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Fussball

FC Bayern München - Marco Neppes erstaunliche Karriere: Treffpunkt Mäckes-Parkplatz Jüchen

Joshua Kimmich
© imago images

Seit der Verpflichtung von Joshua Kimmich war Marco Neppe an allen entscheidenden Transfers des FC Bayern München entscheidend beteiligt. Vergangene Woche wurde er offiziell zum Technischen Direktor befördert, für den erst 35-Jährigen ist es die vorläufige Krönung eines erstaunlichen Karriereweges. Er führte vom McDonald's-Parkplatz in Jüchen über ein wegweisendes Spiel im Stadion am Zoo und ein Transferduell in Vancouver in den Münchner Machtzirkel.

"Treffpunkt war immer in der Nähe von Neuss, in Jüchen beim Mäckes auf dem Parkplatz", berichtet Florian Abel im Gespräch mit SPOX und GOAL. Jüchen! "Wenn ich den Namen höre, dann lache ich mich heute noch kaputt. Der hört sich doch so komisch an." Und natürlich muss er sofort wieder lachen. Lachen - das merkt man schnell - macht Florian Abel ganz gerne. Gemein hat er das offenbar mit seinem ehemaligen Teamkollegen Marco Neppe.

In der Saison 2013/14 spielten die beiden gemeinsam für den Regionalligisten Alemannia Aachen, gewohnt haben sie aber Richtung Nordosten. Abel in Oberhausen, Neppe in Düsseldorf. Weil sich die Lage bei ihren Kollegen Dennis Dowidat und Jochen Schumacher ähnlich darstellte, gründeten die vier eine Fahrgemeinschaft zu den Trainingseinheiten. "Bei einem Autohaus haben wir uns gemeinsam einen weißen Opel Corsa geliehen", erzählt Abel. "Ich hatte aus Oberhausen den weitesten Weg und bin mit unserem Auto zum Mäckes-Parkplatz in Jüchen gefahren. Dort haben die anderen Jungs ihre Autos abgestellt. Sie hatten abends öfter Zettel an der Scheibe hängen, dass sie dort nicht mehr parken sollen, haben es aber doch immer wieder gemacht."

Mit dem Opel Corsa ging es dann gemeinsam von Jüchen über die A44 nach Aachen, bei normalem Verkehr dauert das rund 35 Minuten. Mal fuhr der eine, mal der andere - und die Fahrzeiten wurden selbstverständlich gestoppt. "Die Fahrt nach Aachen hat sich gezogen, aber wir haben das Beste daraus gemacht und uns über jeden Mist kaputtgelacht. Danach mussten wir teilweise gar nicht mehr in den Kraftraum, weil wir mit dem Lachen bei der Fahrt schon genug für unsere Bauchmuskeln getan hatten." Unbeschwerte Zeiten in der Regionalliga, Aachen landete übrigens auf Platz 13.

FC Bayern: Marco Neppe zum Technischen Direktor befördert

Einmal kurz vor Saisonschluss aber herrschte kein Gelächter auf Rädern. Stattdessen Erstaunen. "Marco hat uns noch vor der restlichen Mannschaft gesagt: 'Ich wechsle zu Bayern München.' Das war natürlich krass. Keiner von uns hatte etwas geahnt", erinnert sich Abel. Aus einem Aachener Regionalligaspieler wurde ein Scout des FC Bayern, des deutschen Rekordmeisters und noch dazu Abels Lieblingsklub. "Klar habe ich ihm gesagt: 'Sieh zu, dass du für meine Bayern vernünftige Spieler scoutest und eine vernünftige Mannschaft auf die Beine stellst.'"

Neppe hat seinen ehemaligen Fahrgemeinschaftskollegen wohl nicht enttäuscht: In seinen bisher siebeneinhalb Jahren in München als Scout und dann als Leiter der Scouting-Abteilung war er an mehreren ziemlich vernünftigen Transfers beteiligt. Erst half Neppe bei den Verpflichtungen von Joshua Kimmich, Serge Gnabry, Kingsley Coman, Niklas Süle und Leon Goretzka mit. Später leitete er die von Alphonso Davies und Jamal Musiala entscheidend ein. Zur Belohnung wurde Neppe nun zum Technischen Direktor befördert. Es ist der Posten, den von 2014 bis 2017 sein großer Förderer bekleidete; derjenige, der ihn einst im Alter von 28 Jahren nach München gelotst hatte: Michael Reschke.

Marco Neppes wegweisende Verletzung in Osnabrück

Neppes Weg in den Machtzirkel des FC Bayern ist ein erstaunlicher. Begonnen hat er in Offenbach, wo er 1986 zur Welt kam. Statt für die Kickers spielte der Mittelfeldspieler im Nachwuchsbereich aber für den Lokalrivalen Eintracht Frankfurt. Gut, aber nicht gut genug. Bei der Eintracht schaffte es Neppe lediglich in die Reservemannschaft, mit 21 zog er weiter zum Wuppertaler SV.

Mit seinem neuen Klub stieg Neppe in die 3. Liga auf und erreichte das Achtelfinale des DFB-Pokals, wo es gegen seinen heutigen Arbeitgeber FC Bayern ging. Bei der 2:5-Niederlage saß er aber nur auf der Bank. Anschließend spielte Neppe für Wehen Wiesbaden und den VfL Osnabrück, dort bremste ihn einer Schambeinentzündung monatelang aus.

"Wie das so ist bei Verletzungen: Man hat viel Zeit nachzudenken, auch über die eigene Karriere. Ich habe mich gefragt, wo ich in fünf Jahren sein möchte", sagte Neppe später in einem Interview mit dem Magazin der Spielergewerkschaft VDV. Er begann ein Studium der Wirtschaftspsychologie, er kehrte als Spieler nach Wuppertal zurück - und er lernte Jonas Boldt kennen, damals Leiter von Bayer Leverkusens Scouting-Abteilung. Zustande kam der Kontakt über Neppes Vater Jürgen, der früher als Aufsichtsratsvorsitzender von Eintracht Frankfurt fungierte und mit Leverkusens Geschäftsführer Rudi Völler bekannt ist.

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