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Fussball

Die Krux mit dem verflixten Knie

Von Tim Schöfer
Alan erzielte für Red Bull Salzburg in 129 Spielen starke 93 Tore und gab 38 Assists
© imago

Vor vier Jahren zwang ein Kreuzbandriss Alan zu 18 Monaten Pause. Der Brasilianer kam bei RB Salzburg furios zurück und wechselte im Januar überraschend nach China. Während eine Brasil-Fraktion Guangzhou Evergrande zum Double führte, erlebte er ein Horror-Jahr: Der 26-Jährige riss sich kurz nach seinem Wechsel erneut das Kreuzband und fiel die komplette Saison aus. Pünktlich zur Klub-WM kehrt er zurück.

Sucht man das Wort Krux im Online-Duden, spuckt dieser folgendes aus: Krux, die. Weiblich. Gebrauch: Bildungssprachlich. Häufigkeit: Selten. Bedeutung: Last, Kummer und Leid, alternativ auch Schwierigkeit. Selten passen alle vier Synonyme so sehr, wie bei Alan und der Krux mit dem Knie. Der hoch veranlagte Brasilianer ist auf seine Knie angewiesen - doch diese werfen ihn ständig zurück.

Am 28. August 2011 passierte es das erste Mal: Alan Douglas Borges de Carvalho, kurz Alan, riss sich das vordere Kreuzband im rechten Knie. Das Missgeschick passierte am 6. Spieltag in der 92. Minute, der Brasilianer blieb im Rasen hängen. Danach traf der damals 22-Jährige eine Entscheidung, die ihm zum Verhängnis wurde.

Anstatt sofort bei den besser ausgebildeten Ärzten in Österreich in Behandlung zu gehen, ließ sich der Stürmer von Red Bull Salzburg in seiner Heimat operieren und flog mitten in der Entzündungsphase der Knieverletzung nach Brasilien. Im Frühling 2012 hätte Alan wieder spielen sollen, doch die Schmerzen hörten nicht auf, der junge Brasilianer musste ein zweites Mal operiert werden. Insgesamt 18 Monate zwang ihn die Verletzung zur Pause.

Auf Anhieb zurück zur Topform

"Früher war ich kein Trainingsweltmeister. Jetzt bin ich jeden Morgen dankbar, trainieren zu dürfen", zog Alan die richtigen Lehren aus seiner langen Leidenszeit, in der sein Team das Double aus Meisterschaft und Pokal gewann.

Mit dem Jahresbeginn 2013 stieg der ehemalige U20-Nationalspieler eine Saison später in der Vorbereitung auf die Rückrunde wieder in das Mannschaftstraining ein und fand schnell zurück zu alter Form: In den ersten drei Testspielen erzielte er drei Tore.

Im ersten Ligaspiel nach der Winterpause feierte Alan bei einem Kurzeinsatz sein Comeback, in der nächsten Woche stand er direkt in der Startelf - und erzielte gleich einen Treffer. Die nächsten sieben Spiele liefen allerdings in die falsche Richtung. Keine Tore, stattdessen muskuläre Probleme.

Doch dann platzte der Knoten: Gegen den Wolfsberger AC gewann Red Bull Salzburg mit 6:2, Star des Spiels war Alan mit drei Treffern. In den nächsten fünf Spielen traf der Brasilianer immer, knipste sieben Mal selbst und bereitete drei Tore vor. Elf Buden und fünf Vorlagen in nur 14 Spielen - Alan fand in der Austria-Meistersaison auf Anhieb zurück zur Topform.

Furioser Alan

Die folgende Saison sollte noch besser werden: Drei Jahre, nachdem der Stürmer unter Tränen vom Platz getragen werden musste, durfte der überragend aufspielende Alan die Meisterschale strahlend in die Höhe reißen.

Mit 26 Toren wurde Alan, der auch noch acht Vorlagen lieferte, zweitbester Torjäger der österreichischen Bundesliga. Nur Teamkollege Jonatan Soriano traf öfter (31). Das Duo ballerte Salzburg quasi im Alleingang zum Titel.

Mit sechs Toren (und fünf Assists) in fünf Spielen wurde der Brasilianer zudem Torschützenkönig im ÖFB-Pokal, den ebenfalls die Roten Bullen gewannen. Auch in der Europa League glänzte er: Vier Tore und sieben Vorlagen verbuchte der Brasilianer in zehn Spielen. Insgesamt traf er in der Saison 2013/14 in 46 Spielen starke 37 Mal und legte weitere 20 Tore auf.

Wechsel nach China

"Ich fühle mich hier sehr wohl. Das hier ist wie meine zweite Familie. Es müsste schon etwas sehr Gutes sein, damit ich weggehe", ließ Alan die Salzburg-Fans im Sommer danach auf einen Verbleib hoffen. Der Brasilianer wusste aber schon damals: "Im Fußball kann es schnell gehen."

Ein halbes Jahr sollten die Fans der Roten Bullen noch Spaß an ihrem brasilianischen Star haben. In der Hinrunde bewies Alan mit neun Toren und drei Vorlagen in 16 Spielen erneut seine Klasse. Im Januar 2015 kam dann aber "etwas sehr Gutes" - aus China.

Guangzhou Evergrande überwies zwölf Millionen Euro nach Salzburg und stattete den Stürmer mit einem Vierjahresvertrag aus. Fünfzehn Tage nach dem Wechsel von Kevin Kampl zu Borussia Dortmund verließ der zweite Star den Verein.

Kurios: Trotz seines Abgangs im Winter wurde Alan 2015 Torschützenkönig der Europa League. Seine acht Tore in fünf Gruppenspielen konnte kein anderer Spieler toppen.

Guangzhou-Mäzen und Brasil-Fraktion

Umso mehr überraschte der Wechsel nach China. Dass der Brasilianer im Alter von 25 Jahren nicht den typischen Weg nach Deutschland oder England ging, wo es ebenfalls Interessenten gab, war für viele unverständlich. Böse Zungen sprachen aufgrund der Verletzungsvergangenheit und Gerüchten, wonach Alans Knie stark geschädigt sei, lautstark von den offensichtlichen Vorzügen des finanziell lukrativen Wechsels.

Bei Guangzhou ermöglichte Mäzen Yun Ma eben diese lukrativen Angebote und teuren Transfers. 2012 folgte beispielsweise schon Ex-BVB-Stürmer Lucas Barrios (8,5 Millionen Euro Ablöse) dem Lockruf. Gleichzeitig mit Alan wurde dessen Landsmann Ricardo Goulart (15 Mio.) aus Brasilien verpflichtet, zuletzt wechselten von den Spurs Paulinho (14 Mio.) und auch Ex-Nationalspieler Robinho (ablösefrei) nach Guangzhou.

Zusammen mit Brasiliens Ex-Nationaltrainer Felipe Scolari und dessen Co Flavio Teixeira, die im Juni das Kommando bei Alans neuem Klub übernahmen, bildete sich so ein brasilianisches Gespann, das den chinesischen Erstligisten 2015 zum Meistertitel und zum Gewinn der asiatischen Champions League führte.

Das verflixte Knie

Großen Anteil an diesem Erfolg hatte Alan jedoch nicht, denn am 6. März passierte es wieder: Zwei Monate nach seinem Wechsel riss sich Alan erneut das Kreuzband. Dieses Mal im linken Knie, im Training.

"Es ist eine sehr schwere Verletzung, er wird uns eine lange Zeit fehlen", bedauerte sein damaliger Coach Fabio Cannavaro den Ausfall. Unter dem Weltmeister von 2006 kam Alan deshalb nur zu zwei Einsätzen: Im AFC Champions-League-Gruppenspiel gegen den FC Seoul, wo er immerhin den 1:0-Siegtreffer von Goulart vorbereitete, und im Chinese Super Cup.

Die Ligasaison begann erst wenige Tage nach Alans schwerer Verletzung. Ein Vierteljahr nach Start der Chinese Super League kehrte er langsam zurück, wurde von Guangzhou allerdings in die Reserve geschickt und absolvierte kein einziges Spiel mehr für seinen neuen Arbeitgeber.

Klub WM 2015 in Japan

Guangzhou konnte sich jedoch auf seinen anderen Winter-Neuzugang verlassen: Goulart traf in 27 Ligaspielen 19 Mal und überragte auch in der AFC Königsklasse mit den meisten Toren (8). Durch den Gewinn der asiatischen Champions League qualifizierte sich der Meister aus China für die Klub-WM im Nachbarland Japan.

Neben Guangzhou werden dort auch der Gewinner der UEFA Champions League (FC Barcelona), sowie die Sieger der Königsklassen in Nord- und Zentralamerika sowie der Karibik (Club America), Ozeanien (Auckland City FC), und Afrika (Tout Puissant Mazembe) antreten. Außerdem qualifiziert: Südamerikas Copa-Libertadores-Champion (CA River Plate) und der Meister der japanischen J-League (Sanfrecce Hiroshima).

Insgesamt besteht die Klub-WM aus acht Spielen, Guangzhou steigt im Viertelfinale ein und muss am 13. Dezember um den Einzug ins Halbfinale spielen. Gegner ist dann Club America. Gewinnt Alans Klub dieses Spiel, wartet vier Tage später im Halbfinale der FC Barcelona, der als europäischer Vertreter erst in der Runde der letzten Vier in das Turnier eingreifen muss.

Furioses Comeback #2?

Dass Guangzhou unter diesen Voraussetzungen nicht als Favorit gilt, ist verständlich. Spannend wird jedoch zu beobachten sein, ob Alan, der mittlerweile wieder zum A-Team gehört, nach seinem zweiten Kreuzbandriss ebenso furios zurückkehren kann wie damals in Salzburg.

Nach seiner zweiten schweren Verletzung musste der Brasilianer kurzzeitig um seine Karriere bangen. Bei der Klub-WM hat er nun neben Landsmann Goulart die Chance, sich auf internationaler Bühne zurückzumelden und sich vielleicht wieder in die Notizbücher europäischer Scouts zu spielen - vorausgesetzt das Knie hält.

Alan im Steckbrief

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