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Fussball

U21-EM - Erkenntnisse zum DFB-Team nach Remis gegen die Niederlande: Kuntz schaut (fast) zu lange zu - es fehlt an Kreativität

Von Christian Guinin

Nach dem souveränen 3:0-Auftaktsieg gegen Co-Gastgeber Ungarn zittert sich die deutsche U21-Nationalmannschaft im zweiten Gruppenspiel der EM gegen die Niederlande zu einem späten 1:1 (0:0)-Unentschieden. Während eine geschlossene Mannschaftsleistung den Patzer von Keeper Dahmen auffängt, richten es im Spiel nach vorne vor allem die späten Wechsel. Die Erkenntnisse zum Spiel.

1. Kuntz schaut (fast) zu lange zu

Letztlich sah es so aus, als hätte Stefan Kuntz das richtige Händchen bewiesen und alles richtig gemacht. Nur zwei Minuten nach der Einwechslung von Mainz' Jonathan Burkardt drang dieser nach gutem Antritt von Rechtsaußen in den Sechzehner der Niederländer ein und flankte mustergültig in die Mitte, wo Lukas Nmecha nur noch den Fuß zum 1:1-Ausgleich hinhalten musste.

"Jonathan hat das super gemacht. Ich stand dann am richtigen Platz. Das war ein sehr wichtiger Punkt", lobte der Torschütze nach der Partie seinen Teamkollegen. Kuntz' Wechsel hatte sich bezahlt gemacht, letztlich holte seine Mannschaft einen wichtigen Zähler gegen den wahrscheinlich stärksten Gruppengegner. Der Einzug in die K.o.-Phase kann nun mit einem Unentschieden gegen Rumänien perfekt gemacht werden.

Dennoch muss sich der DFB-Trainer die Frage gefallen lassen, warum er nicht schon viel früher zu seinen Wechseloptionen gegriffen hat. Mit Mateo Klimowicz und David Raum kamen die ersten frischen Spieler erst nach 77 Minuten, Vorlagengeber Burkhardt sogar erst nach 82 Minuten. Schließlich drehte die deutsche Elf erst nach den Änderungen im Spiel nach vorne so richtig auf, drei der vier Schüsse auf den Kasten von Kjell Scherpen (inklusive des Tores) gab Deutschland erst in den letzten zehn Minuten ab.

Bei früheren Einwechslungen, vor allem des in der vergangenen Partie gegen Ungarn gut aufspielenden Stuttgarters Klimowicz, hätte die deutsche Offensive den dringend benötigten offensiven Impuls wohl nicht erst in der Schlussviertelstunde bekommen, vielleicht hätte es sogar noch Möglichkeiten gegeben, das Spiel zu gewinnen.

2. Teamgeist und Geschlossenheit fangen Dahmen-Patzer auf

Vor allem aufgrund seiner fußballerischen Fähigkeiten soll sich Trainer Stefan Kuntz im Vorfeld des Turniers für Finn Dahmen als Nummer eins im Kasten der U21-Elf entschieden haben. Dass dem 23-jährigen Geburtstagskind im Spiel gegen die Niederländer genau diese Qualität zum Verhängnis wird, ist daher umso bitterer.

Wenige Augenblicke nach Ertönen des Wiederanpfiffes nahm der Keeper einen zu ihm kommenden Einwurf von Rechtsverteidiger Josha Vagnoman schlecht an, und schlug dann, um vor dem heranstürmenden Justin Kluivert zu klären, über den Ball. Der Leipziger Stürmer musste im Anschluss nur noch ins leere Tor zur Führung einschieben.

Dass ein Torhüter patzt, ist bei einem Turnier besonders ärgerlich, passiert aber nun einmal. Vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass Dahmen gerade einmal 23 Jahre alt ist und bei seinem Verein, dem FSV Mainz 05, nicht zum Stammpersonal zählt. Dort kam er in der laufenden Saison bislang lediglich einmal zum Einsatz.

Schlotterbeck: "Haben gerne das Tor für ihn geschossen"

Umso schöner war es daher mit anzusehen, dass nach Abpfiff die gesamte Mannschaft demonstrativ und geschlossen zu ihrem Keeper eilte und versuchte, ihn aufzumuntern. "Für Finn ist das ein unglücklicher Tag. Daher haben wir gerne das Tor für ihn geschossen", sagte Abwehrchef Nico Schlotterbeck nach der Partie bei ProSieben. "Vielleicht trinken wir heute Abend ein, zwei Gläschen und dann passt das schon."

Die Chemie und das Miteinander im Team scheinen also zu stimmen. Bei einer Mannschaft wie der DFB-Elf, die im Turnier ohnehin nicht zu den qualitativ besten gehört, ist das extrem wichtig und kann in entscheidenden Momenten Kräfte freisetzen. "Die Mannschaft kennt sich jetzt über ein bis zwei Jahre, der Kern ist gefestigt", meinte auch Arne Maier.

"Das war ein sehr emotionales Spiel. Dass die Mannschaft dagegengehalten hat, auch ein anderes System umgesetzt hat, macht mich extrem stolz. Das ist nicht so einfach", sagte Kuntz bei ProSieben: "Ich freue mich wie Bolle über den gelungenen Ausgleich."

Ob der Patzer für Dahmen sportliche Konsequenzen haben wird, wollte Kuntz noch offenlassen. "Darüber denke ich morgen noch einmal nach", sagte der Coach, angesprochen auf einen möglichen Wechsel im Tor für das abschließende Gruppenspiel gegen Rumänien. Mit Markus Schubert (Eintracht Frankfurt) und Lennart Grill (Bayer Leverkusen) hätte er auf jeden Fall zwei gute Alternativen.

3. Deutschland fehlt es an Kreativität

Dass es sich bei den Niederlanden im Vergleich zu Auftaktgegner Ungarn um ein anderes Kaliber handelt, war schon vor dem Anpfiff klar. Mit Spielern wie Sven Botman, Teun Koopmeiners, Noa Lang, Myron Boadu und Justin Kluivert hat die Elftal eine Menge äußerst talentierter Fußballer in ihren Reihen, womit man beim EM-Turnier auch zu den ganz heißen Titelanwärtern zählt.

DFB-Trainer Stefan Kuntz wählte bei der Aufstellung daher eine etwas defensivere Ausrichtung samt Dreierkette. Über die Außen sollten Ridle Baku und der für Raum startende Ismail Jakobs für Tiefe sorgen, zudem begann im linken Mittelfeld Salih Özcan für den angeschlagenen Burkardt.

Die deutsche Elf tat sich dementsprechend von Beginn an schwer mit der stabilen Defensive der Holländer um das starke Innenverteidiger-Duo Botman/Schurs. Offensiv blieb vieles Stückwerk, die langen Bälle auf Lukas Nmecha und Mergim Berisha erwiesen sich als wenig erfolgreich. Lediglich Arne Maier, der als Dreh- und Angelpunkt im deutschen Spiel fungierte, versuchte es immer wieder mit schnellen und tiefen Bällen in die Spitze, auch hier fehlte beim letzten Pass aber oft die entscheidende Genauigkeit. Erst kurz vor der Pause wurde es etwas besser, als zunächst Amos Pieper und anschließend Berisha an Oranje-Keeper Scherpen scheiterten.

In der zweiten Hälfte bot sich ein ähnliches Bild. Deutschland verlagerte das Spiel nach dem Rückstand zwar etwas weiter in die holländische Hälfte, insgesamt fehlte es aber weiterhin an Kreativität und Spielwitz. Auch die sonst so gefährlichen Standards von Maier waren kein Mittel, um den Abwehrriegel der Niederländer zu knacken - die beste Möglichkeit hatte noch Schlotterbeck in der 77. Minute, köpfte aber knapp neben das Tor.

DFB-Team: Nur vier Schüsse aufs Tor der Niederländer

Will man bei dieser Europameisterschaft sehr weit kommen, muss sich Stefan Kuntz etwas gegen diese spielerischen Mängel überlegen. Gegen qualitativ klar unterlegene Gegner wie Ungarn mag so etwas gut gehen, spielt man gegen ein Top-Team, wird es kompliziert. Gegen die Niederlande brauchte die DFB-Elf letztlich über 80 Minuten für ihren ersten gefährlichen Torabschluss, auch die Gesamtbilanz von vier Schüssen aufs Tor spricht für sich.

"Das Messen auf hohem Niveau ist für meine Spieler eine Erfahrung. Sie haben das angenommen. Zum Schluss war das ein sehr begeisterndes Spiel, kämpferisch auf sehr hohem Niveau, spielerisch knapp über dem Schnitt", fasste Kuntz die Partie zusammen.

Wichtig werden könnte eine funktionierende Offensive schon beim abschließenden Vorrundenspiel gegen Rumänien. Bei den Osteuropäern wächst gerade eine sogenannte "goldene Generation" heran, für Deutschland könnten sie daher zu einem unangenehmen Gegner werden. Aufgrund des besseren Torverhältnisses würde der deutschen Mannschaft ein Punkt schon reichen. Wenn die Niederlande ihrerseits gegen Ungarn patzen, kann man sich auch eine Niederlage erlauben.

U21 EM: Der Spielplan der deutschen Gruppe A

DatumUhrzeitBegegnungErgebnis
24. März 202121 UhrUngarn - Deutschland0:3
24. März 202121 UhrRumänien - Niederlande1:1
27. März 202118 UhrUngarn - Rumänien1:2
27. März 202121 UhrDeutschland - Niederlande1:1
30. März 202118 UhrNiederlande - Ungarn-:-
30. März 202118 UhrDeutschland - Rumänien-:-
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