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Fussball

RB-Salzburg-Sportdirektor Christoph Freund im Interview: "Trainerscouting genießt bei uns eine hohe Priorität"

Christoph Freund arbeitet seit 2006 für RB Salzburg. 2015 übernahm er den Sportdirektore-Posten von Ralf Rangnick.

Christoph Freund arbeitet seit 2006 im Management von RB Salzburg, 2015 übernahm er den Sportdirektoren-Posten von Ralf Rangnick. Unter seiner Leitung avancierte Salzburg zu einem der besten Spieler- und Trainerentwicklungsklubs Europas. Wie machen die das? Im Interview mit SPOX und Goal gibt der 43-jährige Österreicher Einblicke.

Am Dienstag (21 Uhr im LIVETICKER) trifft Salzburg am 3. Spieltag der Champions League auf den FC Bayern München.

Herr Freund, Sie kamen einst kurz nach dem Einstieg von Red Bull in den Klub. Damals verpflichtete Salzburg gerne Altstars wie Niko Kovac oder Alexander Zickler, heute gilt er als einer der besten Ausbildungsklubs Europas. Wie gelang diese Transformation?

Christoph Freund: Es gibt einen entscheidenden Meilenstein und das war die Ankunft von Ralf Rangnick im Jahr 2012. Er hat den Klub von links auf rechts gedreht, einen kompletten Strategiewechsel vollzogen. Davor ging es vorrangig darum, Titel zu gewinnen. Seitdem ist es unser Ziel, die besten Talente der Welt zu finden, zu entwickeln und mit ihnen national wie international erfolgreich Fußball zu spielen. In dieser veränderten Philosophie mit den Kernpunkten Gegenpressing und schnelles Umschalten suchen wir Spieler wie auch Trainer die gut zu uns passen.

Wie viele Scouts sind bei dieser Suche beteiligt?

Freund: Wir haben sieben vollberufliche Scouts und einige nebenberufliche. Im internationalen Vergleich zu anderen Klubs ist das eine recht kleine Scoutingabteilung. Unser Erfolgsgeheimnis ist vielleicht, dass wir genau wissen, wonach wir suchen. Wir suchen Spieler zwischen 16 und 19 Jahren, die perfekt zu unserer Spielphilosophie passen. Insofern ist die Anzahl an potenziellen Neuzugängen bei uns eher eingeschränkt.

Wie sieht der Alltag der Scouts aus?

Freund: Sie arbeiten in Salzburg, sind aber jeweils für bestimmte Regionen zuständig. Wir arbeiten viel mit Video- und Datenscouting. Unsere Jungs reisen aber auch immer wieder zu Spielen, um Spieler zu beobachten und sie persönlich kennenzulernen. Ansonsten stehen sie im Austausch mit den wichtigsten Personen in den entsprechenden Regionen. Wir haben uns in den vergangenen Jahren weltweit ein gutes Netzwerk und viele wichtige internationale Kontakte aufgebaut, unter anderem auch in Afrika. Dort gibt es Akademien, mit denen wir in engen Austausch stehen und vertrauensvoll zusammenarbeiten.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit diesen Akademien ab?

Freund: Wir werden von ihnen auf dem Laufenden gehalten, wie sich uns bekannte Spieler entwickeln und ob neue interessante Spieler dazukommen. Wir bekommen regelmäßig Bildmaterial von ihnen und auch umfassende allgemeine Informationen.

Was hat die jeweilige Akademie davon?

Freund: Sobald ein Spieler zu uns wechselt, fließt natürliche auch eine Ablösesumme. So eine Zusammenarbeit funktioniert langfristig nur, wenn beide Seiten profitieren. Ein entscheidender Faktor ist sicher, dass wir uns als Klub für den ersten Schritt für junge Spieler aus der ganzen Welt in Europa einen sehr guten Namen gemacht haben.

Im Januar 2018 holte Salzburg den damals 18-jährigen Erling Haaland für kolportierte acht Millionen Euro vom FK Molde. Können Sie anhand dieses Beispiels den Ablauf zwischen der Entdeckung und der Verpflichtung eines Talents schildern?

Freund: Zunächst: Die Ablöse für Haaland war damals bedeutend geringer. Bei Erling war es ein sehr langer Prozess. Erstmals aufgefallen ist er uns 2016 bei einem Spiel der norwegischen U16-Nationalmannschaft. Weil es schwierig war, Aufnahmen von seinen Spielen zu bekommen, haben wir das extra filmen lassen. Er hat uns von Anfang an überzeugt, also nahm der verantwortliche Scout Kontakt mit ihm und seinem Vater auf. Es ist ein großer Vorteil, wenn man mit einem Talent und seinen Bezugspersonen vor allen anderen potenziell interessierten Klubs persönlich in Kontakt steht.

Was wird dem Spieler bei diesen ersten Gesprächen mitgeteilt?

Freund: Zwei wichtige Aspekte: Einerseits, dass er bei uns sehr früh die Chance auf internationale Spiele bekommen wird. Und andererseits, dass er sich aufgrund des ruhigen Umfelds in Salzburg trotzdem ohne großen Druck richtig gut entwickeln kann.

Wann haben Sie sich als Sportdirektor erstmals mit Haaland persönlich ausgetauscht und wie haben Sie ihn damals erlebt?

Freund: Das war 2018. Er wirkte auf mich sehr fokussiert, intelligent und selbstbewusst. Er wusste genau, was er will.

Wie oft wird ein Spieler im Schnitt beobachtet, bis er für eine Verpflichtung in Frage kommt?

Freund: Normalerweise zwischen 20 und 40 Mal. Manchmal müssen wir aber auch schneller reagieren und versuchen, Top Talente kurzfristiger von uns zu überzeugen.

Worauf kommt es beim Scoutingprozess abgesehen vom Beobachten der Spiele und den persönlichen Gesprächen noch an?

Freund: Wir versuchen so viel wie möglich über den Charakter des jeweiligen Spielers herauszufinden. Dadurch können wir - sofern er irgendwann tatsächlich verpflichtet wird - besser auf bestimmte Situationen reagieren. Wenn man genau weiß, wie ein Mensch tickt, kann man bei Problemen besser und individueller auf ihn eingehen.

Welche Maßnahmen trifft der Klub nach der Verpflichtung eines Talents?

Freund: Als erstes organisieren wir mit dem Spieler eine passende Wohnung, stellen ihm bei Notwendigkeit einen Deutschlehrer zur Seite und schauen, dass er sich in Salzburg gut einleben kann. Dafür haben wir ein eigenes Integrationsteam bestehend aus drei, vier Mitarbeitern. Sie begleiten unsere Talente nicht nur im Fußball, sondern auch im Privatleben permanent: zeigen ihnen die Stadt, unternehmen Sachen mit ihnen. Wir verpflichten nur so viele ausländische Talente, dass wir uns um alle ganz intensiv und familiär kümmern können.

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