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Fussball

"Ob das für die WM reicht?"

Franz Beckenbauer wurde 1974 als Spieler und 1990 als Teamchef Weltmeister
© getty

Knapp zehn Tage vor dem Auftaktspiel der Nationalmannschaft gegen Portugal bei der WM in Brasilien hat sich Franz Beckenbauer noch einmal zu Wort gemeldet. Bei einer Medienrunde äußerte sich der Kaiser auf einer Veranstaltung von "Sky" über die Probleme des DFB-Teams, die Proteste in Brasilien und die WM-Vergabe an Katar.

In einer Woche beginnt die WM in Brasilien. In Deutschland herrscht schon große Euphorie und Vorfreude auf das Turnier, in Brasilien gibt es dagegen fast überall Proteste. Franz Beckenbauer hat sich zu seinen Erwartungen an das DFB-Team, die Problemen Brasilien und die Zukunft von Joachim Löw in seinem letzten offiziellen Auftritt vor der WM geäußert. In einer lockeren Medienrunde sprach Beckenbauer über...

...über die Defensive des DFB-Teams: Wenn Manuel Neuer ausfallen sollte, muss sich die Viererkette auf Roman Weidenfeller einstellen - und der spielt natürlich anders. Den stabilsten Eindruck machen sie in der Abwehr noch nicht, das wird sich aber im Laufe der Vorbereitung ändern. Sie werden sich einspielen und aufeinander abstimmen. Es wird sich zeigen, ob es ein Problem ist, dass Erik Durm erst ein Länderspiel gemacht hat. Ich weiß es nicht. Seine ersten Gehversuche im Profifußball hat er sehr gut gemacht, aber reicht das auch für eine WM? Im Abwehrzentrum habe ich dagegen keine Bedenken. Da ist Mats Hummels eine Bank. Ich sehe nur auf der Linksverteidigerposition eventuell Probleme.

...Joachim Löws Nominierung von nur einem Stürmer: Es birgt natürlich ein gewisses Risiko, mit nur einem echten Stürmer ins Turnier zu gehen. Aber ich kenne die Philosophie des Bundestrainers nicht. Ich bin verwundert, dass Stefan Kießling nicht mitgefahren ist. Er würde die Position des zentralen Stürmers am ehesten noch ausfüllen. Thomas Müller kann das auch spielen, das hat er beim FC Bayern schon bewiesen - er wurde auf dieser Position ausgebildet. Mario Götze, Mesut Özil und Marco Reus sind keine echten Stürmer. Aber wir müssen Löws Entscheidung akzeptieren.

...über die Titelchance der deutschen Elf: Es gibt bei solchen Turnieren keine Garantien, man braucht auch immer das Quäntchen Glück. Das kann man sich aber erarbeiten. Ich habe mit meinem Team 1990 nach der Vorrunde nach jeder Trainingseinheit Elfmeter geübt, daher hatte die Mannschaft das Vertrauen, dass gegen England im Halbfinale nichts schiefgehen kann. Es sind oft Kleinigkeiten, die bei einem solchen Turnier entscheiden. Bei den letzten Weltmeisterschaften ging es für das DFB-Team immer mindestens bis ins Halbfinale, aber der letzte Schritt hat gefehlt. Vielleicht gelingt es ja in diesem Jahr. Vor vier Jahren war die Mannschaft zu jung, jetzt haben alle Spieler genügend internationale Erfahrung. Wenn nicht jetzt, dann wird es immer schwieriger. Aber ich glaube an uns. Ich hoffe auf den Titel, aber einen 3. Platz bei einem WM-Turnier in Südamerika würde ich unterschreiben.

...über die Zukunft von Joachim Löw: Wenn er in der Vorrunde ausscheidet, wird er wohl zurücktreten. Aber sonst hoffe ich, dass er nach der WM weitermacht. Es passt einfach. Er versteht sich gut mit den Spielern, die Mannschaft spielt sehr gut - also warum sollte er aufhören?

...über Brasilien und die Heim-WM: Der Druck ist natürlich immens. Das Ganze kann dadurch auch nach hinten losgehen. Zwar scheint mir die Mannschaft stark genug zu sein, um diesen Druck auszuhalten, aber Tatsache ist auch, dass die Spieler alle noch sehr jung und unerfahren sind. Sie spielen nicht mehr reihenweise beim FC Barcelona oder Real Madrid. Ich bin neugierig, wie sich die Brasilianer bei ihrer Heim-WM schlagen werden.

...über seine Favoriten: Es gibt in diesem Jahr kein Überteam, alle haben so ihre Probleme. Die Portugiesen mit Cristiano Ronaldo beispielsweise. Es steht hinter allen Topteams noch ein Fragezeichen. Mein absolutes Wunschfinale wäre Deutschland gegen Brasilien - dafür müsste einer der beiden Gruppenzweiter werden. Das gab es bei einer deutschen Mannschaft schon mal - vor 40 Jahren. Das war unser Plan, aber das haben wir nur keinem verraten (lacht).

...über die Probleme im Land und der Bevölkerung: Ich hoffe einfach, dass während der WM nichts passiert. Das wäre nicht gut für das Brasilien und den brasilianischen Fußball. Es ist offensichtlich, dass es im ganzen Land große Probleme gibt. Aber Brasilien steht für Sommer, Sonne, Samba, Tanz und Fußball. Das ist das Bild, das man von dem Land hat. Derzeit sieht es leider anders aus, was sehr bedauerlich ist. Zum Wohle des Fußballs und zum Wohle Brasiliens hoffe ich, dass sich die Proteste beruhigen und es zu keinen Zwischenfällen kommt.

...über die WM 2022 in Katar: Auch ich war über die Vergabe überrascht. Katar ist natürlich nicht der optimale Austragungsort. Im Sommer zu spielen ist fast unmöglich. Am besten wäre es, im Winter zu spielen, dort herrschen sehr angenehme Temperaturen. Natürlich können sie die Temperaturen im Stadion regulieren, aber man muss auch an die Fans denken. Allerdings haben sie eine herausragende Bewerbung abgeliefert. Katar an sich ist so groß wie Ober- und Untergiesing zusammen, dort braucht man keine zwölf Stadien. Daher bauen sie sie wieder ab und in Entwicklungsländern wieder auf. Die Ideen waren schon sehr schlüssig. Was die Korruptionsvorwürfe betrifft, bin ich der falsche Ansprechpartner. Dazu kann ich nichts sagen.

...über Müllers Aussage, er wolle mit Karl-Heinz Rummenigge über seine Zukunft reden und einem kolportierten Interesse von Manchester United: Das ist absolut legitim von Thomas. Er kann seine Wünsche äußern. Das ist kein Problem. Dass nun Louis van Gaal angeblich interessiert sein soll, kommt nicht überraschend. Er hat ihn ja entdeckt.

...über einen Besuch bei Uli Hoeneß in der JVA Landsberg: "Sicher, das haben wir so abgesprochen. Er hat nur zweimal zwei Stunden im Monat Besuchszeit, die sind natürlich zunächst seiner Familie vorbehalten. Aber ich hab mich schon angemeldet."

Die WM 2014 im Überblick

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