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Fussball

Die Dämonen vertrieben

Carlo Ancelotti herzt seinen Superstar Cristiano Ronaldo
© getty

Real Madrid träumt weiter vom ersten Triumph in der Champions League seit 2002. Trainer Carlo Ancelotti hat der Mannschaft den letzten Schliff gegeben und ein funktionierendes Team geschaffen.

Geographisch gesehen liegt Deutschland nicht auf dem kürzesten Weg von Madrid nach Lissabon. Real Madrid führte die K.o.-Runde der Champions League aber gleich drei Mal ins Land der Dämonen. Die Königlichen hatten und haben immer noch eine fürchterliche Bilanz auf deutschem Boden - und eine noch schlimmere auf bayerischem Terrain.

Aber 2014 wischte Madrid alle Klatschen der Vergangenheit weg und erteilte mit Schalke (6:1) und Bayern (4:0) zwei Teams aus der Bundesliga gewaltige Abreibungen. Einzig beim 0:2 in Dortmund schien Real das alte Gefühl der Angst in Deutschland zu übermannen.

Es war aber vielleicht dieses Spiel im Signal Iduna Park, das Real die entscheidenden Prozent auf dem Weg zum lang ersehnten zehnten Champions-League-Titel brachte. Mit etwas Glück und dank des 3:0 aus dem Hinspiel kam Real weiter. Für Trainer Carlo Ancelotti war es die perfekte Motivationshilfe für die Spiele gegen den FC Bayern.

Ancelotti: "Das perfekte Spiel"

Pressekonferenz, das Spiel in München ist seit gut einer Stunde vorbei. 4:0, noch nie zuvor hatte Real in München gewinnen können und dann gleich in dieser Höhe und auf diese beeindruckende Art.

Ancelotti betritt das Podium. Der Italiener taugt nicht für die großen Emotionen, er kommt manchmal etwas tapsig und dröge daher, seine Art zu coachen hat ihn aber jetzt zum vierten Mal in ein Champions-League-Finale gebracht - Rekord!

Seine Analyse ist klar und eindeutig, egal ob in Spanisch, Englisch oder Italienisch. "Wir haben ein perfektes Spiel abgeliefert, sehr gut verteidigt und von der Geschwindigkeit unserer Stürmer profitiert."

Kein Triumph über Guardiola

Mit diesen Waffen hat er den FC Bayern auseinander genommen. Für die spanischen Reporter ist das Ergebnis auch ein Triumph von Ancelotti über das System Pep Guardiola, der den Madridistas mit dem FC Barcelona in den vergangenen Jahren große Schmerzen bereitet hatte.

"Das ist ein Sieg, nicht mehr und nicht weniger", stellt Ancelotti fest. "Natürlich haben wir gegen die Champions der vergangen Saison gespielt. Aber das System Guardiola wird weiterleben, er hat damit auch sehr gute Resultate erzielt."

Der Italiener will das Spiel nicht überhöhen. Er weiß, dass er einen großen Sieg eingefahren hat, aber er weiß auch, dass der Weg noch nicht zu Ende ist. Wer immer nach Madrid komme, spüre sofort, dass "etwas Besonderes in der Luft" liege. Es ist der Traum von La Decima.

Friede, Demut und Grandezza

Den soll Ancelotti erfüllen. Endlich. Jose Mourinho hat sich mit seiner Art der Kriegsführung auf allen Ebenen die Zähne ausgebissen. Er hat drei Halbfinals in Folge verloren (Barcelona, Bayern, Dortmund) und einen zutiefst gespaltenen sowie verunsicherten Verein hinterlassen.

Der weniger kantige Ancelotti hat Madrid den Frieden und die Grandezza zurück in den Klub getragen und auch die Mannschaft auf Linie gebracht. Auch Demut hat er den Königlichen gelehrt und sie vorgelebt. "Der Schlüssel lag im Hinspiel. Wir haben dort defensiv sehr gut gearbeitet, das hat uns Zuversicht gegeben."

Mit dem Wissen aus dem Hinspiel, Bayerns Spielweise und deren Offensive kontrollieren zu können, ging Real voller Selbstbewusstsein ins Rückspiel. Erneut verteidigten die Königlichen kompakt im 4-4-2 und waren im Konter nicht zu stoppen.

"Er hat unsere Mentalität geändert"

"Das Spiel lief nach unserem Rhythmus ab, weil alle sehr gut gearbeitet und sich in den Dienst der Mannschaft gestellt haben. Auch Bale, Benzema und Cristiano", sagte Ancelotti. Es waren die Lehren aus der Niederlage in Dortmund, als Real im Gefühl des klaren Vorsprungs leichtsinnig und ohne die nötige Geschlossenheit agierte.

"Die Balance ist der Schlüssel des Fußballs", philosophierte Ancelotti, um im nächsten Moment wieder banal zu werden. "Mit Spielern dieser Qualität ist es leichter zu gewinnen."

Es ist Ancelottis Verdienst, dass sich die Stars dem Teamgedanken unterordnen. So wie es in der vergangenen Saison Jupp Heynckes' Verdienst war, dass Franck Ribery und Arjen Robben in der Defensive mitarbeiteten.

Die Spieler haben es akzeptiert, werden nun dafür belohnt und geben die Komplimente gerne an den Trainer zurück. "Er hat unsere Mentalität geändert", sagte Ronaldo, der mit 16 Toren in einer Champions-League-Saison einen Rekord aufstellte. Das Team steht über allem und der Trainer gehört dazu.

Höhepunkt gegen Mourinho?

Ancelotti hat die Wut seiner Mannschaft nach drei verlorenen Halbfinals in die richtigen Bahnen gelenkt, er spricht vom nötigen Schuss "Extra-Motivation". Die Spieler wollen jetzt endlich diesen verdammten Titel, nachdem sie jeweils so kurz vor dem Endspiel scheiterten.

Der zweifache Torschütze Sergio Ramos steht beispielhaft für die bisher vergebliche Titelhatz dieser Madrider Generation. Vor zwei Jahren landete sein Versuch im Elfmeterschießen auf der Tribüne, vor sieben Jahren wurde sein Ausgleichstreffer im Achtelfinale nicht gegeben. "Die Champions League war mir etwas schuldig, und auch noch etwas gegen die Bayern", sagte Ramos.

Im Endspiel, das Madrid ohne den gesperrten Xabi Alonso bestreiten muss, kommt es zum Wiedersehen mit Lokalrivale Atletico Madrid. Die Dramaturgie, die mit dem Weg durchs ungeliebte Deutschland schon Schwung aufgenommen hat, würde seinen Höhepunkt erreichen.

Ancelotti meinte zu einem möglichen Finale nur: "Es ist nicht wichtig, wen wir im Finale treffen. Die Hauptsache ist, eine dieser zwei Mannschaften im Endspiel ist Real Madrid."

Bayern München - Real Madrid: Die Statistik zum Spiel

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