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Fussball

Amazon-Doku über den FC Bayern: Ein Blick ins Allerheiligste

SID
Auch Hansi Flick spielt in der Doku eine wichtige Rolle.

Amazon verspricht in einer TV-Doku einen Blick "hinter die Legende" des FC Bayern. Das gelingt - trotz Schwächen.

Das Ende steht gleich am Anfang. "Jungs, ich hab' euch was zu sagen", sagt ein blasser Hansi Flick an jenem 17. April 2021 in der Wolfsburger Kabine zu seiner Bayern-Mannschaft und blickt in fragende Gesichter. Er sei, meint Flick, "wie soll ich sagen, am Ende". Die Stars wirken geschockt.

Der überraschende Abschied des Trainers von seinen Spielern ist die erste Szene der neuen TV-Doku "FC Bayern - Behind the Legend". Der Online-Händler Amazon, der die sechsteilige Serie ab 2. November auf Prime Video streamt, verspricht den Rekordmeister "privat wie noch nie" zu zeigen. Das glückt durchaus, obwohl die Reihe auch Längen hat.

Das liegt am Anspruch der Macher um Regisseur Simon Verhoeven ("Männerherzen"), Chefkameramann Nepomuk V. Fischer und Produzent Quirin Berg ("Das Leben der Anderen"). Ausgehend vom totalen Triumph mit dem Triple 2020 gehen sie in der darauffolgenden Spielzeit 2020/21 der Frage nach: "Was ist der FC Bayern?" Dabei wird zu viel Bekanntes wiedergegeben, wenn etwa der langjährige Patron Uli Hoeneß mal wieder berichtet, wie er "seinen" Klub groß gemacht hat.

Interessant auch für Zuschauer, die es nicht mit dem FC Ruhmreich halten, sind die Blicke ins Allerheiligste. Wenn die Stars nach dem sechsten Titel bei der Klub-WM noch auf dem Platz in die Analyse gehen. Wenn Co-Trainer Miroslav Klose in der Kabine Robert Lewandowski Tipps auf Polnisch gibt. Oder wenn der frisch gekürte Weltfußballer mit seiner Mama ("Ruh' dich aus!") telefoniert.

FC Bayern: Kameramann täglich beim FC Bayern

Kameramann Fischer war täglich bei der Mannschaft. "Es ist, als wärst du der Neue in der Schule", sagt er über die ersten Tage. Bald aber sei er nicht mehr der Filmemacher gewesen, "sondern ein Mensch - und das sind zwar alles Stars, aber auch keine Maschinen".

Und so will sie Regisseur Verhoeven auch zeigen. "Der FC Bayern war sehr mutig, Nepomuk kam sehr, sehr nah ran", sagt er. Manchmal habe er die Kamera zwar "bewusst runtergenommen", es seien aber auch "ungeschliffene Momente" zu sehen - wie bei Hasan Salihamidzic, den die Macher für das Spiel gegen Dortmund verkabelten.

In 134 Drehtagen mit 147 Interviews - darunter Gespräche mit Jürgen Klopp, Pep Guardiola, Joachim Löw oder Thomas Tuchel - kamen 2267 Stunden Roh- und Archivmaterial zusammen. Allein der Schnitt dauerte 125 Tage. Über die Kosten schweigen sich alle Beteiligten aus.

FC Bayern "ist eine streitbare Familie"

Der FC Bayern erhofft sich, mit der Reihe seine "weltweite Reichweite, Relevanz und Strahlkraft" zu steigern. Sie versucht auch herauszuarbeiten, wie es dem Klub sogar nach schwersten Pleiten wie 1999 in Barcelona oder 2012 ("Drama dahoam") gelang, top zu bleiben.

Verhoeven glaubt die Antwort zu kennen. "Es ist eine streitbare Familie. Man ringt - immer um das Beste des Vereins", sagt er. Wie Flick mit seinem Chef Salihamidzic - einer der prägenden Konflikte der Saison. Verhoeven: "Man kann die Anspannung in mehreren Momenten spüren."

Die Doku leuchtet dafür auch die Vergangenheit des Sportvorstandes aus. Salihamidzic erzählt mit Tränen in den Augen vom Bürgerkrieg in Jugoslawien, wo er mit 15 eine Kalaschnikow unterm Bett hatte. Da schluckt der Zuschauer.

Kahn: Das "Immer weiter" hat ihn ins Burn-out getrieben

Auch wer Oliver Kahn zuhört, wenn er über die Folgen des ewigen Drucks spricht, fühlt mit. Das "Immer weiter" habe ihn ins Burn-out getrieben, berichtet der Vorstandschef, er sei zuhause kaum mehr die Treppe hochgekommen.

Diese menschlichen Aspekte machen die Serie sehenswert. Oder, wie es Berg formuliert: "Es ist völlig in Ordnung, den FC Bayern nicht zu mögen. Aber wer diese Doku anschaut, dem wird das sicher schwerer fallen."

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