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Fussball

Marc-Andre ter Stegen vom FC Barcelona im Interview: "Das war teilweise Handball-Feeling"

Von Alexander Schlüter/Jan Platte
Marc-Andre ter Stegen spielt seit 2014 beim FC Barcelona.

Am Samstag steht das Achtelfinal-Rückspiel (Hinspiel: 1:1) der Champions League zwischen dem FC Barcelona und dem SSC Neapel auf dem Programm (21 Uhr live auf DAZN und im LIVETICKER). Im Interview mit DAZN und SPOX spricht Barca-Torhüter Marc-Andre ter Stegen über den letzten möglichen Stolperstein vor dem Final-Turnier in Lissabon.

Der 28-Jährige äußerte sich außerdem zur aktuellen Corona-Lage in Barcelona, seiner möglichen Vertragsverlängerung und Trainer Quique Setien.

Herr Ter Stegen, wie ist die Lage aktuell in Barcelona?

Marc-André ter Stegen: Wir wohnen ein bisschen außerhalb von Barcelona, weshalb wir nicht wirklich mitbekommen, was im Stadtzentrum passiert. Dennoch nehmen wir wahr, dass die Leute unruhig werden und Angst vor der Situation haben. Vor allem in der vergangenen Woche gab es hier viele neue Fälle. Da hängen viele Existenzen dran, das ist ja ganz klar.

Hat die Situation weiterhin einen Einfluss auf den Trainingsbetrieb?

Ter Stegen: Nein, es gab und gibt keine großen Beeinträchtigungen. Wir haben am Tag vor dem Trainingsauftakt den PCR-Test gemacht und konnten danach ganz normal trainieren. Dennoch werden wir regelmäßig getestet, weil wir darauf achten müssen, dass alles hundertprozentig sicher ist.

Napoli-Präsident Aurelio De Laurentiis wollte aufgrund der aktuellen Corona-Situation in Katalonien auf neutralem Boden spielen, die Partie findet aber in Barcelona statt. Wie wichtig ist es für Sie, zuhause im Camp Nou zu spielen - auch ohne Fans?

Ter Stegen: Sehr wichtig. Ich glaube, auch wenn keine Zuschauer im Stadion sein werden und man das Camp Nou deshalb fast schon als neutralen Spielort sehen kann, fühlen wir uns dort wie zuhause und natürlich viel wohler. Es gibt aus meiner Sicht auch keinen Grund, weshalb wir nicht in Barcelona spielen sollten. Dennoch kann ich die Sichtweise der Neapolitaner verstehen. Sie wollen alles dafür tun, um gegen uns zu gewinnen.

Ter Stegen: "Wir sind nicht wie Atletico oder Juventus"

Das Hinspiel am 25. Februar endete 1:1. Mit Blick auf die Partie am 8. August wird Barca nicht gerade als klarer Favorit gehandelt.

Ter Stegen: Komfortabel ist das Ergebnis natürlich nicht. Wir gehen mit einem minimalen Vorsprung in dieses Spiel, werden uns darauf aber nicht verlassen. Wir wollen unser Spiel durchziehen und gewinnen. Gleichzeitig wissen wir, dass es sehr schwer wird. Wir werden die Zeit bis zum Spiel nutzen, um das Beste aus uns herauszuholen, um erfolgreich zu sein.

Ein 0:0 würde zum Weiterkommen reichen. Würden Sie auf so ein Ergebnis spielen?

Ter Stegen: Manchmal ist es gut, wenn man das kann und versucht, hinten alles dicht zu halten. Wir sind aber eine Mannschaft, die die Initiative sucht und Ballbesitz und eine spielerische Leichtigkeit braucht. Wir sind nicht wie Atletico Madrid oder Juventus Turin, die sich auch mal nach hinten fallen lassen und abwarten. Dennoch gibt es Momente, in denen man verteidigen und zu 100 Prozent aufmerksam sein muss. Es geht ja gegen Napoli nicht um drei Punkte, sondern um den Sieg und das Weiterkommen.

Die spielerische Leichtigkeit war zuletzt nicht immer vorhanden. Woran lag das?

Ter Stegen: Physisch, taktisch und fußballerisch sind die Mannschaften in den vergangenen Jahren immer stärker geworden. Unsere offensive Spielidee umzusetzen, ist nicht immer leicht. Es gab einige Gegner, die sich mit elf Mann hinten reingestellt haben und uns mit Nadelstichen wehtun wollten. Das war dann teilweise ein bisschen Handball-Feeling, nur dass es nicht hin und her ging, sondern nur in eine Richtung. Da gilt es ein Rezept zu finden. Wir wissen aber, woran wir arbeiten müssen, um das in den Griff zu bekommen.

Von dem Trainer-Wechsel von Ernesto Valverde auf Quique Setien hat man sich bei Barca viel versprochen. Warum gab es in dieser Saison nun trotzdem so viele Probleme?

Ter Stegen: Für einen Trainer ist es nie leicht, wenn er inmitten einer Saison kommt und dann auf einmal alles anders machen soll. Man kann sicherlich eine Richtung vorgeben, aber zunächst braucht man dieses Feingefühl zwischen Spielern und Trainer - und dafür braucht es Zeit. Die Gegner bereiten sich ja auch auf uns vor und kennen unseren Trainer.

Champions League: Die Spiele des FC Barcelona in dieser Saison

RundeGegnerErgebnis
VorrundeBorussia Dortmund (A)0:0
VorrundeInter Mailand (H)2:1
VorrundeSlavia Prag (A)2:1
VorrundeSlavia Prag (H)0:0
VorrundeBorussia Dortmund (H)3:1
VorrundeInter Mailand (A)2:1
AchtelfinaleSSC Neapel (A)1:1

Ter Stegen: "Werde nicht bezahlt, um viel zu reden"

Barca-Präsident Bartomeu sagte zuletzt, dass die Vertragsverlängerung mit Ihnen oberste Priorität genieße. Ihr Kontrakt läuft noch bis 2022. Wie sieht es aus?

Ter Stegen: Darüber mache ich mir aktuell wenig Gedanken. Ich werde vom Klub nicht bezahlt, um viel zu reden, sondern um Leistung zu zeigen. Mein Vertrag läuft ja noch zwei Jahre. Mein Ziel ist es, gegen Napoli auf dem Platz zu stehen. Danach wird man sehen, wie es weitergeht.

In den Medien heißt es, bei Barca würde derzeit eine Ära zu Ende gehen. Wie bewerten Sie das?

Ter Stegen: Ob da eine Ära zu Ende geht, weiß ich nicht. Ich bin glücklich mit den Leuten, die ich um mich herum habe. Welche Entscheidungen der Verein trifft, um das Team zu verbessern und zu verjüngen - das sind Themen, mit denen ich mich nicht beschäftigen muss. Ich habe absolutes Vertrauen in die Führungsetage und ihre Entscheidungen. Und ich werde mich hüten, mich in solche Angelegenheiten einzumischen.

In den vergangenen Jahren war Barca immer einer der Top-Favoriten auf den Champions-League-Titel. Ist es ein Vorteil, dass man nun aus einer anderen Rolle kommt?

Ter Stegen: Grundsätzlich sind alle noch verbliebenen Mannschaften ambitioniert und wollen diesen Titel gewinnen. Für uns geht es erst einmal darum, gegen Napoli zu bestehen. Danach ist für alle Teams alles möglich. Da es kein Hin- und Rückspiel gibt, hat man auch nur ein Spiel auf neutralem Platz, in dem alles passieren kann. Interessanter kann ein Turniermodus also fast nicht sein.

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