Fussball

Schlägereien, Sportwetten, Alkohol, Gefängnis: Die Geschichte des fußballspielenden Hooligans Joey Barton

Joey Barton bei der Feier zum Premier-League-Aufstieg des FC Burnley 2016.
© getty

Der langjährige Premier-League-Spieler Joey Barton trinkt, wettet gegen seine eigene Mannschaft, verprügelt Passanten wie Teamkollegen - und macht sich Gedanken über Politik, Kunst und Kultur. Mittlerweile ist er Trainer des englischen Drittligisten Fleetwood Town. Die Geschichte eines fußballspielenden Hooligans.

Am 1. Juni 2020 wird es mal wieder soweit sein: Joey Barton hat einen Termin vor Gericht, sozusagen in seinem dritten Wohnzimmer - nach dem regulären Wohnzimmer und den Pubs von England. Im April soll er nach einem Spiel von Fleetwood Town gegen den FC Barnsley den gegnerischen Trainer Daniel Stendel attackiert und ihm dabei zwei Schneidezähne beschädigt haben, es gilt sich dafür zu rechtfertigen.

Warum Barton, mittlerweile 37, überhaupt bei diesem Spiel war? Nun ja, er ist seit Sommer 2018 Fleetwoods Trainer. Ein Jahr zuvor hatte er seine aktive Karriere beendet, dann musste er erstmal eine fünfmonatige Sperre wegen illegaler Wetten absitzen. Auf über 1200 Spiele habe er gesetzt, mehrmals sogar gegen seine eigenen Mannschaften.

Sein Fußball-Comeback feierte Barton daraufhin eben in der drittklassigen League One als Trainer von Fleetwood, einer Kleinstadt rund eineinhalb Autostunden von seiner Heimat Liverpool entfernt. Aktuell ist die Mannschaft Neunter, die Aufstiegs-Playoff-Plätze sind in Reichweite.

Als Trainer hat er im Vergleich zu seinen Kontrahenten einen riesengroßen Vorteil, findet Barton. "Wenn ein Spieler mit einem Problem zu mir kommt, habe ich es vielleicht selbst schon durchgemacht", sagte er bei seinem Amtsantritt in Fleetwood dem Guardian. "Meine chaotische Spielerkarriere wird mir als Trainer helfen."

Von Everton verstoßen, bei City zum Profi geworden

Oh ja, seine Spielerkarriere war chaotisch. Eigentlich ist Bartons Chaos aber sogar älter als seine Spielerkarriere. "Meine Freunde haben sich einen Dreck um die Schule geschert, sich besoffen und Drogen genommen", sagte er gegenüber 11Freunde. "Ich wollte kein Außenseiter sein, also habe ich mich auch ständig besoffen. Erst mit 16 sagte ich mich von ihnen los."

Eine andere Trennung hatte Barton zu diesem Zeitpunkt schon hinter sich. Die von seinem Herzensklub, vom FC Everton. Mit 14 Jahren musste er nach sechs Jahren im Klub die Nachwuchsabteilung verlassen. Er sei nicht gut genug, hieß es.

Stattdessen schloss sich Barton Manchester City an, wo er im November 2002 sein Profidebüt hätte feiern sollen, mit damals 20 Jahren. Doch als ihn Trainer Kevin Keegan einwechseln wollte, konnte Barton sein Trikot nicht mehr finden. Dann brachte Keegan eben wen anders. Ein knappes halbes Jahr später sollte er wieder spielen und diesmal hatte er sein Trikot dabei, zwei Wochen später schoss er sein erstes Tor.

In der darauffolgenden Saison avancierte der aggressive Mittelfeldkämpfer zum Stammspieler und wurde dafür mit Einberufungen in die englische U21-Nationalmannschaft belohnt. Und dann fing es an mit den Skandalen.

Zigarre ins Auge, Prügel und ein blanker Hintern

Im April 2004 legte er sich bei einem FA-Cup-Spiel gegen Tottenham Hotspur in der Halbzeit mit dem Schiedsrichter an und wurde dafür vom Platz gestellt. Es war der erste von insgesamt neun Platzverweisen seiner Profikarriere.

Bei einem Freundschaftsspiel gegen die Doncaster Rovers im darauffolgenden Sommer zettelte er eine Massenschlägerei an. Ende des Jahres war dann Weihnachtsfeier: Jugendspieler James Tandy meinte, Bartons T-Shirt anzünden zu müssen. Barton fand das nicht lustig und drückte als Revanche seine Zigarre in Tandys Auge aus.

In der Tabelle pendelte Bartons City damals zwischen Mittelfeld und Abstiegskampf. Es war die graue Zeit vor der Ankunft des Scheichs. City war ein Klub wie viele andere, kein schillerndes Hochglanzprodukt. Als Barton mit City bei seinem Ex-Klub Everton zu Gast war, präsentierte er deren Fans als Rückmeldung auf Schmähgesänge seinen nackten Hintern. Kurz darauf bestritt er sein einziges Länderspiel, elf Minuten gegen Spanien.

Nachdem er im Mai 2007 seinen Teamkollegen Ousmane Dabo krankenhausreif geprügelt hatte, wurde Barton suspendiert. Vor Gericht gestand Barton seine Schuld ein und kam mit einer Bewährungsstrafe davon. Im darauffolgenden Sommer wechselte er für rund sieben Millionen Euro zu Newcastle United, 25 war er damals.

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