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Fussball

Novakovic schießt den HSV ab

Von Stefan Rommel
In eine gemeinsame Zukunft: Kölns Trainer Frank Schaefer (l.) und sein Star Lukas Podolski
© Getty

Der 1. FC Köln hat beim Bundesliga-Debüt von Trainer Frank Schaefer den ersten Sieg nach sieben Spielen eingefahren. Gegen den Hamburger SV siegten die Kölner dank eines Dreierpacks von Milivoje Novakovic (11., 29., 84.) mit 3:2 (2:2). Nach dem Spiel gab Manager Michael Meier seinem derzeitigen Trainer eine Art Jobgarantie.

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Der FC beim Bundesliga-Debüt von Trainer Frank Schaefer im 4-2-3-1, mit Podolski zentral hinter der einzigen Spitze Novakovic. Ehret links im offensiven Mittelfeld, hinter ihm Salger in der Viererkette.

Der HSV mit unheimlichen Verletzungssorgen: Eine komplette Mannschaft fällt aus, darunter Stützen wie Rost, Jansen, Jarolim, Ze Roberto oder van Nistelrooy. Deshalb rückt Rincon nach hinten rechts, Tesche verteidigt links. Im defensiven Mittelfeld spielt Kacar neben Trochowski. Und Talent Son feiert sein Bundesliga-Debüt im linken offensiven Mittelfeld.

11., 1:0, Novakovic: Freistoß Podolski von rechts. Fast alle verpassen, Westermann verlängert unfreiwillig. Novakovic ist da und drückt den Ball aus zwei Metern über die Linie.

14.: Köln steht viel zu hoch. Pitroipa schickt Guerrero. Der ist frei durch, scheitert aber aus 16 Metern an Varvodic.

15., 1:1, Petric: Die Ecke köpft Mathijsen aufs Tor. Brecko rettet noch auf der Linie, aber Petric ist da und staubt per Kopf aus einem Meter ab.

24., 1:2, Son: Kacar schickt Son auf die Reise. Salger steht völlig falsch zum Ball, will dann zur Krönung auch noch auf Abseits spielen. Son ist durch, Varvodic kommt raus. Der Südkoreaner lupft den Ball schön drüber und schiebt den Ball aus 14 Metern mit links ins leere Tor.

29., 2:2, Novakovic: Früher Ballgewinn Podolski. Doppelpass mit Clemens. Podolski ist frei vor Drobny, legt schön quer auf Novakovic und der murmelt das Ding aus sechs Metern irgendwie rein.

53.: Trochowski schön auf Guerrero. Der geht noch zwei Schritte und zieht aus halblinker Position im Strafraum ab. Varvodic mit den Fingernägeln noch dran, der Ball klatscht an die Latte und von da Zentimeter vor die Linie.

69.: Podolski tritt aus 40 Metern einen Freistoß hoch und weit in den Strafraum. Westermann steigt hoch und verlängert den Ball scharf in Richtung Tor. Millimeter neben Drobnys rechtem Pfosten geht der Ball am Tor vorbei.

84., 3:2, Novakovic: Toller Angriff FC. Clemens sieht Brecko, der in den Sechzehner startet. Son schläft dabei. Rückpass an den Fünfer, wo Westermann Novakovic aus den Augen verliert und der Slowene aus sechs Metern einschiebt.

Fazit: Ein etwas glücklicher, aber nicht unverdienter Sieg für leidenschaftliche Kölner, die die vielen Defensivschwächen des HSV clever nutzten.

Der Star des Spiels: Milivoje Novakovic war unter Soldo quasi weg vom Fenster, passte in der offiziellen Version nicht ins Spielsystem. Mit der Umstellung auf das 4-2-3-1 ist auch der Slowene wieder mit von der Partie - und knipst. Nach dem Tor im Pokal gegen die Löwen jetzt der Dreierpack gegen den HSV.

Die Gurke des Spiels: Heiko Westermann erlebte einen schwarzen Nachmittag, schlief bei zwei Novakovic-Toren und brachte kaum ein Zuspiel sauber an den eigenen Mann. Dazu ließ er sich immer wieder aus der Viererkette ziehen und machte so die Lücken für Kölns Angreifer frei. Von einem erfahrenen Spieler wie Westermann muss gerade in einer schwierigen Phase mit vielen Verletzten deutlich mehr kommen. Schon beim Pokal-Aus in Frankfurt enttäuschte Westermann - eine üble Woche für den Nationalspieler.

Die Pfeife des Spiels: Babak Rafati pfiff wie eigentlich immer sehr kleinlich, aber ohne großen Fehler. Lanig hätte nach dem harten Einsteigen gegen Pitroipa zwingend verwarnt werden müssen. Richtig war, nach Pitroipas Faller gegen Chihi nicht auf Elfmeter zu entscheiden.

Analyse: Ein zeitweise sehr unterhaltsames Spiel, das neben guten Sturmreihen aber auch viele Mängel in der Defensivarbeit beider Mannschaften offenbarte.

Köln spielte so unbeschwert nach vorne wie schon seit gefühlt einigen Jahren nicht mehr. Selbst die Außenverteidiger - vor allem Brecko - schalteten sich immer wieder mit nach vorne ein.

Phasenweise war sogar ein echtes Kombinationsspiel zu sehen, wie beim 2:2. Der FC attackierte sehr früh und stand mit seiner Viererkette sehr hoch, was einige Male zu frühen Ballgewinnen und schnellem Umkehrspiel führte.

Das Problem: Wenn der HSV schnell durchs Mittelfeld kombinierte, wurde es jedes Mal brandgefährlich, weil Köln es offenbar überhaupt noch nicht gewohnt ist, so offensiv zu verteidigen - schließlich war Köln in den letzten Jahren eher Inbegriff für soliden Defensiv-Fußball.

Der HSV musste eine komplette Mannschaft ersetzen, gleich elf Spieler fehlten Trainer Veh. Trotzdem zeigte das Team eine gute Vorstellung. Allerdings zeigte die Aushilfs-Doppel-Sechs mit Trochowski und Kacar einige Abstimmungsschwierigkeiten.

Dazu kamen riesige Probleme bei Defensiv-Standards, die vor allem in der ersten Halbzeit jeden Kölner Ball in den Sechzehner gefährlich machte. Die Innenverteidigung mit Westermann und Mathijsen war zudem ungewohnt schwach.

Ein Lichtblick war der junge Son, der mit einem fußballerisch einwandfreien Tor bei seinem Debüt sein großes Talent zeigte.

Köln - Hamburg: Daten zum Spiel

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