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Borussia Dortmund - 1. FSV Mainz 05: 0:2 Mainz sorgt für Befreiungsschlag im Abstiegskampf gegen ideenlosen BVB

Von Philipp Schmidt

Am 32. Spieltag der Bundesliga hat Borussia Dortmund eine überraschende 0:2-Niederlage gegen den FSV Mainz 05 kassiert. Tore von Jonathan Burkhardt und Jean-Philippe Mateta sorgten für den Mainzer Befreiungsschlag im Abstiegskampf, während der BVB eine ideenlose Vorstellung zeigte und sich kaum klare Torchancen erspielte.

Durch den Patzer von RB Leipzig im Parallelspiel beträgt der Vorsprung der Schwarzgelben auf die drittplatzierten Roten Bullen immerhin noch drei Punkte. Insbesondere nach dem Rückstand ließen die Schwarzgelben jegliche Durchschlagskraft vermissen und kassierten die erst dritte Heimniederlage im 33. Heimspiel unter Lucien Favre letzten Endes durchaus verdient.

"Viel. Alles", antwortete Dortmund Hazard nach dem Spiel auf die Frage, was im Spiel der Dortmunder gefehlt habe. "Die Geschlossenheit war der Schlüssel. Wir haben gesagt, wie müssen effektiv sein. Und wenn man dann die erste Chance nutzt, dann steigt der Glaube", sagte hingegen FSV-Sportvorstand Rouven Schröder bei Sky.

Der FSV sammelte einen ganz wichtigen Dreier im Rennen um den Klassenerhalt. Auf Werder Bremen auf Rang 17 sind es sechs Zähler, auf Fortuna Düsseldorf auf dem Relegationsplatz fünf. Mainz feiert erstmals seit dem 2:1 bei den Bayern am 24. Spieltag der Saison 2015/16 einen Sieg gegen ein Top-2-Team und kann den Verbleib in der Bundesliga durch einen Punktgewinn gegen Bremen am kommenden Samstag sicherstellen.

"Keiner hat uns das so zugetraut, viele haben uns schon abgeschrieben, aber man sieht ganz einfach, dass wir leben. Alle waren heute da, alle waren fokussiert. Wir haben heute ein super Spiel abgeliefert", lobte Gäste-Kapitän Danny Latza die Leistung seiner Mannschaft.

Borussia Dortmund - FSV Mainz 05: Die Reaktionen der Trainer

Lucien Favre (Trainer Borussia Dortmund): "Wir haben den Gegner ein wenig unterschätzt. Wir haben nicht gut zusammen verteidigt. Wir haben das nicht gut gemacht."

Sebastian Kehl (Leiter der BVB-Lizenzspielerabteilung): "Das war zu wenig. Wir müssen uns diese Kritik heute gefallen lassen. Jeder muss sich heute hinterfragen."

Achim Beierlorzer (Trainer FSV Mainz 05): "Der Dreier war elementar wichtig. Die Mannschaft hat den Glauben auf den Platz gebracht. Wir wurden im Verlauf des Spiels immer stabiler und konnten immer mehr Nadelstiche setzen. Wir haben verdient gewonnen."

Borussia Dortmund - FSV Mainz 05: Die Analyse

Im Vergleich zum Last-Minute-Sieg in Düsseldorf ersetzte Lucien Favre Manuel Akanji (muskuläre Probleme) durch den wieder vollständig genesenen Erling Haaland. Emre Can rückte für Akanji in die Dreier-/Fünferkette. Sturmhoffnung Giovanni Reyna fehlte kurzfristig aufgrund eines bakteriellen Infekts. Auf der Gegenseite tauschte Achim Beierlorzer ganze sechsmal. Unter anderem durfte Youngster Jonathan Burkhardt erstmals seit dem 3. Spieltag wieder im Mainzer Angriff ran.

Der BVB nahm von Beginn an das Heft in die Hand und kam vermehrt über die starke rechte Seite mit Hakimi, während die Außenstürmer Hazard und Sancho rotierten. Der FSV - zumeist mit dem kaum unterstützten Mateta in vorderster Front - ließ in seinen wenigen Umschaltmomenten die nötige Präzision vermissen, der Borussia fehlte es aber an klaren Abschlüssen.

Bis zu einem ersten halbwegs gefährlichen Versuch dauerte es 15 Minuten, als Witsels Schuss aus zwölf Metern von St. Juste geblockt wurde. Auf der Gegenseite verstolperte Kunde den Ball in aussichtsreicher Position (20.) und auch Burkhardt übersah bei einem Konter in Überzahl den besser postierten Mitspieler.

Trotz klarer BVB-Überlegenheit in puncto Ballbesitz und gewonnenen Zweikämpfen waren es die Mainzer, die nach Matetas Spieleröffnung und Bakus Maßflanke durch Burkhardt in Führung gingen. Im Gegenzug verpasste Can nach einer Sancho-Ecke leichtfertig den Ausgleich. Die Dortmunder Dominanz ließ in der Folge spürbar nach und die Gäste stabilisierten sich zunehmend. "Unser Pressing ist Alibi, Männer", schnauzte Hummels in dieser Phase seine Mitspieler an.

Die Mainzer kamen hellwach aus der Kabine: Nachdem Bürki zwei Abschlüsse der 05er nur nach vorne abklatschen konnte, brachte Piszczek Latza im Strafraum ungeschickt zu Fall. Mateta ließ sich die Chance vom Punkt nicht entgehen. Der Dortmunder Frust entlud sich in einem harten Foul von Can. Nach der Einwechslung von Schmelzer für Piszczek stellte Favre in der Folge auf ein 4-3-3-System um.

Nach einer Stunde sorgte Brandt mit einem Rechtsschuss endlich mal wieder für Torgefahr, zuvor mussten die BVB-Fans ganze 25 Minuten einen Abschluss warten. Ideenlosigkeit und Ballstafetten in torfernen Räumen prägten das Spiel der Schwarzgelben.

In der Folge waren die Gäste näher am 3:0 als die Hausherren am Anschlusstreffer. Nach Hereingabe von Baku schoss der sträflich alleingelassene Boetius rechts am Kasten vorbei, auch der eingewechselte Szalai war einem Treffer nahe. Dortmund sorgte noch am ehesten durch einen Freistoß von Hakimi für Torgefahr. Die Schlussphase wurde dann mehr durch Diskussionen als durch spielerische Höhepunkte geprägt. Unter anderem sah Szalai nach einer Schwalbe Gelb.

BVB gegen FSV Mainz 05: Die Aufstellungen

Dortmund: Bürki - Piszczek (54. Schmelzer), Hummels, Can - Hakimi, Brandt, Witsel, Guerreiro (82. Schulz) - Hazard, Haaland, Sancho (77. Morey). - Trainer: Favre

Mainz: Florian Müller - Baku, St. Juste, Niakhate, Martin (84. Brosinski) - Latza, Malong (75. Barreiro) - Burkardt (67. Öztunali), Boetius, Onisiwo (84. Ji) - Mateta (75. Szalai). - Trainer: Beierlorzer

Die Daten des Spiels Borussia Dortmund gegen 1. FSV Mainz 05

Tore: 0:1 Burkhardt (34.), 0:2 Mateta (49./FE)

  • Achraf Hakimi ist der einzige Spieler im Kader von Dortmund und Mainz, der 2019/20 kein Bundesliga-Spiel verpasste und entsprechend seinen 32. Einsatz macht.
  • Die BVB-Bank kam gegen den FSV reichlich unerfahren daher: Mit Marco Rente, Alaa Bakir, Taylan Duman und Tobias Raschl standen vier Spieler im Kader, die noch ohne eine einzige Minute in der Bundesliga waren.
  • Bevor Burkhardt zuschlug und Bürki per Kopf überwand, blieb der BVB fast vier Stunden ohne Gegentor. Seit dem Gegentreffer in Paderborn durch Uwe Hünemeier vergingen exakt 230 Minuten
  • Nur zwei Mainzer waren bei ihrer Torpremiere im Oberhaus jünger als Burkardt heute (19 Jahre, 11 Monate und sechs Tage): Shawn Parker 2012 und Rekordhalter Andre Schürrle 2009 gegen Bochum (Schürrle damals mit 18 Jahren, zehn Monaten und 13 Tagen).
  • Unterschiedlicher könnten die Statistiken nicht sein: Während Roman Bürki keinen der 17 Bundesliga-Elfmeter gegen sich parieren konnte, hat Mainz die letzten 27 Elfmeter allesamt verwandelt - Bundesliga-Rekord ausgebaut!

  • Die Dortmunder Bundesliga-Bilanz nach einem Pausenrückstand war zuletzt stark: Von den vergangenen 13 Spielen gingen nur sechs verloren, sechs wurden sogar noch gewonnen (ein Remis).Gegen Mainz konnte der BVB diese Bilanz nicht aufbessern.

Der Star des Spiels: Ridle Baku (FSV Mainz 05)

Der Aktivposten der Gäste auf der rechten Abwehrseite. Defensiv stabil, kam auf die meisten Ballaktionen bei den 05ern, gewann starke 78,6 Prozent seiner Zweikämpfe und bereitete das 1:0 optimal vor. Auch überzeugend: Der äußerst präsente Kunde, der das Mainzer Spiel als Ballverteiler stabilisierte.

Der Flop des Spiels: Erling Haaland (Borussia Dortmund)

Ohne Bindung zum Spiel, blieb der Norweger über 90 Minuten nahezu unsichtbar. Hatte mit Abstand die wenigsten Ballkontakte in der Startelf der Borussia und schoss kein einziges Mal aufs Tor. Hatte mit 26,7 Prozent eine katastrophale Zweikämpfquote. Die wenigen Bälle, die bei ihm ankamen, verarbeitete er unsauber.

Der Schiedsrichter: Frank Willenborg

Hatte mit der in der Schlussphase durchaus hitzigen Partie keine Probleme. Löste die Rudelbildungen mit einer angemessenen Verteilung Gelber Karten, wobei Guerreiro für seinen Griff ins Gesicht von Latza glimpflich davonkam. Ansonsten unaufgeregt und stets im Dialog mit den Akteuren.

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