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Fussball

Klopps Co-Trainer Peter Krawietz im Interview: "Wir sind teils massiv benachteiligt worden"

Peter Krawietz ist langjähriger Co-Trainer von Jürgen Klopp.
© imago

SPOX: Welche Schritte wird man in der kommenden Saison angehen?

Krawietz: Der Ansatz wird sich nicht großartig unterscheiden. Wir haben jetzt zum Ende der Saison festgestellt, wie schnell es passieren kann, dass ein breiter Kader plötzlich doch zu dünn wird. Entsprechend werden wir personell reagieren.

SPOX: Und rein fußballerisch gesehen?

Krawietz: Wir wollen unsere Art des Fußballs weiter verfeinern und nach Bedarf vielleicht auch etwas abändern, um variabler zu werden. Wir haben über weite Teile der Saison mit einem System gespielt. Es kann daher sein, dass wir sagen, es muss künftig auch möglich sein, beispielsweise einmal mit einer Dreierkette aufzulaufen. Das sind letztlich Detailfragen. Wir wollen in unserem taktischen Portfolio auf die verschiedenen Spielstile eingestellt sein und darauf eine fußballerische Antwort parat haben. Die anderen Teams entwickeln sich ja auch permanent weiter und gehen die nächsten Schritte.

SPOX: An der Offensivabteilung wird man wohl nur wenig auszusetzen haben. Mohamed Salah, Roberto Firmino und Sadio Mane haben wunderbar funktioniert und harmonieren hervorragend. Inwiefern war durch diese Tatsache der Abgang von Philippe Coutinho zu verschmerzen?

Krawietz: Sein Wechsel war sehr schmerzhaft, denn uns gingen seine Qualität und der spezielle Spielstil verloren. Wir mussten uns daher fragen: Kann die Gruppe das auffangen? Können wir es sportlich verantworten, diesem dringenden Wechselwunsch stattzugeben? Das haben wir am Ende bejaht, auch wenn es mit Bauchschmerzen und Veränderungen verbunden war. Phil war eine prägende Figur bei uns. Es war schade, dass er gegangen ist. Wir haben es aber glücklicherweise geschafft, seinen Verlust gemeinschaftlich aufzufangen.

SPOX: Ab einem bestimmten Zeitpunkt wollte Coutinho nur noch weg und unbedingt zum FC Barcelona gehen. Wie machtlos hat man sich im Trainerteam rund um seinen Wechsel gefühlt?

Krawietz: Man merkt natürlich, ob ein Spieler glücklich oder unglücklich ist. Wenn ein Verein an einen Spieler herantritt und ihm Dinge nahelegt, wie er eine Situation erzwingen könnte, die die Lage für seinen aktuellen Arbeitgeber verkompliziert, dann ist das nicht schön und belastend für alle. Das war natürlich auch in der Gruppe ein Thema, wenngleich sich Phil bis zum letzten Tag in Liverpool sportlich bestmöglich ins Team eingebracht hat.

SPOX: Dachte man daran, direkt Ersatz zu beschaffen?

Krawietz: Wir haben uns schon umgeschaut, doch wenn man das tut, merkt man relativ schnell, wie sehr die Preise seit dem Neymar-Wechsel im letzten Sommer explodiert sind. Jeder Verein wusste ja, dass in Barcelona nun 222 Millionen Euro auf dem Konto herumliegen. Das führte zu ein paar unglaublichen Geschichten und einer Spirale, die man beispielsweise nicht nur bei uns, sondern auch in Dortmund zu spüren bekam.

SPOX: Auch ohne unmittelbaren Coutinho-Ersatzmann schafften es die Reds ins Endspiel der Champions League. Es ist für das Trainerteam bei weitem nicht das erste Finale, gewonnen wurde aber schon länger keines mehr. Inwiefern tangiert Sie dieser oft zitierte Endspielfluch?

Krawietz: Gar nicht. Wir haben kein Finaltrauma, denn man kann und muss das letztlich erklärbar ausdifferenzieren. Wir erlitten in keinem der verlorenen Finalspiele einen Totalausfall. Außerdem haben wir nicht alle Endspiele ausschließlich verloren, sondern auch eines gewonnen. Nimmt man den deutschen Supercup hinzu, der zu einem anderen Zeitpunkt gewissermaßen einem Finale ähnelt, dann kommen wir auf zwei weitere Siege. Letztlich erzählt jedes Finale immer seine eigene Geschichte. Die einzige Gemeinsamkeit, die ich erkennen kann, ist, dass wir kaum einmal als Favorit in ein Endspiel gingen, sondern uns durch überdurchschnittliche Leistungen immer dorthin vorgekämpft haben.

SPOX: Wie sieht es denn mit den Kraftreserven aus, hat das Team noch ausreichend Luft für das Duell mit Real Madrid?

Krawietz: Ein wichtiger Faktor ist, dass wir nun 14 Tage Zeit hatten, um die Mannschaft darauf vorzubereiten. Sie konnten die Akkus für dieses eine Spiel wieder aufladen. Und dann bleibt auch ein Finale letztlich ein Fußballspiel, bei dem die Gefahr besteht, dass man es verlieren kann. Wir im Trainerteam ziehen unser Selbstvertrauen aus der Tatsache, schon so oft ein Endspiel erreicht zu haben - und werden versuchen, dies an unsere Spieler weiterzugeben.

SPOX: Real Madrid hat die Chance, zum dritten Mal in Folge die Königsklasse zu gewinnen. Wie bewerten Sie diese Entwicklung?

Krawietz: Sie sind in den letzten Jahren in der Champions League zu einem Ergebnismonster mutiert und besitzen eine wahnsinnige Erfahrung. Geht man einmal die Finalkader der beiden letzten Endspiele durch, dann haben sie 2017 im Vergleich zum Vorjahr nur eine Position ausgetauscht und wären rein theoretisch in der Lage, in diesem Jahr wieder dieselbe Mannschaft wie beim letzten Endspiel aufzustellen. Mittlerweile haben sie die nächste Generation mit Spielern wie Asensio oder Vasquez in der Hinterhand, die allesamt unfassbar gut und jetzt schon sehr routiniert sind. Real ist einfach extrem eingespielt, sie kennen sich untereinander blind, haben unglaubliche fußballerische Qualitäten und eben Erfahrung im Überfluss. Wir wollen und müssen daher das Spiel unseres Lebens spielen, um dieser Herausforderung gerecht zu werden.

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