aussortiert, angeblich aufgrund einer Disziplinlosigkeit. Was ist damals vorgefallen?

Adeyemi: Ob es Disziplinlosigkeiten gegeben hat, sei mal dahingestellt. Ich glaube nicht, dass das den Ausschlag gegeben hat. Es hat einfach nicht mehr gepasst mit Bayern.

Also haben eher sportliche Gründe den Ausschlag gegeben?

Adeyemi: Nein, das würde ich nicht behaupten. Wir haben uns nicht mehr so gut verstanden. Auch zwischen meinen Eltern und dem damaligen Sportdirektor war das Verhältnis nicht mehr so, wie es sein sollte. Aber das ist Schnee von gestern.

Was geht in einem jungen Spieler vor, wenn er einem der größten Klubs weltweit gezwungenermaßen den Rücken kehren muss?

Adeyemi: Ich war natürlich traurig im ersten Moment, habe aber kurz darauf einfach weiter Fußball gespielt und mich dazu entschieden, erst einmal zu meinem alten Verein nach Forstenried zurückzukehren. Nach einem Turnier, bei dem Scouts von Unterhaching anwesend waren, kam die SpVgg auf mich zu und wollte mich verpflichten.

Unterhaching-Präsident Manfred Schwabl hat Sie rückblickend als Hallodri bezeichnet, als Sie bei der SpVgg ankamen. Warum?

Adeyemi: Wahrscheinlich, weil ich ein sehr aktives Kind war, das viel Spielraum brauchte. Ich konnte nicht stillhalten und musste mich immer bewegen. Dann kam noch dazu, dass das Thema Schule für mich nie einfach war. Das hat nicht nur an den Nerven meiner Eltern, sondern eben auch an seinen Nerven gekratzt. Es gab jedenfalls häufig Gespräche wegen der Schule, auch mit dem Klub. Irgendwann haben wir es dann hinbekommen.

Wie haben sich die Probleme in der Schule konkret geäußert?

Adeyemi: Meine Ausrede war immer: Der Lehrer ist schuld. Ich bin kein Typ, der stundenlang in der Schule hocken und aufpassen kann. Ich glaube, dass ich mittlerweile aber verstanden habe, dass ich selbst dafür verantwortlich war. Schule gehört - leider Gottes - dazu (lacht).

Sie wollten laut der Süddeutschen Zeitung Ihren Realschulabschluss nachholen und im Anschluss auf eine Fachschule wechseln. Wie ist der aktuelle Stand?

Adeyemi: Ich habe es versucht, aber leider nicht geschafft - auch, weil der Wechsel zu Red Bull Salzburg dazwischenkam.

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