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Fussball

FC Bayern: So schlagen sich die Leihspieler Nübel, Hoffmann, Mai, Richards, Fein und Zirkzee

Von Stefan Rommel

Ein halbes Dutzend Spieler hat der FC Bayern im Sommer verliehen - aber nicht für jeden hat sich das Leihgeschäft bisher auch ausgezahlt. Während die Einsatzzeiten und die Perspektive bei den meisten Spielern stimmen, hat ein Mittelfeldspieler ordentlich zu kämpfen.

 

Alexander Nübel (AS Monaco, Leihe bis 2023)

Der Start im Fürstentum ging völlig daneben: Alexander Nübel stand schon nach wenigen Wochen voll unter Beschuss - und das nicht nur auf dem Rasen. Trainer Niko Kovac machte Nübel zur Nummer eins und musste den Deutschen und damit auch seine Entscheidung permanent verteidigen. Nübel leistete sich teilweise eklatante Fehler und wurde dafür von einigen Experten und den Medien regelrecht zerrissen.

"Und das soll der künftige Nachfolger von Manuel Neuer beim FC Bayern werden?", fragte der ehemalige PSG-Keeper Jerome Alonzo (48) bei L'Equipe TV süffisant: "Auf mich macht er keinen guten Eindruck. Er wirkt lahm, unsicher und technisch limitiert." Frankreichs große Tageszeitungen gingen bisweilen sehr hart mit Nübel ins Gericht. Von "uninspiriert" bis "kein Rückhalt" war da schon einiges zu lesen.

Für den in Deutschland zuletzt viel gescholtenen Keeper schien sich die (sportliche) Talfahrt in Frankreich einfach nur fortzusetzen. Mittlerweile haben aber nicht nur die Mannschaft - Monaco holte nach dem verpatzten Start zuletzt 13 Punkte aus sechs Spielen - sondern auch Nübel die Kurve bekommen. Die Leistungen des 25-Jährigen haben sich stabilisiert.

Und noch steht Nübel ja auch am Anfang einer im besten Fall für alle Seiten positiven Leihe. Als einziger aller Bayern-Leihspieler hat er sich gleich für zwei Jahre für einen anderen Standort entschieden. Der erste ganz große Schritt ist jedenfalls längst gemacht: In Monaco hat Nübel nun in wenigen Wochen schon 14 Spiele absolviert - mehr als drei Mal so viele wie in einer ganzen Saison in München.

Ron-Thorben Hoffmann (AFC Sunderland, Leihe bis 2022 mit Kaufoption)

Der gebürtige Rostocker ist bei den Black Cats Keeper Nummer eins, bekommt also die erwünschte Spielpraxis. Lediglich am Dienstag in der EFL Trophy gegen Lincoln City und im EFL Cup durfte Hoffmann mal pausieren. Ansonsten stehen fünf (Liga-)Spiele von Beginn an in den Büchern mit lediglich fünf Gegentoren. Allerdings ist das Spielniveau in der drittklassigen League One mit Vorsicht zu genießen und zuletzt setzte es gegen Portsmouth eine herbe 0:4-Klatsche.

Trotzdem lohnt sich für Hoffmann, der in der letzten Saison in der deutschen 3. Liga für die Bayern U23 im Tor stand, der Ausflug in eine andere Liga: Der Spieler bekommt auch hier genug Spielpraxis und kann sich in einer sehr körperbetonten Spielklasse zeigen. In Sunderland bekleidet Hoffmann zudem nicht nur eine absolute Schlüsselposition, sondern wird von einigen Experten und Medien auch als der wichtigste Transfer des Sommers angesehen.

Lars Lukas Mai (Werder Bremen, Leihe bis 2022)

Der Innenverteidiger blieb im Sommer einigermaßen begehrt - nur eben nicht bei den Bayern. Deshalb hängte Mai seinem Engagement in Darmstadt gleich noch eine Leihe an. Wieder in der 2. Liga, diesmal aber bei einem deutlich größeren Klub mit ganz anderen Ambitionen. Im Zuge des großen Umbruchs bei Werder sollte Mai in dem Mannschaftsteil, bei dem Trainer Markus Anfang noch am ehesten auf bewährtes Personal setzt, Druck machen auf die Etablierten. Bisher allerdings mit durchwachsenem Erfolg.

Mit Ömer Toprak, Milos Veljkovic und Marco Friedl ist die Konkurrenz groß. Mai profitiert(e) aber von einigen Verletzungen oder innerbetrieblichen Störungen wie zuletzt bei Friedl, um zu seinen Einsatzzeiten zu kommen. Rein sportlich wäre der 21-Jährige ansonsten deutlicher hinten dran. Mai wusste bisher allenfalls sporadisch zu überzeugen, in den knackigen Niederlagen gegen Paderborn oder im Derby gegen Hamburg sah er schlecht aus.

Den unbestrittenen Fähigkeiten des Spielers stehen immer wieder Konzentrationsprobleme gegenüber, die Mai zu einem Wackelkandidaten machen. So lange Toprak aber noch verletzt ist und Trainer Anfang mit Friedl links in der Viererkette plant, dürfte Mai im Abwehrzentrum auf seine Spielzeiten kommen.

Chris Richards (1899 Hoffenheim, Leihe bis 2022)

Auf den letzten Drücker verlängerter Richards seine Leihe in Hoffenheim doch noch, nachdem er ein paar Wochen einen Schlenker nach München und unter Julian Nagelsmann auch ein paar Spielminuten absolviert hatte. In Hoffenheim ist der 21-Jährige unter seinem ehemaligen (U23-Bayern-)Trainer Sebastian Hoeneß eine feste Größe in der Innenverteidigung.

Richards stand in allen vier Ligaspielen seit seiner Rückkehr in den Kraichgau über die volle Distanz auf dem Platz. Allerdings wechselten sich da bisher Licht und Schatten ab. Einer guten Vorstellung gegen Wolfsburg stehen zwei eher unglückliche Auftritte gegen Mainz und zuletzt in Stuttgart gegenüber. Richards profitiert aktuell wohl auch ein wenig von den Ausfällen gestandener Innenverteidiger wie Ermin Bicakcic, Havard Nordtveit und natürlich Kapitän Benjamin Hübner. Die damit gewonnene Spielzeit sollte der Amerikaner aber auch beherzt nutzen.

Adrian Fein (Greuther Fürth, Leihe bis 2022)

Nach drei unterschiedlich erfolgreichen Leihen - in Regensburg machte sich Fein einen Namen, beim HSV spielte er stark, verpasste aber mit der Mannschaft das Saisonziel und in Eindhoven saß er ein Jahr lang fast nur auf der Bank - heuerte das Bayern-Eigengewächs in Fürth an mit dem großen Ziel, endlich Bundesliga zu spielen und sich in der deutschen Eliteklasse zu etablieren. Das Zwischenfazit ist aber ernüchternd: Fein spielt beim Aufsteiger bisher kaum eine Rolle.

Bis auf ein paar Minuten konnte der herausragende Ballbesitzspieler seine Fähigkeiten nicht zeigen, was auch mit der veränderten Aufgabenstellung für Fürth zu tun hat. Die Mannschaft ist fast in jeder Begegnung krasser Außenseiter, da liegt der Fokus mehr auf dem Spiel gegen den Ball als auf viel Positions- und Ballbesitzspiel. Was wiederum Fein alles andere als in die Karten spielt. Der ist als aufbauender Sechser oder in den Halbräumen mit dem Ball am Fuß am besten aufgestellt, in Fürths Spielanlage ist dafür aber kaum Platz.

Und auch die Trainingsleistungen Feins lassen offenbar immer noch zu wünschen übrig, wie Trainer Stefan Leitl erstaunlich offen und öffentlich zugab. Vielleicht, um den Spieler ein wenig zu kitzeln. Dass Fein grundsätzlich die Qualität für die Bundesliga hätte, dürfte außer Frage stehen. Nur muss der 22-Jährige das endlich auch mal zeigen, sein Trainer fordert eine "deutliche Leistungssteigerung". Ansonsten geht die dritte Leihe in Folge am Ziel vorbei.

Joshua Zirkzee (RSC Anderlecht, Leihe bis 2022)

Nach zwei Spielzeiten als Joker bei den großen Bayern brauchte der Niederländer nicht nur eine Luftveränderung, sondern auch die Aussicht auf regelmäßige Einsatzzeiten in einem ordentlichen Klub und einer ordentlichen Liga. Der RSC Anderlecht und die Jupiler Pro League sollten dafür prädestiniert sein.

Zirkzee hatte einen vernünftigen Start in neuer Umgebung, führte sich schnell mit einigen Toren ein und pendelt beim belgischen Rekordmeister zwischen Bank und Stammplatz - wobei sich Zirkzee mit dem anderen Zugang Christian Kouame um einen Platz neben dem Ex-Schalker Benito Raman streitet.

Immerhin: Seit seinem Wechsel Anfang August stand Zirkzee in jeder Partie wenigstens ein paar Minuten auf dem Platz, vier Mal durfte der 20-Jährige in der Liga schon starten.

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