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Fussball

Alles raushauen für eine große Zukunft

Von Fatih Demireli
Jeremy Clement (l.) grüßt mit dem PSG nach zwei Spielen und zwei Siegen von der Tabellenspitze
© Getty

Dortmunds Europa-League-Gegner Paris Saint-Germain (18.45 Uhr im LIVE-TICKER) hat schwere Zeiten hinter sich. Mit Wut im Bauch, aber mit wenig Plan sollte es in die Champions League gehen. Was übrig blieb, waren Schulden und ein Haufen Altstars. Doch die aktuelle Mannschaft macht Hoffnung. Und selbst einer der größten Trainer der Welt spricht plötzlich von einem Wechsel zu PSG.

Es waren die warnenden Worte eines besorgten Trainers. "Ich appelliere an die Hauptaktionäre, ich erwarte eine Geste", sagte Antonine Kombouare.

Dem Trainer von Paris Saint-Germain ging es bei dem öffentlichen Hilferuf nicht etwa um die Existenz des Klubs oder um seine eigene Zukunft. Nein, Kombouare wollte lediglich einen Innenverteidiger verpflichten und dafür die nötigen Geldmittel von ganz oben anfordern.

Die chronischen Defensivprobleme sollten endlich gelöst werden, der PSG-Trainer äußerte sogar seinen "Optimismus", dass bis zum Ende der Transferperiode etwas passiert. Das Ende der Geschichte des Sommers 2010? Es gab kein Geld, keinen Verteidiger, dafür aber zu Saisonbeginn eine beachtliche Anzahl an Gegentoren und einen Absturz in der Tabelle.

Plötzlich Erfolg

Alles schien also wie gehabt - Paris, schon in den vergangenen Jahren eine einzige Enttäuschung in der Ligue 1, lief abermals den eigenen Ansprüchen hinterher. Die Qualifikation für die Europa League verlief ähnlich holprig. Gegen Maccabi Tel Aviv setzte sich PSG nur mit viel Mühe durch.

Dass nur wenige Wochen später Paris die Europa-League-Gruppe J ohne Gegentor und ohne Punktverlust anführt und auch in der französischen Liga zur Spitzengruppe aufgeschlossen hat, verwundert bei den schlechten Vorzeichen sehr.

"Der Saisonstart war ein Schock, aber wir sind alle aufgewacht und wussten, dass etwas getan werden musste", so Christophe Jallet.

Kombouare formt ein Team

Vor allem Trainer Kombouare, der schon als Profi für PSG aktiv war, ist es zu verdanken, dass erstmals nach vielen Jahren voller sportlicher Tristesse ein Aufschwung zu spüren ist.

Der ehemalige Abwehrspieler formte trotz fehlender Mittel, die aufgrund von chronischen Finanzproblemen nicht bereitgestellt werden konnten, eine schlagfertige Mannschaft.

Ein feiner Schachzug war vor allem die Hereinnahme von Torhüter Apoula Edel für den alternden Gregory Coupet.

Edel, der aufgrund angeblich gefälschter Papiere vor wenigen Wochen in die Schlagzeilen kam, aber inzwischen von der UEFA entlastet wurde, hielt bisher seinen Kasten in jedem Spiel sauber. Der Wechsel vom alten Coupet zum jungen Edel ist ohnehin symbolisch für die Truppe aus Paris.

Viele Altstars

Wer auf den Kader der Franzosen blickt, entdeckt einige klangvolle Namen des internationalen Fußballs - doch Ludovic Guily, Claude Makelele, Coupet, Mateja Kezman oder Peguy Luyindula haben ihre beste Zeit schon hinter sich.

Die Altstars sind ein Produkt der wüsten Einkaufspolitik vergangener Jahre. Der Versuch, mit Gewalt in die Champions League zu stoßen, misslang - was blieb, sind Schulden und ein aufgeblähter Kader. Der letzte Meistertitel liegt nun schon 16 Jahre zurück.

Doch es gibt Hoffnung für Paris - es sind vor allem talentierte Spieler aus dem aktuellen Kader, auf die Kombouare setzt. Wie eben Edel, der Coupet verdrängt hat.

Abwehrspieler Mamadou Sakho (20) gehört zu den besten Abwehrtalenten Europas, bei PSG ist er schon seit drei Jahren eine feste Größe. "Ich glaube, dass er eine ganz große Karriere hinlegen und bald zu den besten Spielern der Welt gehören wird", sagt PSG-Legende Pauleta.

Hoffnungsträger im Sturm

Der Portugiese hat auch eine große Meinung von Mevlut Erdinc und Guillaume Hoarau. Der Türke und der Franzose, an dem im Sommer Schalke 04 großes Interesse zeigte, stehen für das neue Paris St. Germain. "Mevlüt ist schneller als Hoarau, ein sehr wendiger, torgefährlicher Spieler", sagt Pauleta. Hoarau lobt der ehemalige Stürmerstar für seine starke Physis. "Sie passen gut zusammen."

Ob das Duo im Signal-Iduna-Park zum Einsatz kommt, ist aber noch fraglich. Trainer Kombouare rotiert gerade in der Europa League gerne. "Wir wollen einfach ein großes Spiel abliefern. Und das traue ich jedem meiner Jungs zu", sagt der Coach.

Die Europa League nehmen die Hauptstädter ohnehin sehr ernst. "Wir haben richtig Lust auf das Spiel! Und wir wollen alles raushauen, was wir haben", sagt Mittelfeldspieler Jeremy Clement. Auch wenn es nicht die ersehnte Champions League ist, will St. Germain in Europa wieder für Furore sorgen.

Das Aufstreben des Klubs bleibt nicht unbemerkt. Selbst Frankreichs Trainer-Exportschlager Arsene Wenger spricht offen über die Möglichkeit, irgendwann bei PSG anzuheuren.

"Der PSG ist der einzige Klub auf der Welt, der in einem Gebiet mit zehn Millionen Einwohner angesiedelt ist und keinerlei Konkurrenz hat", so der Teammanager vom FC Arsenal, der aber eher eine leitende Funktion anstrebt.

Vielleicht ist dann ja Kombouare noch da und vielleicht erhört Wenger den Ruf nach einem Abwehrspieler.

Die Europo League 2010/2011 im Überblick

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