DFB-Team - Volksnahe Weltmeister gegen Frankreich unter Druck: "Wir sind jetzt Jäger"

SID
Joachim Löw will WM-Debakel schnell vergessen machen.
© getty

Die DFB-Auswahl bereitet sich in München auf den Weltmeister Frankreich vor. Für Löw ist es eine Woche der Wahrheit, die Spieler wollen unbedingt Wiedergutmachung für das WM-Debakel.

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Am Montag startete die DFB-Auswahl in München die Vorbereitung auf das brisante Duell mit Weltmeister Frankreich. Für Bundestrainer Joachim Löw ist es eine Woche der Wahrheit, die Spieler wollen unbedingt Wiedergutmachung für das WM-Debakel.

DFB-Team nimmt sich bei der Ankunft viel Zeit für die Fans

Joachim Löw stieg um 11.30 Uhr mit schwarzer Lederjacke lächelnd aus einer dunklen DFB-Limousine und demonstrierte gleich einmal die versprochene Fannähe. Mit einem Hallo begrüßte der Bundestrainer die wenigen Anhänger vor dem Park Hilton Hotel in München und erfüllte geduldig jeden Autogrammwunsch. Auch die viel kritisierten Nationalspieler zeigten sich volksnah. Es waren vor dem Seiteneingang der noblen Herberge am Englischen Garten nur kleine Gesten - nun werden von Löw und seinen Stars nach dem WM-Debakel von Russland weitaus größere Taten gefordert.

Löw vor den beiden Länderspielen gegen Frankreich und Peru unter Druck

Beim ausgerufenen Neustart mit den Länderspielen gegen Weltmeister Frankreich am Donnerstag (20.45 Uhr) in der neuen Nations League und drei Tage darauf in Sinsheim gegen Peru (20.45 Uhr) steht der 58-Jährige unter "besonderer Beobachtung und unter besonderem Druck", wie er im Rahmen seiner großen WM-Analyse selbst betont hatte. Er würde sogar "auf Bewährung" arbeiten, heißt es beim DFB hinter vorgehaltener Hand.

Doch der Bundestrainer ist überzeugt, den tief gefallenen Weltmeister von 2014 wieder in die Spur zu bekommen. Bevor er am Montagnachmittag sein Team zum ersten Training auf dem Bayern-Campus versammelte, sagte er bestimmt: "Ich bin sicher, dass wir das hinbekommen."

DFB-Team will Wiedergutmachung für die WM-Schmach

Löw baut dabei auf eine Trotzreaktionen seiner Russland-Verlierer. Und die gelobten beim Treffen am Montag unisono Besserung und Wiedergutmachung. "Es ist eine gute Chance, einiges geradezurücken, auch wenn man gegen Frankreich nicht im Vorbeigehen gewinnt. Trotzdem wollen wir zeigen, dass wir eine Weltklassemannschaft sind", sagte Leon Goretzka, einer von sieben Profis von Bayern München im 22-köpfigen Kader.

"Wir stehen in der Verantwortung. Das ist eine Chance für uns. Alle haben wieder richtig Lust. Wir können direkt zeigen, dass wir immer noch Deutschland sind und uns vor Frankreich nicht verstecken müssen", betonte Julian Draxler, forderte aber auch in aller Deutlichkeit, "Eigeninteressen hintanzustellen". Man müsse "intern einiges aufarbeiten".

Drei Tage mit nur drei Trainingseinheiten hat Löw Zeit, das Desaster aufzuarbeiten, taktisch die nötigen Schritte einzuleiten und aus den Spielern das "Jetzt-erst-recht-Gefühl herauszukitzeln". Es müssten "Ergebnisse" geliefert werden, stellte DFB-Präsident Reinhard Grindel klar. Das sei "das A und O", sagte Thomas Müller, "daran wird man gemessen".

Die deutsche Mannschaft muss in einer starken Gruppe liefern

Einen spielerischen Offenbarungseid wie bei der WM werden sich die Nationalmannschaft und auch Löw kaum leisten können. Zwar genießt der Bundestrainer zumindest öffentlich das Vertrauen der Liga und des DFB. Die Kritik der Fans wird trotz Löws fast zweistündiger Pressekonferenz am vergangenen Mittwoch erst dann verstummen, wenn der entthronte Weltmeister wieder überzeugt. Zumal in der Nations League, in der neben Frankreich auch die Niederlande Gegner des DFB-Teams sein wird, auch ein Abstieg möglich ist.

Dass ausgerechnet nun der Weltmeister, der mit allen Stars anreist, zum Aufbaugegner werden soll, entbehrt nicht einer gewissen Brisanz. Löw sprach dennoch von einem "top Auftaktgegner in dieser Situation. Ich bin überzeugt von unserer Klasse".

16 "Jäger" aus dem WM-Aufgebot sollen es richten

Nach dem Verzicht auf den Kölner Jonas Hector, der sich nach stressigem Saisonstart "derzeit nicht auf höchstem Level fühlt" (Löw) , müssen es neben den Neulingen Kai Havertz, Thilo Kehrer und Nico Schulz immerhin noch 16 Spieler aus dem WM-Aufgebot richten. Dazu kommt Rückkehrer Leroy Sane, der, geht es nach Löw, für die Zukunft des deutschen Fußballs stehen soll. Bei Manchester City hatte der Jungstar am Wochenende jedoch wegen angeblich mangelnder Arbeitseinstellung nur auf der Tribüne gesessen.

"Wir haben etwas wiedergutzumachen. Die, die dabei sind, sind total motiviert", versprach Kapitän Manuel Neuer den über 60.000 Fans, die am Donnerstag in der Allianz Arena erwartet werden. Ein Sieg wäre, so Müller, "ein Riesenschritt in die Richtung, die große Niederlage vom Sommer auszuwetzen". Derzeit sei die Mannschaft gegen die allseitige Kritik noch "ohne Waffen". Oder, wie Timo Werner feststellte: "Wir sind jetzt nicht mehr die Gejagten, sondern die Jäger."

Jogi Löws Bilanz als deutscher Bundestrainer

SpieleSiegeUnentschiedenNiederlagenPunkte pro SpielTitel
16510830272,16Weltmeister 2014
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