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Fussball

Markus Rejek von Arminia Bielefeld im Interview: "Deshalb war 1860 München für mich reizvoller als Bayern"

Markus Rejek im Januar 2014 bei seiner Vorstellung als Geschäftsführer von 1860 München.

Markus Rejek arbeitete viele Jahre in zweiter Reihe bei Borussia Dortmund. In der erfolgreichen Zeit unter Jürgen Klopp war er federführend an der Entstehung des BVB-Markenclaims "Echte Liebe" beteiligt. Anschließend war Rejek zweieinhalb Jahre kaufmännischer Geschäftsführer bei 1860 München. Seit 2017 ist der 53-Jährige in gleicher Funktion bei Arminia Bielefeld.

Im Interview mit SPOX und Goal spricht Rejek über ein Vier-Augen-Gespräch mit BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, eine spezielle Schulung mit Klopp und die Gründe für sein Ende in Dortmund.

Rejek erzählt zudem von seinem Zwist mit Löwen-Investor Hasan Ismaik und erklärt, woran das System Profifußball krankt.

Herr Rejek, Ihr Wikipedia-Eintrag besteht aus ganzen neun Sätzen. Dort beginnt Ihr Leben 1999, als Sie für den Sportrechtevermarkter Sportfive im Einsatz waren und Borussia Dortmund betreuten. Was ist denn zuvor in den 31 Jahren Ihres Lebens passiert?

Markus Rejek: Ich bin als Kind des Ruhrgebiets mit dem Fußball groß geworden. Das erste Spiel, an das ich mich erinnern kann, war das Pokalfinale 1973 zwischen Gladbach und Köln, bei dem sich Günter Netzer selbst eingewechselt hat. Ich habe selbst im Verein gespielt und bin dann mit zwölf Jahren zum Handball gewechselt.

Stand damit schon früh fest, dass Sie beruflich etwas mit Sport machen wollten?

Rejek: Ja. Nach dem Abitur habe ich in Köln Sport und Germanistik studiert. Meine Ausrichtung war Sportökonomie oder Sportjournalismus, das wollte ich mir offenhalten. Nach einer Kreuzbandverletzung musste ich das Sportstudium abbrechen und habe Kommunikationswissenschaften, Marketing und Psychologie studiert. In der Zeit hatte ich das Glück, parallel neben dem Studium als Projektleiter in einer Sportmarketing-Agentur in Essen arbeiten zu können. Ich habe dort von Anfang an viel Verantwortung übernehmen dürfen. Nebenbei habe ich noch diverse Praktika beim Radio und Fernsehen gemacht. Das war ein spannendes Leben.

Wie sind Sie dann über Sportfive zum BVB gekommen?

Rejek: Im Mai 1996 habe ich vom Sofa aus die Meisterfeier von Borussia Dortmund am Fernseher verfolgt und mir gesagt: In ein paar Jahren willst Du dabei sein und helfen, den Verein mitzugestalten. Im Frühjahr 1999 hörte ich dann, dass der Sportrechtevermarkter UFA Sports - heute Sportfive - mit dem BVB über einen Gesamtvermarktungsvertrag verhandelt und für ein Team in Dortmund Mitarbeiter sucht. Borussia war mein Lieblingsverein und im Juni 1999 gehörte ich zum Gründungsteam beim BVB.

2008 wechselten Sie von Sportfive direkt zum BVB. Wie kam das zustande?

Rejek: Gefühlt habe ich nicht bei Sportfive gearbeitet, sondern eigentlich immer beim BVB. Der Verein hatte zu dieser Zeit kein eigenes Marketing. Ich habe diese Aufgabe schon früh in meiner Tätigkeit mit übernommen. Als 2007 die Sanierung des Vereins nach der schweren Finanzkrise weitestgehend abgeschlossen war, wollte sich der Verein weiterentwickeln und die Themen Marke und Identität voranbringen. Das war für mich ein Herzensprojekt. Ich habe meinen Hut in den Ring geworfen und bin schließlich vom Agenturteam zum Verein gewechselt. Mein erster Auftrag bestand darin, den Marken- und Identitätsprozess vorzubereiten und durchzuführen. Ab 2010 war ich dann Marketingleiter.

Wie deutlich war es denn für Sie, dass der Borussia damals eine Identität fehlte?

Rejek: "Beim BVB fehlte ein Bewusstsein für Identität"

Rejek: Die Identität war natürlich immer schon da und naturgegeben - sie war nur nicht definiert und es fehlte komplett ein Bewusstsein dafür. Schon 2003 bin ich mit einem Marketingkonzept auf Manager Michael Meier zugegangen. Damals konnte ich noch nicht ahnen, wie tief der Verein in den roten Zahlen steckte. Für derartige Konzepte bestand kein Sinn. Es brauchte zu der Zeit vor allem die sportlichen Erfolge, um die Finanzprobleme zu heilen. Nach der wirtschaftlichen Konsolidierung war die Situation eine andere und die Sicht frei für einen neuen Weg. Gerade bei einem Verein mit einer so großen Strahlkraft und Fan-Gemeinschaft ist das Wissen um die eigene Identität aus meiner Sicht eines der wichtigsten Führungsinstrumente.

Am Ende des Prozesses stand mit Hilfe der Düsseldorfer Agentur XEO der Slogan "Echte Liebe", der noch heute benutzt wird.

Rejek: Ja, ich kann mich gut an ein Vier-Augen-Gespräch mit Hans-Joachim Watzke erinnern. Er hat damals hinterfragt: Brauchen wir so etwas überhaupt, ist das für einen Fußballverein notwendig? Diese Frage war auch berechtigt. Ich konnte ihn aber trotzdem überzeugen. Ich hatte drei Vorschläge dabei. Die Echte Liebe hatten wir bereits 2009 bei der Kampagne zum 100-jährigen Vereinsjubiläum verwendet. Das wurde von den Fans sehr gut angenommen.

Wie lauteten denn die beiden anderen Vorschläge?

Rejek: Ich weiß sie noch, aber sag sie nicht. (lacht) Nur so viel: Man hat meist einen Favoriten und packt dann noch zwei Alternativen dazu, die idealerweise abgelehnt werden, damit es am Ende der Favorit wird. Und der war zweifelsfrei die Echte Liebe, weil das - wie Jürgen Klopp sagen würde - wie Arsch auf Eimer passte.

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