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Fussball

Kaiserslautern - Führungsspieler Mike Wunderlich im Interview: "Inneren Frieden wird man bei mir wohl nie finden"

Wunderlich kämpft mit dem FCK um den Aufstieg in die 2. Liga.

Routinier Mike Wunderlich spielt mit dem 1. FC Kaiserslautern eine starke Saison in der 3. Liga und hat kurz vor Saisonende beste Chancen auf den Aufstieg. Vor gut zehn Jahren war der 36-Jährige einer der Top-Spieler der 2. Liga, ehe er aufgrund einer Burn-Out-Erkrankung zurück in die Heimat in die NRW-Liga wechselte.

Im Interview mit SPOX und GOAL blickt der Mittelfeldspieler auf die schwerste Phase in seiner Karriere zurück, erklärt, warum er wohl "nie seinen inneren Frieden finden" wird und wieso es für ihn in der Jugend von Bayer Leverkusen nicht weiterging.

Außerdem verrät er, wieso es ihn nach seiner Rückkehr zu Viktoria Köln ganze zehn Jahre dort hielt und warum er im Herbst seiner Karriere ausgerechnet beim FCK landete.

Herr Wunderlich, im Juni 2011 gaben Sie bekannt, seit Monaten an einem Burn-Out-Syndrom zu leiden. Im Alter von 25 Jahren wechselten Sie deshalb vom FSV Frankfurt aus der 2. Liga zurück zu ihrem Heimatverein Viktoria Köln in die NRW-Liga. Wie erinnern Sie sich zurück?

Wunderlich: Das war eine ganz schwierige Zeit. Irgendwann lernt man, damit umzugehen. Darum habe ich das zu diesem Zeitpunkt öffentlich kommuniziert, dass ich mich aktuell nicht in der Lage fühle, länger in Frankfurt zu bleiben und bin den Schritt nach Hause gegangen. Dass daraus zehn Jahre geworden sind, war so nicht geplant. (lacht)

Wie haben Sie die Krankheit wahrgenommen?

Wunderlich: Es ist ungewohnt, wenn man plötzlich die Lust verliert und antriebslos ist. Ich habe mich gefragt: Was ist mit mir los? Am Anfang war ich ein bisschen überfordert. Sicherlich war das die komplizierteste Phase in meiner Laufbahn. Auch das sollte wohl rückblickend so sein, war aber natürlich sehr ärgerlich.

Insbesondere wenn man auf Ihre damaligen sportlichen Leistungen blickt: In der kicker-Rangliste nach der Vorrunde 2010/11 wurden Sie im Mittelfeld in der Kategorie "Herausragend" eingestuft und zum besten Spieler auf Ihrer Position gewählt.

Wunderlich: Genau, es lief sehr gut. Ich musste dann zwei Schritte zurückgehen, obwohl ich auf einem guten Weg war, um noch weiter nach oben zu kommen.

Wie nah war damals für Sie der Sprung in die Bundesliga?

Wunderlich: Es gab im Winter dieser Saison einige Anfragen für den Sommer und auch schon für die Transferperiode nach der Vorrunde. Das hat letztlich nicht geklappt. Ich weiß nicht, ob ich mich nach der Winterpause zu sehr unter Druck gesetzt habe, weil ich das unbedingt schaffen wollte. Wer mich kennt, der weiß, dass ich ein Perfektionist bin. Ich war nie zufrieden, wollte immer mehr. Und dann bist du irgendwann leer. Ob das dann ein Burn-Out war, ist ein anderes Thema. Die Medien haben viel daraus gemacht. Fakt ist: Ich war leer im Kopf und wollte einfach nur zuhause entspannt Fußball spielen und meinen Spaß wiederfinden. Aber klar: Der Sprung in die Bundesliga war greifbar und ich schaue hin und wieder mit einem weinenden Auge zurück.

Kaiserslauterns Mike Wunderlich: Bayer? "Hätte keinen Sinn ergeben zu bleiben"

Darauf deutete in Ihren jungen Jahren nicht so viel hin: Sie sind in Köln geboren, kickten anfangs für die Viktoria, ehe es von 1995 bis 2003 zu Bayer Leverkusen ging. Warum war dort mit 17 Schluss?

Wunderlich: Im Übergang zur U17 wurde mir mitgeteilt, dass es schwer wird, auf Einsätze zu kommen. Das wurde offen kommuniziert, ich sollte selbst entscheiden. Außerdem stieg die Viktoria zur kommenden Saison in die U17-Bundesliga auf. Mit meinem Vater habe ich den Entschluss gefasst, dass ein Wechsel sinnvoll ist, weil in diesem Alter regelmäßige Spielpraxis das Wichtigste ist. Es hätte keinen Sinn ergeben, in Leverkusen zu bleiben.

Hatten Sie in Ihrer Bayer-Zeit Teamkollegen, die dort den Durchbruch schafften?

Wunderlich: Gonzalo Castro war zwar jünger als ich, hat aber schon bei uns mitgespielt. Der hat nicht nur in Leverkusen eine Top-Karriere hingelegt. Ansonsten waren auch noch einige Spieler dabei, die es in die 2. Liga oder Bundesliga geschafft haben. Gonzo war aber schon in der Jugend mit der auffälligste Spieler und hat das auch im Seniorenbereich unter Beweis gestellt.

In der Folge sammelten sie beim 1. FC Köln und Rot-Weiss Essen erste Regionalliga-Erfahrung, ehe es nach Frankfurt ging. Nach Ihrer Erkrankung spielten Sie seit 2011 wieder in Köln. Sie führten die Viktoria von der 5. in die 3. Liga, erreichten in einigen Saisons unfassbare Statistiken. Wie lange stand die Gesundheit an erster Stelle?

Wunderlich: Um die Gesundheit ging es nur ein knappes Jahr. Dann hatten wir den Sprung in die Regionalliga geschafft. In den sieben Jahren bis zum Drittliga-Aufstieg gab es immer wieder Möglichkeiten, in die 2. Liga zu gehen, aber ich habe mich einfach wohlgefühlt. Der Verein hat mir in meiner schwierigen Zeit extrem geholfen, vor allem Herr Wernze, der Hauptsponsor des Vereins. Er hat meinen Wechsel aus Frankfurt ermöglicht. Sein Ziel war es immer, in die 3. Liga zu kommen - und das wurde dann auch zu meinem persönlichen Ziel. Es war also eine Mischung aus Dankbarkeit und persönlichem Ehrgeiz. 2019 hatten wir es nach vielen Anläufen endlich geschafft.

Mike Wunderlich: Die Statistiken bei seinen Stationen

VereinZeitSpieleToreVorlagenMinuten
1. FC Kaiserslauternseit 202135762.953
Viktoria Köln2011-20213231909228.404
FSV Frankfurt2010-201130552.700
Rot-Weiss Essen2009-20105015104.475
1. FC Köln II2005-2009942697.192
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