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Fussball

Kommentar zum Nazi-Vergleich von Fritz Keller: Die gesamte DFB-Spitze muss zurücktreten

Fritz Keller ist nach seiner verbalen Entgleisung in Richtung seines Stellvertreters Rainer Koch als DFB-Präsident nicht mehr tragbar. Doch darüber hinaus muss ein kompletter Neuanfang her.

Fritz Keller ist nach seiner verbalen Entgleisung in Richtung seines Stellvertreters Rainer Koch als DFB-Präsident nicht mehr tragbar. Doch darüber hinaus muss ein kompletter Neuanfang her. Ein Kommentar.

Fritz Keller ist nicht mehr zu retten, jedenfalls nicht als DFB-Präsident. Ein anderer Weg als der Rücktritt bleibt dem Winzer aus Südbaden nach seinem unsäglichen Nazi-Vergleich nicht mehr. Auch wenn er einen solchen Schritt ungeachtet der anhaltenden und völlig berechtigten Kritik von allen Seiten noch ausschließt.

Keller hat seinen Vize und Widersacher Koch vergangenen Freitag in der Präsidiumssitzung nach übereinstimmenden Angaben vor rund 20 Anwesenden mit dem NS-Richter Roland Freisler verglichen, der als Vorsitzender des berüchtigten Volksgerichtshofes für rund 2600 Todesurteile in der Hitler-Diktatur verantwortlich war. Ein nicht mehr zu tolerierender Fehltritt.

Zwar entschuldigte sich Keller, doch im Gegensatz zu dessen Behauptung nahm der offenbar tief getroffene Koch, hauptberuflich Richter, die Entschuldigung bislang nicht an.

Und selbst wenn es der Präsident des Bayrischen Fußballverbandes noch tun sollte, kann es den eklatanten Aussetzer nicht mehr gutmachen.

Fritz Keller kann DFB nicht mehr repräsentieren

Es ist nach diesem unsäglichen Vergleich unmöglich, dass Keller Repräsentant einer der nach wie vor wichtigsten Institutionen der Bundesrepublik und des mit mehr als sieben Millionen Mitgliedern größten Sportverbandes der Welt bleibt.

Jegliche Sonntagsreden gegen Antisemitismus oder gar die Verleihung des Julius-Hirsch-Preises des DFB im Gedenken an den im KZ Auschwitz ermordeten deutschen Nationalspieler jüdischen Glaubens sind in seiner jetzigen Funktion undenkbar geworden.

Dabei ist der 64-Jährige natürlich weder Antisemit noch rechtsextrem, hat sich im Gegenteil in der Vergangenheit häufig und glaubhaft gegen jeglichen Rassismus und andere Diskriminierungen ausgesprochen. Aber das hilft alles nichts, denn seine Verhöhnung der NS-Opfer aus dem Affekt heraus kann er nicht mehr ungeschehen machen.

Fritz Keller hat im DFB-Machtkampf offenbar die Nerven verloren

Keller ist an sich selbst gescheitert, an seiner aufbrausenden, unkontrollierten und teilweise erratischen Art, die man ihm schon als Vereinsboss des SC Freiburg und in den ersten 19 Monaten beim DFB immer wieder vorgeworfen hat. Und er hat im schmutzigen Machtkampf der DFB-Führung offensichtlich die Nerven verloren.

Umso trauriger für ihn, als er im zähen Ringen mit Koch, Generalsekretär Friedrich Curtius und Schatzmeister Stephan Osnabrügge nach der klaren Rückendeckung durch die Profis zuletzt offenbar auch die Mehrheit der Amateurvertreter auf seine Seite gezogen hatte. Doch das alles nützt ihm nach dem Freisler-Vergleich nichts mehr.

Kellers Gegenspieler stehen keineswegs als Gewinner da

Gleichwohl stehen seine Gegenspieler deshalb noch lange nicht als Gewinner da, im Gegenteil. Denn das Trio hat Keller über Monate ausgebremst, intern und extern gegen den ihm lästigen Präsidenten Stimmung gemacht und diesem wichtige Informationen vorenthalten, allen voran den fürstlich dotierten Vertrag eines so genannten Medienberaters und Spin-Doktoren oder die 20.000 Euro teure Pflege von Curtius' Wikipedia-Eintrag.

Daher ist es allerhöchste Zeit, endlich reinen Tisch zu machen: Neben Keller müssen auch die drei anderen DFB-Bosse Koch, Curtius und Osnabrügge zurücktreten und Platz für einen kompletten Neuanfang im seit der Sommermärchen-Affäre von einer Krise zur nächsten taumelnden Verband machen. Ein 'Weiter so' darf es nicht mehr geben.

DFB schon jetzt der große Verlierer

Schon jetzt ist der DFB der große Verlierer des beispiellosen Führungsversagens: Ein neuer Präsident wäre bereits der vierte seit 2015 und die wenigen geeigneten Kandidaten stehen aufgrund des anhaltenden Chaos nicht zur Verfügung.

Dabei hätte der deutsche Fußball inmitten der Pandemie angesichts von hohen Schulden, ungeklärten Affären, Nachwuchsproblemen und Nationalmannschaftskrise einen führungsstarken, kompetenten und charakterlich einwandfreien Mann an der Spitze dringend nötig.

Keller kann dieser Mann nicht mehr sein, doch auch die anderen Kandidaten aus dem engsten Führungszirkel haben sich für ihre Ämter disqualifiziert. Sie alle könnten dem DFB einen letzten Dienst erweisen, wenn sie freiwillig den Weg freimachen.

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