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So sieht das Team von Borussia Dortmund aus, das die neue Ära unter Thomas Tuchel einläuten soll
© getty

Vor dem Start der 53. Bundesliga-Saison stellt SPOX alle 18 Klubs vor - mit allen Transfers, Hintergründen und der Saison-Prognose. Diesmal: Borussia Dortmund.

Vor einem Jahr war bei Borussia Dortmund noch alles in Butter. Jürgen Klopp stand natürlich an der Seitenlinie und der BVB war potentieller Bayern-Verfolger Nummer eins.

Innerhalb von wenigen Monaten folgte allerdings ein sportlicher Absturz, der in der Bundesliga-Historie nur vom 1. FC Nürnberg überboten wird (1969 Abstieg als amtierender Meister).

In der Rückrunde bekam die Borussia zwar die Kurve, zog ins Pokalendspiel ein und qualifizierte sich noch für die Europa League, doch Klopp warf trotzdem hin. Die Verschleißerscheinungen in der Zusammenarbeit mit der Mannschaft gerieten zu groß.

Dies öffnete die Tür für den allerorts begehrten "Rückkehrer" Thomas Tuchel. Der neue Coach soll die darbenden Dortmunder auf links ziehen, taktische Flexibilität und ein dominanteres Ballbesitzspiel einhämmern.

Doch Tuchel muss auch den Spagat schaffen, einerseits nicht zu schnell zu viel zu verändern, andererseits aber nebenbei die Ergebnisse zu erzielen, die der Borussia eine Rückkehr in die Champions League garantieren.

Das ist neu:

Neben der wichtigsten Personalie auf der Trainerbank investierte der BVB etwas weniger als 20 Millionen Euro in drei Neuzugänge.

Torhüter Roman Bürki kam aus Freiburg und wird mit großer Wahrscheinlichkeit die neue Nummer eins werden. Inwiefern er sich den Kasten mit Konkurrent Roman Weidenfeller teilen wird, entscheidet Tuchel im Laufe dieser Woche. Es wird wohl auf das Szenario hinauslaufen, dass Bürki in der Bundesliga im Tor steht und Weidenfeller ausgesuchte Partien in den Pokalwettbewerben bestreitet.

Von Bayer Leverkusen angelte man sich Gonzalo Castro, der nun erstmals in seiner Karriere bei einem anderen Klub spielt. Als Castro kam, ging man noch davon aus, dass Ilkay Gündogan den Verein verlassen wird. Jetzt stehen beide im Kader, Gündogan befindet sich in der Pole Position. Castro ist aber dank seiner Vielseitigkeit auf mehreren Positionen im Mittelfeld denkbar. Der Regelfall wird jedoch sein, dass der 28-Jährige auf der Acht zum Einsatz kommt.

Überraschend aufgetrumpft hat bislang der von 1860 München gekommene Julian Weigl. Der 19-Jährige ist eindeutig der Gewinner der Vorbereitung und hat in Tuchel den wichtigsten Fan auf seiner Seite. Der Trainer will den passsicheren und spielerisch starken Weigl, der beileibe kein Defensivzerstörer ist, zu einem gestandenen Bundesligaspieler schleifen und vertraute ihm gleich auf Anhieb mehrfach die Rolle als alleiniger Sechser im 4-1-4-1 an.

Bürki, Weigl, Castro: Zwischenfazit zu Dortmunds Neuzugängen

Eine Neuerung gibt es zudem noch für die der deutschen Sprache nicht mächtigen Spieler wie Sokratis, Pierre-Emerick Aubameyang oder Henrikh Mkhitaryan: Der in den Vorjahren zum Dolmetscher umfunktionierte Jugendtrainer Massimo Mariotti hilft nun im Alltag nicht mehr beim Übersetzen, sondern wird fortan als Scout eingesetzt.

Die Taktik:

Wie es seinem Ruf entspricht, hat Tuchel in der Vorbereitung bereits ein ganzes Potpourri an Systematiken ausprobiert.

Am wohlsten fühlt sich sein Team weiterhin im seit Jahren fest verankerten 4-2-3-1, es dürfte aber genauso häufig auch ein 4-1-4-1 oder 4-3-3 werden, in dem er den BVB auflaufen lässt.

Besonders das 4-1-4-1 hat Tuchel einstudieren lassen, der Coach scheint diese Formation auch als Ausgangspunkt für weitere gegnerabhängige Veränderungen zu favorisieren.

Gerade im Mittelfeld hat Tuchel große Auswahl, so dass sich immer wieder Verschiebungen ergeben dürften - mal mit Doppelsechs, mal ohne Zehner, mal mit zwei Achtern.

Systemunabhängig ist festzustellen, dass Tuchel auf enorm hoch positionierte Außenverteidiger setzt und seinem Team das Flügelspiel einimpfen möchte.

Doch auch das Dortmund-typische Gegenpressing mit mehreren Akteuren bis tief in die Hälfte des Kontrahenten war unter Tuchel zu beobachten, gegen den Ball agierte der BVB mehrfach in einem 4-3-3.

Die ganz große taktische Revolution wird für den Anfang ausbleiben. Tuchel befindet sich aktuell noch in einer Art Testphase, in der er die individuellen Stärken seiner Spieler herauszufiltern versucht und sie demnach auf dem Feld anordnet.

In den bisherigen Partien zeigte die Mannschaft immerhin, dass sie den Weg hin zu einem dominanteren und auch geduldigeren Ballbesitzspiel ordentlich annimmt.

Der Spieler im Fokus:

Ilkay Gündogan. Der Spieler verlängerte seinen 2016 auslaufenden Vertrag nicht, der BVB wollte ihn im Sommer verkaufen, der Spieler fand keinen für ihn interessanten Verein, der Kontrakt wurde verlängert - die an Peinlichkeit schwer zu überbietende Posse warf kein gutes Licht auf beide Parteien.

Gündogan steht deshalb nicht nur bei Teilen der Fans, die ihn zum Saisonauftakt im heimischen Stadion auspfiffen, unter strenger Beobachtung. Der deutsche Nationalspieler hat ein wegweisendes Jahr vor sich: Gelingt es ihm, sich in der zweiten Saison nach seiner 14-monatigen Pause wieder in die herausragende Verfassung von 2013 zu spielen?

Gündogan muss sich in jedem Fall enorm steigern, um nächsten Sommer dorthin wechseln zu können, wo er am liebsten jetzt schon spielen würde. Nur dann wird er auch im DFB-Team bei der EM in Frankreich eine tragende Rolle spielen.

Doch vielleicht kommt alles anders und Gündogan, einer der Fixpunkte in Tuchels Planungen, bleibt langfristig in Dortmund. Es würde ihm zumindest das nächste kräftezehrende Wechseltheater ersparen, unter dem seine Leistungen schon während der vergangenen Rückrunde zusehends litten.

Das Interview:

SPOX: Mit welchen Zielen gehen Sie unter ihm in die neue Saison?

Henrikh Mkhitaryan: Ich erwarte sehr viel von mir und bin sicher, dass sowohl ich als auch die Mannschaft deutlich besser spielen werden als in der letzten Spielzeit. Durch den neuen Trainer stürzt derzeit noch viel Neues auf uns ein und wir müssen zusehen, uns so schnell wie möglich daran zu gewöhnen. Die Trainingsmethodik, die Analysen, die Ansprache - es hat sich vieles verändert und wird noch eine Zeit lang dauern, bis wir alles verinnerlicht haben. Das sagt ja auch der Trainer selbst. Zum aktuellen Zeitpunkt würde ich sagen, dass alles schon sehr ordentlich aussieht und wir auf einem guten Weg sind.

Henrikh Mkhitaryan exklusiv: "Ich bin kein Mario-Götze-Ersatz"

Die Prognose:

Tuchel hat das Projekt BVB an sich gerissen und prognostiziert, dass die Kennenlernphase von Mannschaft und Trainer bis weit in die Hinrunde hineinreichen wird. Auf diesem Weg müssen Rückschläge einkalkuliert werden, zumal bis zum Jahresende im Idealfall knapp 30 Pflichtspiele auf die Schwarzgelben warten. Viel Zeit für große Umfänge im Training bleibt da nicht.

Der neue Coach sieht seinen Verein als Herausforderer für die Top-4 der Vorsaison. Diese Phalanx sollte Dortmund auch zwingend durchbrechen. Der Klub hat sich an die Champions League gewöhnt und braucht sie dringend, damit das gigantische Wachstum der vergangenen Jahre keine weitere Delle mehr erhält.

Tuchel wird Dortmund langfristig ein neues Gesicht geben und den Klub zurück in die Erfolgspur bringen. In seinem ersten Jahr könnte hin und wieder aber auch noch die hässliche Fratze der Vorsaison auftauchen. Der BVB wird die Spielzeit über um die CL-Ränge kämpfen - und sie am Ende knapp erreichen.

Borussia Dortmund: News und Informationen

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