Fussball

BVB-Abgang Maximilian Philipp bei Dinamo Moskau: Der Fehleinkauf ist Spieler des Monats

Maximilian Philipp wechselte im Sommer zu Dinamo Moskau.

Trotz mehrerer Interessenten aus der Bundesliga entschied sich Maximilian Philipp im Sommer überraschend für einen Wechsel zu Dinamo Moskau. In Russland tut sich der BVB-Abgang zunächst schwer, wird als Fehleinkauf abgestempelt und ist plötzlich der wichtigste Mann der Weiß-Blauen.

Moskau? Dass ein Abschied aus Dortmund die wohl richtige Entscheidung für Philipp war, dürfte anhand der fehlenden Perspektive bei der Borussia klar sein.

Er hatte Verletzungsprobleme (20 verpasste Spiele), wurde notgedrungen (Alcacer verletzt) und überschaubar erfolgreich (drei Tore in 12 Spielen) in die Rolle des Mittelstürmers gezwängt. "Mir hat das Selbstvertrauen ein bisschen gefehlt, weil ich wenig bis gar nicht gespielt habe", sagte Philipp vor der Rückrunde noch im Dortmunder Klub-TV. Der Status Quo sollte sich nicht verändern. Trotz guter Winter-Vorbereitung spielte er im letzten Halbjahr nur noch 197 Minuten. Der Abschied war besiegelt.

Aber Moskau? "Mein Besuch dort war etwas Besonderes. Als ich die Stadt und den Verein kennenlernte, fiel mir die Entscheidung leichter", erklärte Philipp seinen Wechsel. Angesichts der Alternativen, der Sprachbarriere und der Entfernung zu seiner Mutter, zu der Philipp seit dem Tod seines Vaters vor neun Jahren ein besonders enges Verhältnis hat, verwundert seine Entscheidung dennoch.

Mehrere Bundesligisten an Philipp interessiert

Schließlich waren auch einige Bundesligisten am 25 Jahre alten Offensiv-Allrounder dran. Beim BVB konnte sich Philipp nie durchsetzen. Doch wieso sollte er das nicht bei einem Verein schaffen, den man eine Kategorie unter Dortmund einordnen würde? Hoffenheim, Wolfsburg, Frankfurt, Gladbach: Sie alle sollen einen Transfer in Erwägung gezogen haben. Auch die Hertha (Philipp ist Berliner) zeigte Interesse.

Philipp entschied sich aber für Dinamo Moskau. Dortmund strich die 20 Millionen Euro ein, die es zwei Jahre zuvor an den SC Freiburg gezahlt hatte, und Philipp verschwand vom Radar des deutschen Fußballs.

Jedoch nicht ganz. Nach gerade einmal sechs Wochen kamen Gerüchte auf, wonach Philipp Moskau bereits wieder verlassen könnte. Wieder schwirrten dieselben Vereine in den Medien herum, die schon im Sommer an Philipp dran waren. Doch wieso sollte Dinamo seinen Rekordzugang schon wieder abgeben?

Maximilian Philipp: Auf den Blitzstart folgt das Formtief

Das hatte sportliche Gründe. Zwar traf Philipp direkt in seinen ersten beiden Spielen je einmal. Danach aber brach er ein. Philipp stand in der Kritik - bei den Fans, in der Presse, bei Andrey Kobelev. Die Dinamo-Legende (ehemaliger Spieler, Trainer und Sportdirektor) proklamierte, Dinamo habe 20 Millionen Euro in den Wind geschossen. "Ich meine damit das Preis-Leistungs-Verhältnis", erklärte Kobelev dem Sport-Express.

Philipp spielte unter seinen Möglichkeiten, allerdings wie die gesamte Mannschaft. Nach zwölf Spieltagen war der Europapokal-Aspirant Vorletzter mit gerade mal zehn Punkten. Trainer Dmitri Khokhlov musste seinen Hut nehmen. Kirill Novikov übernahm - zunächst interimsweise, dann dauerhaft. Mit ihm begann Dinamos Aufholjagd. Mit ihm begann auch Philipps Rehabilitation.

Maximilian Philipp avanciert zum doppelten Matchwinner

Zunächst fehlte der Ex-Dortmunder noch angeschlagen. Wieder zurück im Team, setzte Novikov aber mehr und mehr auf den Deutschen. Erst 36, dann 73 Minuten.

Gegen den FK Rostov spielte er schließlich durch, als hängende Spitze hinter dem Nigerianer Sly. Auch im darauffolgenden Derby gegen Lokomotive durfte Philipp über die volle Distanz ran. Beide Spiele gewann Dinamo mit 2:1. In beiden Spielen erzielte Philipp einen Doppelpack. Die Fans wählten den Deutschen zum Spieler des Monats Dezember. Vom einstigen Fehleinkauf ist nicht mehr die Rede.

Auch die Wechselgerüchte dementierte Philipp wenige Tage später in seinem ersten großen Interview in Russland. Die Metropole erinnere ihn an seine Heimatstadt Berlin. "Ich fühle mich hier großartig", sagte er dem Sport-Express. Dennoch: Es bleiben Probleme.

Maximilian Philipp: Seine Leistungsdaten pro Verein

TeamSpieleToreAssists
SC Freiburg881823
Borussia Dortmund51118
Dinamo Moskau1260

Philipp in Moskau: Sprachbarriere, Heimweh und Kritik

Russisch kann Philipp kaum. Es reicht für ein "Hallo" oder ein "Gut". Mit einigen Spielern spricht er englisch, mit Konstantin Rausch und Roman Neustädter deutsch. Einwandfrei läuft die Kommunikation in der Mannschaft aber noch (er nimmt Unterricht) nicht ab, zumal er die ersten vier Saisonspiele noch in Dortmund verweilte.

Nicht zu unterschätzen ist zudem die Trennung von seiner Mutter. Zwar kommt sie ihren Sohn hin und wieder besuchen. Aufgrund des Touristenvisums darf sie aber nur zweimal in 90 Tagen einreisen. Zweifelsohne eine zusätzliche psychische Belastung.

Auch seine Kritiker hat der 25-Jährige trotz seiner guten Leistungen nicht verstummen lassen. "Drei seiner vier Tore erzielte er vom Elfmeterpunkt. Er hat eine gute Technik und Übersicht. Das kann man ihm nicht absprechen. Aber sein Spiel ist sehr statisch, ohne Tempo. Und defensiv arbeitet er überhaupt nicht mit", erneuerte Kobolev seine Zweifel an Philipp im Sport-Express.

Trainer Novikov sicher: "Philipp wird ein Gesicht der Liga"

Immerhin Trainer Novikov ist von seinem neuen Spielmacher überzeugt. Er ist begeistert von Philipps Entscheidungsfindung, Technik und beidfüßigem Abschluss. "Im richtigen System und nach einer gewissen Eingewöhnungsphase wird er Führungsspieler dieses Teams und einer der Gesichter der Liga werden", schwärmte Novikov gegenüber dem Sport-Express.

Der neue Trainer sucht häufig das Gespräch mit Philipp, kennt dessen Sorgen und Bedürfnisse. Seine Maxime: "Spieler sind keine Roboter." Philipp weiß das zu schätzen: "Man muss mit mir kommunizieren, das Vertrauen des Trainers ist mir wichtig." Die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Transfer sind mit etwas Verspätung nun geschaffen.

Erst im März geht die Saison in Russland weiter. Bis dahin gilt es für Philipp, die Chemie zu seinen neuen Teamkollegen weiter zu verbessern, seine Form der letzten Spiele zu konservieren und sich an den Stau in Moskau zu gewöhnen. Denn im besten Fall hat er mit seinem Wechsel zu Dinamo genau richtig kalkuliert und kann in Zukunft nicht mehr "bequem, einfach und schnell" mit der U-Bahn fahren wie er es aktuell tut. Im besten Fall ist er dann ein Gesicht der Liga.

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