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Fussball

BVB - Scout Laurent Busser vor Wechsel zu Borussia Dortmund: Ein empfindlicher Verlust für den FC Bayern

Der FC Bayern verliert mit Laurent Busser einen wichtigen Experten an Borussia Dortmund. Wie schwer der Verlust des Entdeckers von Kingsley Coman die Münchener treffen wird und was ihn zu einem der besten seiner Zunft machte, erklärt Busser-Kenner Jonas Boldt bei SPOX und GOAL.

Am 7. Februar gab Borussia Dortmund bekannt, dass Niklas Süle zur neuen Saison ablösefrei vom FC Bayern zum BVB wechselt. Abgesehen vom sportlichen Verlust, den der FC Bayern durch den Weggang des dritten Innenverteidigers innerhalb kürzester Zeit verkraften musste, war es vor allem wirtschaftlich und psychologisch ungünstig für die Münchener, dass Süle geht.

Der FC Bayern verlor einen Eckpfeiler der Mannschaft mit einem Mehrwert (Danke, Jürgen Klinsmann) an den direkten Konkurrenten. Wie schwer der Wechsel am Ende wiegt, wird sich zeigen, wenn Süle bei den einen auf dem Platz stehen wird und bei den anderen nicht mehr.

Allerdings wird es für die Münchener nicht der einzige empfindliche Weggang Richtung Dortmund sein. Vielleicht wird dieser sogar noch schwerer wiegen. Laurent Busser (52) wechselt aller Voraussicht nach vom FC Bayern München zu Borussia Dortmund. In München war der Franzose Teamleiter Scouting Lizenzspieler. Früher hätte man Chefscout gesagt.

In Dortmund könnte er die gleiche Rolle übernehmen, denn der bisherige BVB-Chefscout Markus Pilawa ist in der Szene heiß umworben. Beim VfL Bochum wird er als Nachfolger von Sportvorstand Sebastian Schindzielorz gehandelt, der den Klub zum Jahresende verlassen wird. Eventuell könnte Kaderplaner Pilawa Busser noch einarbeiten, aber auch eine Zusammenarbeit ist möglich, sollte Pilawa den Flirtversuchen aus der Liga widerstehen.

"Selten jemanden erlebt, der so gut vernetzt ist"

Mit Busser bekommt Dortmund einen äußerst fähigen Fußball-Fachmann, der sich bei 1899 Hoffenheim, Bayer Leverkusen und zuletzt beim FC Bayern zwar nicht öffentlich, aber in der Szene einen Namen gemacht hat. Was Tore und Vorlagen für die Spieler sind, sind die entdeckten Spieler für die Scouts und da kann Busser mit einigen Top-Namen dienen. Der promineste ist sicherlich Kingsley Coman. Dazu aber später mehr.

Jonas Boldt kennt Busser noch aus gemeinsamen Leverkusener Zeiten und der Sportvorstand des Hamburger SV lobt ihn im Gespräch mit SPOX und GOAL in den höchsten Tönen: "Er hat eine große Leidenschaft für das, was er tut. Das ist die Grundvoraussetzung, dass man das nicht als Job sieht, sondern als Leidenschaft. Er hat über die Jahre sehr viel an Erfahrung, Netzwerk und Expertise aufgebaut. Ich habe selten jemanden erlebt, der so gut vernetzt ist. Er weiß, welche Informationen er woher bekommt."

Busser, der vor allem in seine Heimat Frankreich ausgezeichnete Drähte hat, ist laut Kennern eine Datenbank in Fleisch und Blut. Er weiß nicht nur über die Spieler in den gängigen Ligen Bescheid, sondern auch in etwas exotischeren Gebieten der Welt. Dass Leon Bailey ein vielversprechendes Talent ist, erfuhr Busser einst nicht erst in Genk, sondern schon vorher, als Bailey in der U19 vom AS Trencin in der Slowakei war.

"Beim Bailey-Transfer hatte er seinen Anteil", erinnert sich Boldt an damals. Es bedarf durchaus einer Überzeugungsarbeit, die Leverkusener Chefs dazu zu bringen, 14 Millionen Euro für einen jamaikanischen Flügelspieler aus der belgischen Liga zu investieren. Aber genau das ist auch die Stärke des Laurent Busser.

Laurent Busser ist kein Namedropper

"Es gibt Scouts, die sagen: 'Den habe ich damals auch schon empfohlen.' Als sportlicher Verantwortlicher sagst du dann: 'Ja, aber das ist bei mir nie angekommen.' Als Scout muss man wissen, wie man die Verantwortlichen triggert", sagt Boldt, "wenn du ihm zehn Namen hinschmeißt, dann sind das zehn Namen."

Busser ist kein Namedropper, sondern einer, der weiß, warum ein spezieller Spieler verpflichtet werden muss. Boldt sagt: "Es ist wichtig, dass ein Scout für seine Überzeugung kämpft. Das Gefühl hatte ich bei Laurent immer. Die Entscheidungsvorlage für den Verantwortungsträger halte ich für sehr wichtig."

Die Überzeugung ruhte nicht nur auf der Beobachtung, wie gut ein Spieler auf seiner Position seine Stärken ausspielen kann, sondern auch, wie er als Mensch funktioniert. Passt er zur Gruppe? Passt er zum Verein? Busser nutzt seine Kontakte zu den jeweiligen Umfeldern der Spieler und liefert dann ein Gesamtbild, das den Sportchefs die Entscheidung vereinfacht.

Passt mal ein Spieler am Ende nicht, hat er keine Hemmungen, das auch mitzuteilen: "Es war super mit ihm, über die Spieler zu sprechen und zu wissen, dass er auch mal nein sagen kann. Es ist eine große Kunst in diesem Geschäft, auch mal nein zu sagen", sagt Boldt.

So oft passierte das nicht, gerade nicht beim FC Bayern, der Busser mit zu verdanken hat, dass Kingsley Coman in München spielt. Er empfahl ihn schon in Leverkusen, "platzierte ihn dann über Michael Reschke beim FC Bayern", sagt Boldt.

Warum Laurent Busser nicht beim FC Bayern bleibt

Den Rekordmeister trifft der Abgang Bussers zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Gerade war der FC Bayern dabei, seine Transferstrategie zu verändern, vermehrt auf junge Spieler zu setzen, die man dann möglichst zu Leistungsträgern ausbildet. Da reicht kein gutes Scouting, da muss ein hervorragendes Scouting her, denn die Konkurrenz schläft nicht.

Warum mit Busser eine wichtige Figur dieser Strategie nicht gehalten wurde bzw. gehalten werden konnte, ist eine Frage, die man sich an der Säbener Straße beantworten muss. Der Vertrag des Franzosen läuft in München aus. Eine Verlängerung ist bisher nicht erfolgt.

Laut Informationen von SPOX und GOAL ging es aber nicht nur darum, ob der Vertrag verlängert wird, sondern auch um die Rolle Bussers. Möglicherweise sah sich der Spielerexperte in einer anderen Rolle. Eine, die beim FC Bayern Marco Neppe innehat. Der enge Vertraute von Hasan Salihamidzic ist in der Hierarchie in München immer weiter aufgestiegen und mittlerweile Technischer Direktor.

Möglich, dass Busser, der wie Neppe aus Leverkusen nach München kam, sich nach Jahren reichlicher Erfolge eine Beförderung gewünscht hatte. Auch möglich, dass ihm dies in Dortmund angeboten wurde und dies ein entscheidender Faktor für den Wechsel zum BVB war.

Die Dortmunder bekommen nun einen Fachmann, der das ohnehin gute Scouting der Dortmunder noch weiter verstärken kann. Jonas Boldt traut ihm auf jeden Fall zu, dass sein ehemaliger Vertrauter auch beim BVB großartige Arbeit leisten wird. Denn: "Er ist einer der seriösesten und besten seiner Zunft."

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