Fussball

Adrian Mutus wechselhafte Karriere: In London verlor er die Kontrolle über sein Leben

Adrian Mutu wechselte im Sommer 2003 zum FC Chelsea und wurde im Oktober 2004 wegen Kokainmissbrauchs entlassen.
© getty

Er fehlte sieben Monate wegen einer Drogensperre, er fehlte ein halbes Jahr wegen einer Dopingsperre, er verhöhnte seinen Trainer als Mr. Bean, er wurde von seinem Ex-Klub FC Chelsea auf 17,2 Millionen Euro verklagt und er war einer der besten rumänischen Fußballer aller Zeiten. Von der wechselhaften Karriere des Adrian Mutu.

Adrian Mutu und das Geld, das ist eine lange Geschichte mit vielen Kapiteln. Aktuell geht es im großen Kontext aber lediglich um kleine Summen: 15.000 Euro soll der mittlerweile 40-jährige Mutu als Trainer der Reservemannschaft des FC Al-Wahda aus Abu Dhabi monatlich kassieren, seit mittlerweile eineinhalb Jahren. Liebend gerne würde er sein Gehalt reduzieren, um dafür rumänischer U21-Nationaltrainer zu werden. 5000 Euro würde er mit dieser Tätigkeit Berichten zufolge verdienen.

Der bisherige U21-Trainer Mirel Radoi wurde zur A-Nationalmannschaft befördert und soll diese über die Nations-League-Playoffs zur EM führen, bei der Nachfolgersuche stieß der Verband auf den langjährigen Nationalspieler Mutu. Von einigen Medien wurde der Wechsel bereits als fix vermeldet, nun soll es aber Probleme bei den Verhandlungen mit Al-Wahda geben. Ausgang offen, eine Entscheidung wird Mitte Januar erwartet.

Chelsea fordert 17,2 Millionen Euro von Mutu

Ob 5000 oder 15.000 Euro, an Mutus großem finanziellen Problem ändert das wenig. Seit 2005 fordert sein Ex-Klub FC Chelsea 17,2 Millionen Euro von ihm. Damals war er des Kokainkonsums überführt, daraufhin für sieben Monate gesperrt und von Chelsea entlassen worden. Rund ein Jahr zuvor hatte der Klub den damals 24-Jährigen für 19 Millionen Euro vom AC Parma verpflichtet.

Chelsea will Entschädigung dafür und zwar zu Recht, wie der Internationale Sportgerichtshof CAS 2009 entschied. "Unmenschlich und extrem ungerecht", nannte Mutu das Urteil. Doch 2018 gab auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte Chelsea Recht. Seitdem ist es in der Causa ruhig geworden. Ob Mutu die Strafe bereits gezahlt hat? Und wenn nicht: Ob er sie überhaupt zahlen kann? Man weiß es nicht.

Adrian Mutu: Einer wie Gheorge Hagi

Mutu ist hoch gestiegen und tief gefallen. Er wuchs auf in der Walachei im Süden Rumäniens und überzeugte als Jungprofi bei seinem Heimatklub FC Arges Pitesti. Ein dribbelstarker, kreativer, flexibler Offensivspieler. Einer, der Tore vorbereitet und schießt. Einer wie Gheorge Hagi, der wohl größte Spieler, den Rumänien je herausgebracht hat.

Mit 19 Jahren wechselte Mutu zum Hauptstadtklub Dinamo Bukarest, schoss 22 Tore in 35 Spielen und zog nach nur einem Jahr zu Inter Mailand weiter. In die Serie A, in die reichste und berühmteste Liga dieser Zeit. Doch Mutu kam kaum zum Zug und wurde nach nur einer Saison an Hellas Verona weitergereicht. Es folgten eine durchschnittliche Saison, eine herausragende und der nächste Wechsel. Bei seinem neuen Klub AC Parma überzeugte Mutu auf Anhieb.

In London verlor Mutu die Kontrolle über sein Leben

Im Sommer 2003 übernahm Roman Abramovich den FC Chelsea und machte sich auf, die besten Spieler des Kontinents in London zu versammeln. Einen der ersten, den er holte, war für 19 Millionen Euro Mutu. Knapp eineinviertel Jahre sollte er bleiben und währenddessen die Kontrolle über sein Leben verlieren. Dabei fing alles so gut an: Gleich in den ersten drei Spielen traf er und auch im weiteren Verlauf der Hinrunde zeigte er stabile Leistungen. In der Rückrunde ließ er nach, zum Saisonstart unter dem neuen Trainer Jose Mourinho spielte er gar keine Rolle mehr.

Mutu war frustriert, bekam Depressionen und litt unter Stimmungsschwankungen. Er ließ sich samt kostspieligem Rechtsstreit scheiden und bandelte daraufhin mit einem rumänischen Pornostar an. Er kaufte teure Autos und noch teurere Jachten. Er lieferte sich eine Verfolgungsjagd mit der Polizei, lebte mehr in der Nacht als am Tag. Und er begann zu koksen. Als das im Oktober 2004 aufflog, war Mutu arbeitslos. "Meine Karriere liegt in Ruinen", sagte er damals. "Ich kann eigentlich aufhören, Fußball zu spielen. Was bleibt mir noch?"

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