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Fussball

Robbie Fowler: Gott in Armani

Von Norbert Pangerl
Noch ist nicht Schluss: Liverpool-Legende Robbie Fowler spielt jetzt in Thailand
© Getty

Anfang Juli drehte sich in Thailand wieder einmal alles um Politik. In dem von innenpolitischen Krisen gebeutelten Staat in Südostasien standen Parlamentswahlen an, bei denen die sogenannten Rothemden die absolute Mehrheit erreichten. Da ist es verständlich, dass eine Schlagzeile aus dem Fußballsektor beinahe unterging, obwohl deren Protagonist die längste Zeit seiner Karriere in den passenden Farben gekleidet war.

Als Robbie Fowler letzten Sonntag bei seinem neuen Verein vorgestellt wurde, war alles fast so wie früher. Er lächelte, schüttelte die Hand des Vize-Präsidenten, posierte mit dem Trainer und präsentierte den Zuschauern das rote Trikot mit der Nummer neun auf dem Rücken.

Schauplatz dieses Szenarios war diesmal jedoch nicht die Anfield Road, wo "the God" als Spieler des FC Liverpool seine größten Erfolge feierte, sondern das Yamaha Stadion in Nonthaburi in Thailand. Robbie Fowler will es im fernen Osten noch mal wissen. Für ein Jahr unterschrieb der 36-Jährige bei Muang Thong United, dem aktuellen Meister der Thai Premier League.

Thailand ist Fowlers (vorerst) letzte Station. Der Stürmer hat eine bewegende Karriere hinter sich, in der die ganz großen Erfolge ausblieben, woran Fowler selbst nicht ganz unschuldig ist.

Angefangen hat alles am 22. September 1993, als der damals 18-jährige Fowler im League-Cup-Hinspiel gegen den FC Fulham sein Debüt in der ersten Mannschaft des FC Liverpool gab. Ein paar Wochen zuvor hatte er die englische U-18-Nationalmannschaft mit fünf Toren in vier Spielen zum EM-Titel geschossen und sich selbst zum besten Torschützen des Turniers gekrönt.

Da war es fast selbstverständlich, dass der Youngster auch bei seiner Premiere gegen Fulham traf. Liverpool siegte 3:1 und setzte im Rückspiel zwei Wochen später noch einen drauf: Liverpool 5, Fulham 0. Alle fünf Treffer erzielte ein Mann: Robbie Fowler. Ein Star war geboren.

Arbeiter und Schlitzohr

In der noch jungen Premier League wurde der gebürtige Liverpooler schnell zu einem der besten Torjäger. Zwischen 1994 und 1997 erzielte er in drei aufeinanderfolgenden Spielzeiten jeweils über 30 Pflichspieltore für die Reds.

Sein Hattrick gegen Arsenal aus dem Jahr 1994 ist mit vier Minuten und 33 Sekunden noch heute der schnellste der Premier-League-Geschichte. Obwohl Fowler als Kind Everton-Fan war, wurde er bald zur Ikone für die Liverpool-Anhänger - nicht nur aufgrund seiner zahlreichen Tore.

Fowler wuchs im Liverpooler Problemviertel Toxteth auf, was ihm später den Beinamen Toxteth Terror einbrachte. Als Working Class Hero unterstützte er schon mal öffentlich entlassene Dockarbeiter. Auch auf dem Platz setzte sich Fowler vorbildlich ein. Er kombinierte unbändigen Einsatz mit einer starken Technik am Ball und enormer Schlitzohrigkeit.

Im März 1996 spielte er erstmals für England. Dort konnte er sich jedoch nie gegen die Konkurrenz aus Alan Shearer, Teddy Sheringham oder später Michael Owen durchsetzen.

Sex, Drugs & Rock'n'Roll - die Liverpool Spice Boys

Bisweilen verzichteten die strengen Nationaltrainer der Three Lions, wie Terry Venables oder Glenn Hoddle, auf Fowler, weil er unbequem war und das Herz auf der Zunge trug. 1999 wurde er für zwei Ligaspiele gesperrt, weil er während einer Partie gegen Chelsea mit Gegenspieler Graeme Le Saux aneinandergeraten war und mehrfach auf dessen angebliche Homosexualität angespielt hatte.

Das gefiel freilich den Medien, die zudem mit reichlich Eskapaden aus Fowlers Leben gefüttert wurden. Gemeinsam mit seinen Mannschaftskollegen Stan Collymore, Steve McManaman und Jamie Redknapp zog Fowler regelmäßig um die Häuser und die Nächte durch. Bald wurde die Gruppe als Spice Boys bezeichnet.

Zum FA-Cup-Finale 1996 gegen Manchester United stieg die Kombo in cremefarbenen Armani-Anzügen aus dem Mannschaftsbus. Auf der legendären Weihnachtsfeier des FC Liverpool 1998 waren jede Menge Stripperinnen mit ihrem Sex-Spielzeug gern gesehene Gäste. In Anlehnung an George Best erfreute sich Fowler an Frauen, schnellen Autos und ausschweifenden Partys.

Pferderennen wurden seine große Leidenschaft neben dem Fußball. Gemeinsam mit McManaman investiert Fowler seit Jahren mit der "Macca and Growler Partnership" in den Pferdesport.

Skandalprofi mit Fairplay-Auszeichnung

Auf dem Platz sorgte Fowler damals mit einer besonderen Geste für Aufsehen. Als er im Topspiel gegen den FC Arsenal Mitte der zweiten Halbzeit vermeintlich von Gunners-Keeper David Seaman gefoult wurde und der Referee auf Strafstoß entschied, erklärte Fowler in Richtung des Schiedsrichters und der TV-Kameras, dass es kein Elfmeter gewesen sei.

Dieser ließ den Strafstoß jedoch trotz der Proteste der Arsenal-Spieler ausführen. Fowler trat an, schoss halbherzig, Seaman parierte. Den Nachschuss versenkte schließlich Jason McAteer im Netz. Zwar forderten später viele, Fowler hätte den Ball absichtlich verschießen müssen, dennoch bekam Fowler Blumen von höchster Ebene.

"Ich möchte Ihnen zu Ihrem Sportsgeist, den Sie gezeigt haben, gratulieren", sagte Sepp Blatter, damals Generalsekretär der Fifa, und fügte an: "Dies ist die Art von Gesten, die dabei helfen, die Integrität des Spiels zu bewahren."

Verletzungen und Eskapaden beschleunigen Abstieg

Seine schweren Verletzungen, die ihn auch die Teilnahme an der WM 1998 kosteten, und seine Eskapaden auf und neben dem Platz führten jedoch dazu, dass Fowlers Stern allmählich zu sinken begann, während zur gleichen Zeit Michael Owen die Bühne in Liverpool und der englischen Nationalelf betrat.

Unrühmlicher Höhepunkt in dieser Zeit war Fowlers Torjubel im Merseyside Derby gegen den FC Everton. Nach seinem ersten von zwei Toren lief er zur Torauslinie und deuerte das Schnupfen von Kokain an.

Große mediale Aufmerksamkeit, eine Geldstrafe und eine Sperre durch den Verband waren die Folge. Fowler selbst erklärte, die Aktion sei lediglich eine humoristische Antwort auf die ständigen Vorwürfe der Everton-Fans gewesen, er schnupfe Kokain.

Diese Aktion markierte für viele den Beginn seines Zerwürfnisses mit Trainer Gerard Houllier, der ihn im Sommer 2001 nach einer verbalen Auseinandersetzung mit Assistenz-Coach Phil Thompson aus dem Kader für das Charity-Shield-Spiel gegen ManUnited strich. Fowler kam danach unter dem Franzosen nicht mehr über den Status des Ergänzungsspielers hinaus.

Dieser Umstand und die Befürchtung, der Verein könnte ähnlich wie beim Transfer von Fowler-Intimus Steve McManaman zu Real Madrid viel Geld verlieren, führten schließlich dazu, dass Fowler im November 2001 für rund 17 Millionen Euro zu Leeds United wechselte.

Rückkehr nach Anfield

Nach zwei Jahren und 14 Toren zog "God" schließlich zu Manchester City weiter, bevor ihn Rafa Benitez im Januar 2006 überraschend nach Liverpool zurückholte.

"Wenn du genug für Sachen betest, bin ich der Beweis, dass sie geschehen können. Ich fühle wie ein Zicklein am Weihnachtstag, täglich. Jetzt fühle ich mich fantastisch, zurück bei meiner ersten Liebe zu sein", philosophierte Fowler damals.

Als Fowler am 13. Mai 2007 unter Standing Ovations das letzte Mal den Rasen von Anfield verließ, skandierten die Fans noch minutenlang seinen Namen. Fowler bekam den würdigen Abschied, der ihm 2001 noch verwehrt blieb. Insgesamt markierte er 183 Tore in 369 Spielen für die Reds.

Wechsel nach Down Under

Nach Stationen in Cardiff und Blackburn unterschrieb er 2009 bei North Queensland Fury einen gut dotierten Zweijahresvertrag und musste sich anfangs deutliche Kritik für diesen Schritt anhören. "Ich bin nicht nur hier, um die Sonne zu genießen", sagte Fowler und ergänzte: "Ich bin darauf vorbereitet, hart zu arbeiten und auf den Platz zurückzukommen."

Nach einem Jahr wurde sein Vertrag in Queensland wegen finanzieller Probleme des Klubs aufgelöst. Fowler heuerte bei Perth Glory an der Westküste an. Nach 54 Partien und 18 Treffern erklärte er im Juni schließlich sein Australien-Abenteuer für beendet. Ein Trainer-Job in England, wo er bereits bei den Milton Keynes Dons und beim FC Bury hospitiert hatte, winkte als nächste Aufgabe.

Thailändischer Marketing-Coup

Jetzt also die Kehrtwende. Robbie Fowler hängt bei Muang Thong United noch ein Jahr dran. Der ehemalige thailändische Nationalcoach und aktuelle Trainer von Plymouth Argyle, Peter Reid, hätte ihn ebenfalls gerne als Spielertrainer im Kader gehabt.

"Robbie hätte mit seinem Können und seiner Erfahrung als Spieler einen guten Job für mich gemacht. Gleichzeitig wäre es für ihn die Chance gewesen, weitere Erfahrungen im Trainerbereich zu sammeln", sagte er dem "Daily Star", ergänzte aber: "Ich kann ihn verstehen."

So ist es Fowler vorbehalten, der an bekannten Namen armen Thai Premier League etwas Glamour zu verleihen. Ein Marketing-Coup ist sein Transfer schon jetzt. "Ich bin zuversichtlich, dass sich der thailändische Fußball verbessern wird, wenn sich so ein berühmter Spieler wie er uns anschließt", frohlockte General-Manager Ronnarit Suewaja.

Für Fowler bleibt sein Thailand-Engagement aber wohl nur eine kurze Episode. Er möchte als Trainer zurück in die Premier League - natürlich nach Liverpool.

"Wenn ich ehrlich bin, würde ich es lieben, eines Tages nach Liverpool zurückzukommen, aber das liegt nicht in meiner Hand. Wenn ich morgen zurückkehren könnte, würde ich es machen, aber wie wir alle wissen, ist das Leben kein Wunschkonzert", sagte er. Fowler kann mit dem bisherigen Verlauf seines Lebens aber durchaus zufrieden sein.

Die Thai Premier League im Überblick

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