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Fussball

Hansi Flicks turbulente Zeit bei RB Salzburg: Gespräche zwischen Wortgefechten

Im Sommer 2006 arbeitete Hansi Flick rund zwei Monate bei RB Salzburg - als Teil eines Trainerteams mit Giovanni Trapattoni und Lothar Matthäus. Während sich die beiden Alphatiere Wortgefechte lieferten, führte Flick Gespräche. Am Dienstag (21 Uhr im LIVETICKER) trifft er in der Champions League als Trainer des FC Bayern München auf seinen Ex-Klub.

Hansi Flicks Trainerkarriere ist in ihrer Gesamtheit ja ohnehin kurios, aber eine der kuriosesten Episoden ist die des Sommers 2006. Rund zwei Monate lang bildete er gemeinsam mit Giovanni Trapattoni und Lothar Matthäus das Trainergespann von Red Bull Salzburg.

Zuvor war er mit dem FC Victoria Bammental in die Verbandsliga Nordbaden abgestiegen, mit der TSG Hoffenheim in die Regionalliga Süd aufgestiegen, hatte 2003 gemeinsam mit Thomas Doll die Prüfung zum Fußballlehrer als Jahrgangsbester bestanden und in seinem Sportgeschäft "Hansi Flick Sport und Freizeit" Trikots und Bälle verkauft.

Anschließend assistierte Flick Bundestrainer Joachim Löw bei Europameisterschaften und Weltmeisterschaften, holte 2014 den WM-Titel und führte den FC Bayern München 2020 zum Triple.

Die kurze Zeit dazwischen in Salzburg waren für Flick der Übergang vom ganz kleinen Fußball in den ganz großen.

Als sich Matthäus für Salzburgs Cheftrainer hielt

Salzburg in seiner heutigen Form gab es bei Flicks Ankunft erst seit einem Jahr. 2005 hatte Red Bull die Macht übernommen, kurzerhand Farben, Logo und Namen geändert - und mit Thomas Linke (35) sowie Alexander Zickler (31) zwei Altstars vom FC Bayern verpflichtet. Tatkräftig dabei mitgeholfen haben soll Franz Beckenbauer, der beim FC Bayern als Präsident und in Salzburg als Freund von Dietrich Mateschitz fungierte.

Trainer Kurt Jara verpasste den Meistertitel knapp und musste gehen. Nachfolgen sollten ihm zwei weitere Altstars des FC Bayern, womöglich ebenfalls von Beckenbauer höchstpersönlich empfohlen: Lothar Matthäus (45) als Chef und Hansi Flick (41) als sein Co-Trainer. Das dachten die beiden zumindest zunächst und holten erst einmal - natürlich - einen weiteren Altstar vom FC Bayern: Niko Kovac (34).

"Erinnerst du dich noch an 2006, du warst damals der neue Cheftrainer von Red Bull Salzburg und hast mich im Trainingslager der kroatischen Nationalmannschaft besucht. Dort habe ich den Vertrag unterschrieben, den du mir vorgelegt hast", erzählte Kovac, der später ebenfalls als Co-Trainer bei Salzburg arbeiten sollte, neulich in einem Bild-Podcast, bei dem auch Matthäus zugeschaltet war. "Nach der WM bin ich nach Salzburg gekommen und urplötzlich war Lothar Matthäus nicht mehr Cheftrainer."

In der Zwischenzeit entschied Salzburg kurzerhand, auch noch Giovanni Trapattoni zu verpflichten und so ein Giovanni Trapattoni macht eben nicht Co-Trainer. "Bei Salzburg ist ja nicht das Ergebnis das Wichtigste, sondern die Red-Bull-Dose. Und weil in Italien der Markt sehr schlecht gelaufen ist für Red Bull, musste man dort natürlich eine neue Marketingstrategie fahren", berichtete Matthäus. "Da Trapattoni als Trainer frei war, hat man ihn zu Red Bull Salzburg geholt, um die Dose in Italien wieder auf Vordermann zu bringen, die Verkaufszahlen zu verbessern."

Zickler: "Da sind zwei Alphatiere aufeinandergeprallt"

Der berüchtigte Defensiv-Fanatiker Trapattoni also sollte für erhöhten Red-Bull-Konsum in seiner Heimat Italien sorgen, während Matthäus und Flick ihm dabei assistierten. Soweit zumindest die Theorie. Die Praxis: Flick hielt sich im Hintergrund, während sich Trapattoni und Matthäus über die, nun ja, beste Verkaufsstrategie stritten.

"Im Training gab es immer wieder Wortgefechte, aber bei den Spielen traten sie als Einheit auf. Sie sind beide sehr starke Persönlichkeiten und hatten natürlich manchmal unterschiedliche Sichtweisen", erinnert sich der damalige Salzburger Andreas Ivanschitz bei SPOX und Goal und fügt an: "Unter anderem auch in Bezug auf meine Person." Matthäus mochte den Spieler Ivanschitz, Trapattoni mochte ihn daher folgerichtig eher weniger.

Zickler dagegen war in seiner Rolle als Stammstürmer unumstritten, am 1. Spieltag traf er beim 3:0-Sieg bei der SV Ried gleich dreifach. Doch auch er beobachtete Dissonanzen. "Trapattoni hatte als Cheftrainer das Sagen. Ich habe aber gespürt, dass Lothar einige Sachen gerne anders gemacht hätte. Lothar tut sich in der zweiten Reihe schwer. Er steht lieber in der ersten Reihe und geht voran", sagt Zickler zu SPOX und Goal. "Da sind zwei Alphatiere aufeinandergeprallt."

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