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Fussball

FC Schalke 04: Huntelaar spricht über S04-Gerüchte - Schneider wollte eigentlich Ibisevic zurück

Zwei Herzen schlagen in seiner Brust: Klaas-Jan Huntelaar muss sich im Winter zwischen Ajax und Schalke 04 entscheiden.

Klaas-Jan Huntelaar (37) soll dem FC Schalke 04 vor seinem Karriereende im Sommer noch zum Klassenerhalt verhelfen. Er selbst schließt ein Comeback bei den Knappen nicht aus. Es wäre nach der Rückkehr von Sead Kolasinac der nächste Transfer fürs Schalker Herz, der gleichzeitig auch sportlich Sinn ergibt.

Sollte der Wechsel zustande kommen, wäre S04-Sportvorstand Jochen Schneider aber zu seinem Glück eher gezwungen worden. Der 50-Jährige hatte ursprünglich nämlich einen ganz anderen Plan, um die Lücke in der Offensive zu stopfen.

Es bahnt sich etwas an auf Schalke. Schon wieder. Nur knapp zwei Wochen, nachdem die Königsblauen in Kolasinac einen unverhofften Transfer für die Schalker Seele fixierten, könnte in den kommenden Tagen erneut etwas passieren, das sich nur die Nostalgischsten unter den königsblauen Fußballromantikern hätten ausmalen können.

"Schalke 04 ist bei Ajax wegen mir vorstellig geworden. Ich habe sechseinhalb, sieben Jahre für den Verein gespielt. Er ist einer dieser Klubs, denen ich mich am meisten verbunden fühle. Es ist so, als ob ich zwischen meinen zwei Kindern wählen muss. Schalke ist in Not und sie brauchen Hilfe. Ich muss nachdenken", sagte Klaas-Jan Huntelaar am Donnerstagabend nach seinem womöglich letzten Spiel für Ajax Amsterdam am Mikrofon von ESPN.

Ein Statement, das die Gerüchte, die im Laufe des Tages aufgekommen waren, nicht nur bestätigte, sondern auch noch nährte. Es fehlte eigentlich nur noch, dass Huntelaar es aussprach: Dass er derjenige sein wolle, der Schalke hilft. Doch dazu kam es (noch?) nicht. Zumindest eines sagte er klar und deutlich: "Ajax wird mir erlauben, zu gehen."

Sollte es tatsächlich zu einem Wechsel kommen, bescherte sich Huntelaar am Donnerstagabend noch einen glorreichen Abschied von Ajax: 88 Minuten lang hatte er gegen Twente Enschede auf der Bank gesessen, ehe Trainer Erik ten Hag ihn einwechselte - und er per Doppelpack binnen drei Minuten Ajax zum 3:1-Sieg schoss.

Einen besseren Abschied kann es fast nicht geben. Und ein besseres Bewerbungsschreiben an alle Skeptiker, die sowohl in Amsterdam als auch in Gelsenkirchen angesichts seines hohen Fußballeralters und der internen Konkurrenz bei Ajax zahlreich sein dürften, auch nicht.

Huntelaar zwischen Meisterrennen und Abstiegskampf

Nun hat er die Wahl. Eine Wahl "mit Gefühl", wie er selbst sagte: Krönt er seine Karriere mit einem möglichen vierten Meistertitel in der Eredivisie - oder krönt er sie, indem er Schalke womöglich mit Toren vor dem Abstieg rettet. Letzteres galt noch vor Wochen als nahezu ausgeschlossen.

Doch schon als Huntelaar im Sommer sein Karriereende für 2021 ankündigte, hatte er eine Hintertür offen gelassen. "Sag niemals nie", erklärte der 37-Jährige damals in einem Interview mit Fox Sports, schob aber hinterher: "Sag niemals nie, aber es ist vorbei."

Kaum sechs Monate sind seitdem vergangen und so ganz vorbei ist die Karriere des "Hunter" noch nicht. Bei Ajax, von wo aus er den Sprung zu ein paar der größten Klubs in Europa geschafft hatte, wollte er seinen Karriereabend verbringen.

Genüsslich als alternder Profi in den Sonnenuntergang reiten und vielleicht ja noch den ein oder anderen Titel gewinnen. Das schaffte er in dieser so herausragenden Ajax-Saison 2018/19, als eine unbekümmerte Mannschaft um Frenkie de Jong, Matthijs de Ligt, Hakim Ziyech, Donny van de Beek und Dusan Tadic nicht nur die Niederlande, sondern ganz Europa mit ihrer Renaissance des total voetbal verzückten.

Nur eine Minute fehlte Ajax im Champions-League-Halbfinale gegen Tottenham, um die Sensation - den Finaleinzug - perfekt zu machen. "Das arbeitet noch immer", verriet Huntelaar im vergangenen Sommer in einem Interview bei Schalke TV.

Als Trostpreis bekam "Opa" Huntelaar, mit 35 Jahren schon damals mit Abstand der Ajax-Dienstälteste, aber immer noch torgefährlich (23 Tore), das Double aus Meisterschaft und Pokal.

Schalke 04: Huntelaar? Schneider wollte eigentlich Ibisevic

Zwei Jahre nach seinem letzten Husarenritt sollte es dann vorbei sein. Ein paar Kurzeinsätze hier, ein paar Mal noch knipsen da, vielleicht noch einmal Meister werden zum krönenden Abschluss (Ajax ist aktuell Tabellenführer vor den punktgleichen Teams aus Rotterdam und Arnheim).

Doch nun kommt offenbar alles anders. In seiner größten Not soll Huntelaars Ex-Klub Schalke 04 doch noch einmal seine Fühler nach dem zweiterfolgreichsten Torjäger der Vereinsgeschichte hinter Klaus Fischer gestreckt haben (126 Tore).

Sportvorstand Jochen Schneider soll nach Informationen der Bild-Zeitung sogar bereits in Amsterdam gewesen sein, und auch Sky berichtet, dass Huntelaar sich eine allerletzte Zusammenarbeit vorstellen könne.

Dabei war der 37-Jährige gar nicht die erste Wahl von Schneider auf der Suche nach einem Knipser gegen den Abstiegskampf, wie SPOX und Goal aus dem Umfeld der Königsblauen erfuhren. Vielmehr habe Schneider an einer Rückholaktion von Vedad Ibisevic gearbeitet.

Dieser war bereits im Sommer von Schneider zu minimalen Bezügen verpflichtet worden, hatte es jedoch binnen weniger Monate vom proklamierten Heilsbringer zum Sündenbock geschafft, nachdem er mit Co-Trainer Naldo und dem damaligen Trainer Manuel Baum aneinandergeraten war. Die Folge: Ibisevic wurde suspendiert und sein Einjahresvertrag zum 1. Januar aufgelöst - nach nur fünf Spielen und 217 Einsatzminuten bei den Knappen.

S04 mit Kolasinac und Huntelaar im Abstiegskampf

Ibisevic sagte Schneider jedoch ebenso ab, wie es Ex-Bayern-Stürmer Mario Mandzukic nach Sport1-Angaben getan haben soll. Daraufhin packte Schneider offenbar die Koffer, um nach Sead Kolasinac den nächsten Ex-Schalker aus längst vergangenen und ruhmreicheren Tagen zu akquirieren.

Huntelaar steht wie kaum ein anderer für die noch Anfang der 2010er-Jahre so erfolgreiche Vergangenheit der Königsblauen: Von 2010 bis 2017 stürmte der "Hunter" für die Königsblauen, erzielte 126 Tore in 240 Pflichtspielen, gewann mit Raul, Manuel Neuer, Julian Draxler, Ivan Rakitic, Benedikt Höwedes und Jefferson Farfan den DFB-Pokal. Bis heute ist das der letzte Titel der Schalker.

Auch nach seiner Rückkehr in die Niederlande zu Ajax sei der Kontakt zu vielen Menschen in Gelsenkirchen nicht abgerissen, sagte Huntelaar erst im Sommer in einem Interview mit Schalke TV. Regelmäßig besucht er noch Zeugwarte und Physios, die er noch von früher kennt - bei Kaffee und Kuchen.

Sein Reiseweg könnte sich in den kommenden Tagen unverhofft verkürzen. Die Sache zwischen Huntelaar und Schalke werde heißer, berichtet Sky. Allerdings müssen auch die finanziellen Voraussetzungen für eine Rückkehr des "Hunter" stimmen.

Weil Ajax aber in Zeiten der Coronavirus-Pandemie und nach zweimonatigen Verhandlungen mit den Spielern die Gehälter um 20 Prozent gekürzt hat und Huntelaar im Zuge seiner Vertragsverlängerung 2020 ohnehin große Gehaltseinbußen hinnahm, ist diese Hürde für die klammen Schalker offenbar niedriger als gedacht.

Huntelaar soll bei Schalke 04 das Loch in der Offensive stopfen

Trotz seiner schon 37 Lenze: Die Qualitäten von Huntelaar sind unbestritten und würden das seit mehr als eineinhalb Jahren lahmende Offensivspiel der Knappen bereichern.

Vor dem 4:0-Sieg der Schalker gegen Hoffenheim am vergangenen Samstag stellten die Knappen die schlechteste Offensive der Liga (8 Tore), in der vergangenen Saison waren in puncto Torausbeute nur die Absteiger aus Paderborn (37) und Düsseldorf (36) marginal schlechter als S04 (38).

Die Personaldecke ist dünn: Der von Eintracht Frankfurt ausgeliehene Goncalo Paciencia wird den Knappen nach Knie-OP noch "einige Zeit" fehlen, wie der Klub Anfang Dezember mitteilte. Mark Uth soll als hängende Spitze die Strippen in der Offensive ziehen, Nachwuchshoffnung Ahmed Kutucu könnte den Verein aufgrund steigender Unzufriedenheit mangels Einsatzzeiten noch im Winter verlassen.

Und Dreierpacker Matthew Hoppe? Schalke 04 kann sein Schicksal in der Offensive nicht einzig und allein davon abhängig machen, dass ein 19-Jähriger, der erst seit eineinhalb Jahren in Gelsenkirchen weilt und sich in der Regionalliga West bei der Reserve noch nicht unbedingt als Torjäger vom Dienst erwiesen hat (16 Spiele, 1 Tor), weitere Sahnetage wie jenen gegen Hoffenheim erwischt.

Huntelaar könnte für Schalke 04 zum Schnäppchen werden

Die Verpflichtung von Huntelaar ist also nicht nur eine für Fußballromantiker und Nostalgiker. Sie macht auch aus sportlicher Sicht Sinn - und zwar wesentlich mehr, als die zunächst von Schneider angedachte Ibisevic-Rückkehr.

Denn anders als der Bosnier trägt Huntelaar den Klub noch immer im Herzen und ist offenbar auch immer noch in Form. Davon zeugen seine sieben Treffer in elf Spielen in der laufenden Saison für Ajax.

"Er ist immer noch hungrig, will viele Einsatzminuten und ist in puncto Fitness trotz seines hohen Alters noch einer der besten bei Ajax", sagt der niederländische Fußballjournalist Justus Dingemanse im Gespräch mit SPOX und Goal.

Angesichts der kurzen Vertragslaufzeit und des Rekordwechsels von Sebastien Haller zu Ajax rechne er damit, dass Huntelaar für Schalke zu einem machbaren Preis von unter einer Million Euro Ablöse zu haben sei: "Ajax hat Haller, Lassina Traore und Brian Brobbey als klare Mittelstürmer. Auch Dusan Tadic kann dort spielen. Es gibt also genügend Optionen und keine Garantie mehr auf Einsatzzeit für Huntelaar. Sie werden ihm daher sicher nicht im Weg stehen."

Also heißt es für Huntelaar wohl bald Abstiegskampf statt Meisterschaftsrennen mit Amsterdam. Dabei wäre ein erfolgreicher Nicht-Abstieg mit Schalke wohl noch höher einzuschätzen als sein vierter Meistertitel in der Eredivisie. Ergo: Ein wahrlich krönender Karriereabschluss.

Huntelaars Statistiken bei Schalke 04, Milan, Ajax und Real

VereinSpieleToreTorvorlagen
Ajax Amsterdam25615643
FC Schalke24012635
SC Heerenveen61394
AC Mailand307-
Real Madrid208-

 

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