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Fussball

Die Alternative Liste der Champions League - Viertelfinale: Don’t hate the player, hate the gan

Von David Kreisl
Am Dienstag eher schwierig: Ovidiu Hategan.

Die Hinspiele sind durch und die Suche nach Schuldigen läuft: In Madrid war's der Platz, in Sevilla Jesus Corona - und in München? Andorra und auch ein bisschen zu viel Schnee im Auge. Hätte auch gerne ein Autogramm von Erling Haaland: Die Alternative Liste des Viertelfinals. (1/2)

Schwingende Neun: Große Sorge bei den (acht verbliebenen) Deutschland-Fans: Didi Hamann machte am Dienstagabend nicht unbedingt den Eindruck, als würde er in Zukunft Pep Guardiola überhaupt als seinen Assistenz-Coach beim DFB-Team wollen! :O Die Taktik des Katalanen gegen den BVB ("Den Norweger zustellen, Ball halten und dann vamos a ver") kam nämlich nicht nur etwas fad daher, sondern ging fast nach hinten los. Zum Glück für die Citizens war da aber Emre "Kein Bock auf Europa League" Can, der mit Nachdruck unter Beweis stellte, dass er auch in einem Champions-League-Viertelfinale Tore initiieren kann. Stark! Trotz spätem Ausgleich für den BVB kam's am Ende aber, wie es kommen musste. Denn: Wenn der Gegner Jesus als "schwingende Neun" (Wolff-Christoph Fuss), man selbst aber nur Thomas Meunier als Thomas Meunier einwechseln kann, dann verliert man solche Spiele halt.

Folgerichtig vorpubertär: Wobei Citys Man of the Match auch ein ziemlich dunkles Himmelblau trug: In der Entstehung von Manchesters 1:0 stellte Ovidiu Hategan geschickt Jude Bellinghams Laufweg zu, kurz danach half er netterweise Keeper Ederson aus; der hatte nämlich kurz gedacht, er wäre Manuel Neuer, war's dann aber doch nicht und verlor den Ball an Bellingham, dessen Tor aber prompt von einem vorpubertären Blitzpfiff niedergemäht wurde. Kommt daher "Don't hate the player, hate the gan"? Egal. Umso größere Klöten bewies dann der Schiri-Assistent, der sich nach Spielende aus rührendem Grund ein Autogramm von Erling Haaland im Spielertunnel abholte. Immerhin einmal lag Hategan am Dienstag aber richtig: Als er sich selbst korrigierte, nachdem er gedacht hatte, einen Elfmeter für die Skyblues erspäht zu haben. Cans leichte Aushufung nach hinten touchierte Rodrigo nämlich wenn dann sehr sanft am Oberschenkel, während der Spanier den Ball mit der Hand wegwischte und sich folgerichtig und konsequent schreiend auf den Boden warf und das Gesicht hielt. Wo ist eigentlich Santiago Ascacibar, wenn man ihn mal braucht?

Blut im neck: Es wird ja gerne mal folgendes Gedankenexperiment angestrengt. Wenn man eine Mannschaft wie, sagen wir mal: Greuther Fürth nehmen, und in diese dann ein, zwei Weltklassekicker, sagen wir mal: Kylian Mbappe und Neymar stecken würde - wie sähe sowas eigentlich aus? Wäre das dann gut? Paris Saint-Germain war am Mittwochabend so nett, diese Fragen mit "witzig" und "ja" zu beantworten. Offensichtlich sogar gut genug für den Titelverteidiger, der sich beim Zwodrei im Viertelfinale dahoam eine der unnötigsten Niederlagen seitdem der Homo sapiens sich aufgerichtet hat (lief das so?) einfing. Antonio Mateu Lahoz war dabei mit seiner klabauterhaften Spielleitung auch genau der Richtige für diesen spielgewordenen Fiebertraum: Das erste Tor quasi ein FIFA-Bug, frei nach dem Motto "Wenn man schon nicht an Neuer vorbeikommt, dann eben durch". Das nächste, weil - und hier kann wohl jeder mit Niklas Süle fühlen - Schnee in den Augen einfach wehtut. Zwischendrin musste Thomas Müller dann noch mit dem bilingualen Meisterwerk "Thomas, du hast Blut im neck" darauf aufmerksam gemacht werden, dass der schon grobgeschätzt anderthalb Liter davon verloren hatte. Und vor dem Pariser Kasten, da wurde beinahe alles verballert, verstolpert und vergeben, was den Roten vor die Füße kam. Dabei hatte Aggressive Director Hasan Salihamidzic schon vor dem Spiel die benötigte Kaltschnäuzigkeit vorgelebt und mal eben im Field-Interview Jerome Boatengs FCB-Laufbahn beendet. Auch die Schärfe neben dem Rasen in den Duellen Hansi Flick gegen Patrick Wasserzieher oder Müller gegen Sebastian Hellmann stimmte eigentlich. Tja, wenn es da nur jemanden im Kader gäbe, der weiß, wie man Tore schießt ... Aber hey, Hauptsache Andorra noch zwei eingeschenkt.

Alles wird gut: Aber kein Grund zur Panik, liebe Bayern-Fans. Schließlich ist bekannt, dass Benny Fuchs darauf gewettet hat, dass die Bayern den Titel verteidigen. Und wenn man im deutschen Fußball noch jemandem vertrauen kann, dann Mister Dreizueins.

Husbands and boyfriends: "Deutsche Sprache schwere Sprache" ist an sich ein blöder Spruch, dem jedoch mindestens genauso viel Wahrheit innewohnt wie der Tatsache, dass die deutsche Sprache auch eine schöne ist, weil man mit ihr so einiges anstellen kann. Zum Beispiel: Komposita bauen bis zum Umfallen. Sky-Kommentator Martin Groß sah sich beispielsweise in Madrid einer "Bezirkssportanlagenatmosphäre" ausgesetzt. Ein schönes Wort, das mit 29 Buchstaben zwar nicht ansatzweise an die laut Duden offiziellen längsten Wörter im deutschen Sprachgebrauch rankommt - die da wären: Rinderkennzeichnungsfleischetikettierungsüberwachungsaufgabenübertragungsgesetz (79) und Grundstücksverkehrsgenehmigungszuständigkeitsübertragungsverordnung (67) -, aber den grundsätzlichen Vibe bei Reals Heimspielen im "Estadio" Alfredo di Stefano recht gut beschreibt. Da half es auch nix, dass es gegen die Gäste aus Liverpool quasi die Neuauflage des Endspiels 2018 gab. Die großen Pro- und Antagonisten von damals standen am Dienstag schließlich gar nicht auf dem Platz, wobei es die Reds auch ohne Sophia Thomallas WAG (oder HAB?) in Sachen Defensivverhalten teilweise ins Groteske abglitten, zum Beispiel bei Trent Alexander-Arnolds eingeknietem Kopfballassist (für den Gegner) zum 0:2. Immerhin: Wo wir schon auf Rematches á la Ramos vs. Salah verzichten mussten, war wenigstens Jürgen Klopp nach Schlusspfiff schön auf Krawall gebürstet. Der scherzelte im Vorfeld der Partie noch fröhlich über seinen kommenden Arbeitgeber Real Mallorca und sein übles Spanisch, mit dem er höchstens den immergleichen Witz übers Bierbestellen machen könne, fauchte aber nach Schlusspfiff ordentlich gegen Referee Doc Felix Brych ("Unfair!") und: die Bezirkssportanlagenatmosphäre ("Trainingsplatz!" / "In Anfield haben wir wenigstens wieder ein richtiges Stadion").

Frage für einen Freund: Welcher Witz übers Bierbestellen eigentlich?

Jesus Corona: Unter der Woche herrschte noch helle Aufregung, als sich im anscheinend ordentlich testosteron-verbolzten Haufen, den Thomas Tuchel seine Fußballmannschaft nennt, Antonio Rüdiger und Kepa A. gegenseitig an die Gurgel sprangen. Pünktlich zum Clash gegen den FC Porto (in Sevilla, aus Gründen) war aber wieder alles tippitoppi beim FC Chelsea, jedwede Brutalitäten hätten auch nicht wirklich zu den "schreiend rosanen" (wieder Martin Groß) Kostümen, äh ... Trikots der Londoner gepasst. Das Fußballspiel dann? Zwei zu null. Das zweite Tor kurz vor Ende wurde von Jesus Corona verschuldet. Dass da einer spielt, der so heißt, wollten wir schon lange mal sagen. Wird auch niemals nicht lustig sein.

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