Cookie-Einstellungen
Fussball

Der FC Bayern München, seine Talente und der kleine Kader: Größter kleiner Schritt

Hansi Flick wechselte gegen Schalke Chris Richards (20), Michael Cuisance (21), Joshua Zirkzee (19) und Jamal Musiala (17) ein.

Der FC Bayern München zerlegte den FC Schalke 04 zum Bundesligaauftakt mit 8:0 (hier gibt es die Video-Highlights) - doch im Klub herrscht gleichzeitig Uneinigkeit über die Kadergröße. Während sich Trainer Hansi Flick Neuzugänge wünscht, verwies Vorstand Oliver Kahn auf die verfügbaren Talente.

Die Corona-Pandemie veränderte im Fußball-Betrieb bekanntlich so gut wie alles, natürlich auch die Arbeit als Journalist. Traf man bei Pressekonferenzen früher persönlich auf die Protagonisten, begegnet man ihnen mittlerweile nur mehr virtuell via Online-Video-Konferenz. Und wenn das Internet im Spiel ist, dann fällt es gerne mal aus.

Minutenlang hatte Flick bei der Pressekonferenz vor dem Bundesligaauftaktspiel gegen den FC Schalke 04 bereits über die mangelhafte Kadergröße gesprochen, als sich eine Journalistin per Handzeichen meldete. Sie sei wegen Internetproblemen aus der Online-Video-Konferenz geflogen, sagte sie entschuldigend, wisse also nicht, ob ihre Frage schon gestellt wurde. Aber: Wie sieht es denn mit der Kadergröße und der Belastungssteuerung aus?

Weil Flick einerseits ein zuvorkommender Typ ist und ihm seine diesbezügliche Botschaft andererseits wichtig zu sein scheint, wiederholte er sie einfach. "Ich habe es eben schon gesagt, aber jetzt auch nochmal für Sie", verkündete Flick also: "Es ist schon wichtig, dass man eine gute Kadergröße hat. Wir arbeiten daran, dass wir mehrere Optionen haben."

Hansi Flicks Forderung an Hasan Salihamidzic

Das Spiel gegen Schalke tags darauf gewann sein FC Bayern zwar äußerst souverän mit 8:0, aber an seiner Meinung änderte das natürlich nichts. Flick erachtet den aktuellen Kader als zu klein, er will Neuzugänge. "Aktuell wird es sehr, sehr eng mit den Spielern", sagte Flick und richtete Sportvorstand Hasan Salihamidzic aus: "Ich bin guter Dinge, dass Hasan den Kader qualitativ aufrüsten kann." Zwei Wochen hat er noch Zeit, die Transferphase endet am 5. Oktober.

In Anbetracht der Abgänge von Thiago sowie der Leihgaben Ivan Perisic, Philippe Coutinho und Alvaro Odriozola und dem unmittelbar bevorstehenden Abgang von Javi Martinez auf der einen Seite und der Verpflichtung von Leroy Sane auf der anderen verfügt der FC Bayern über lediglich 14 auf höchstem Niveau gestandene Feldspieler und damit über vier weniger als in der vergangenen Saison.

Mit Joshua Kimmich, David Alaba, Benjamin Pavard und einigen anderen stehen Flick zwar flexibel einsetzbare Spieler zur Verfügung. Gibt es aber zu viele Verletzungen, Sperren oder Quarantänen, hilft das irgendwann auch nicht mehr. Gegen Schalke fehlten beispielsweise David Alaba und Kingsley Coman, Alphonso Davies saß angeschlagen draußen. Der einzige gestandene und einsatzbereite Feldspieler auf der Bank war Corentin Tolisso.

Oliver Kahn: "Nicht immer von Neuverpflichtungen reden"

"Natürlich machen wir uns Gedanken. Wir werden in aller Ruhe weitere Überlegungen anstellen, wir sind ständig im Austausch mit Hansi Flick", sagte Vorstand Oliver Kahn nach dem Sieg gegen Schalke. Kommen soll jedenfalls noch der 19-jährige Rechtsverteidiger Sergino Dest von Ajax Amsterdam, Bedarf besteht eigentlich auch noch an einem Flügelstürmer und einem Mittelfeldspieler. Kahn findet aber: "Man muss nicht immer gleich von Neuverpflichtungen reden, sondern schauen, was wir selbst noch in der Hinterhand haben."

Während Flick den Kader unbedingt mit externen Spielern verstärken will, traut Kahn also den eigenen Talenten wichtigere Rollen in der Mannschaft zu. Tatsächlich verfügt der FC Bayern aktuell über so viele vielversprechende Talente wie lange nicht mehr. Beim Abpfiff gegen Schalke standen mit Chris Richards (20), Michael Cuisance (21), Joshua Zirkzee (19) und Jamal Musiala (17) gleich vier davon auf dem Platz.

Jamal Musiala schrieb gegen Schalke Geschichte

Letzterer schrieb sogar kurzerhand Geschichte: Nach einem kleinen Sololauf markierte er den Treffer zum 8:0 und avancierte somit im Alter von 17 Jahren und 205 Tagen zum jüngsten Pflichtspiel-Torschützen des FC Bayern aller Zeiten. "Er hat im Training oft bewiesen, was er heute gezeigt hat", sagte Flick. "Er ist ein ausgezeichneter Fußballspieler. Wir werden versuchen, ihn behutsam dahin zu führen, dass er noch besser wird und uns noch mehr helfen kann."

Für Hilfe in Frage kommen könnten neben den gegen Schalke bereits eingewechselten Talenten auch Bright Akwo Arrey-Mbi (17, Innenverteidigung), der im Sommer 2019 gemeinsam mit Musiala vom FC Chelsea gekommen war, Neuzugang Tanguy Nianzou (18, Innenverteidigung, aktuell angeschlagen) von Paris Saint-Germain sowie Adrian Fein (21, Mittelfeld), der im Sommer nach einer erfolgreichen Leihe vom Hamburger SV zurückgekehrt war. "Jetzt hoffen wir, dass er den nächsten großen Schritt bei uns macht", sagte Salihamidzic zuletzt über Fein.

Der Schritt für Talente in die Profimannschaft des FC Bayern war qualitätsmäßig wohl noch nie so groß wie aktuell. Als Triple-Sieger handelt es sich schließlich um die beste Mannschaft des Kontinents. Sofern nicht mehr zahlreiche neue Spieler kommen, ist der Schritt ob des kleinen Kaders, der vielen Pflichtspiele innerhalb kürzester Zeit, der äußerst kräftezehrenden Spielweise und der fünf Wechseloptionen in der Realität aber gleichzeitig so klein wie lange nicht mehr.

Für die Talente ist dieser größte kleine Schritt aller Zeiten eine schöne Aussicht, für Flick ist er ein Risiko.

FC Bayern, Termine: Die kommenden Gegner des FCB

DatumWettbewerbGegnerH/A
24.09.UEFA-SupercupFC SevillaBudapest
27.09.BundesligaTSG HoffenheimA
30.09.DFL-SupercupBorussia DortmundH
04.10.BundesligaHertha BSCH
15.10.DFB-Pokal1. FC DürenDuisburg
Werbung
SPOX Fallback Ads, Eigenwerbung
Werbung
SPOX Fallback Ads, Eigenwerbung
Werbung
SPOX Fallback Ads, Eigenwerbung