FC Bayern verliert gegen Borussia Mönchengladbach: Flick in Erklärungsnot - Stindl wieder einer für Löw

Hansi Flick musste zähneknirschend seine dritte Niederlage mit dem FC Bayern München hinnehmen.
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3. Marco Roses Matchplan legt neue Bayern-Schwächen offen

Es war ein gewagtes Spiel, das Gladbach-Trainer Marco Rose spielte - oder vielmehr spielen ließ. Die Voraussetzungen gerade in der Offensive waren nach den Ausfällen der Topscorer Alassane Plea (muskuläre Probleme) und Marcus Thuram (Sperre) eher suboptimal, doch Rose trotzte dem Fehlen der zwei Gladbacher Offensiv-Stars mit einem Matchplan, der nicht die altbekannten Schwächen der Bayern, sondern gänzlich neue aufdeckte. So befand es zumindest Thomas Müller.

"Heute haben wir nicht viele tiefe Duelle verloren", sagte er bei DAZN nach dem Spiel. Mit den tiefen Duellen meinte Müller beispielsweise die Entstehung des 0:1 in der Vorwoche gegen Mainz 05, als ein langer Ball aus der Defensive Jonathan Burkardt auf die Reise schickte. Gegen die Fohlen-Elf habe man aber "andere Sachen" zugelassen.

Das Problem gegen Gladbach seien die Ballverluste in der Vorwärtsbewegung gewesen, wie Müller erklärte und womit er den Nagel auf den Kopf traf. Dreimal verlor der Rekordmeister den Ball im Aufbauspiel am eigenen Sechzehner oder auf Höhe der Mittellinie und wurde dafür bitter bestraft.

"Wir haben den Gegner heute dreimal eingeladen", konstatierte Goretzka und suchte die Fehler bei der eigenen Mannschaft. Dass Rose wiederum seine Borussia aufgrund der hohen Verteidigung der Bayern und der zuletzt veranschaulichten Fehleranfälligkeit aber genau darauf ausgerichtet hatte, wurde größtenteils von Münchner Seite verschwiegen.

Roses Matchplan: Pressingfallen und "Hoffi" tief schicken

Trotz des gewohnt hohen Pressings des Rekordmeisters eröffnete Gladbach mit einem kompakten Mittelfeldzentrum um Dennis Zakaria, Florian Neuhaus und Christoph Kramer das Spiel fast am eigenen Sechzehner, versuchte im Flachpassspiel Lösungen zu finden, um das Pressing ins Leere laufen zu lassen und dann Chipbälle über die erste Pressinglinie der Bayern zu spielen. Diese Pressingfallen gingen zweimal brachial schief und führten zum frühen 0:2-Rückstand der Gladbacher.

Doch Rose blieb seinem Konzept treu und das trug Früchte, weil Gladbach nach dem 0:2 "mutiger" wurde, wie Rose es formulierte. Das äußerte sich dadurch, dass Gladbach seinerseits gerade auf den Außen höher presste, ein gutes Anlaufverhalten an den Tag legte und sowohl beim 1:2 (schlampiger Ball von Pavard auf Sane) als auch beim 2:2 (riskanter Ball von Davies auf Kimmich) den Fehler der Bayern erzwang.

Zweimal eroberte die Borussia so den Ball und zweimal ging es blitzschnell und vertikal per Traumpass in die Tiefe. Dort sollte Jonas Hofmann stets lauern. Das verriet Rose nach dem Spiel bei DAZN. "Mit seinen beiden Toren ist viel davon aufgegangen, was wir uns vorgenommen haben. Wir wollten Hoffi mit Ball in die letzte Linie bringen und Lars Stindl mehr in den Zwischenräumen spielen lassen, weil das seine Stärke ist", erklärte der 44-Jährige.

Bei den beiden Toren von Hofmann vor der Pause zum 2:2 ging dieser Plan glänzend auf. Hofmann startete tief, Stindl assistierte mit chirurgischer Präzision. "Ich weiß nicht, ob die Bayern anfällig sind, sagte Rose über seinen Matchplan: "Man weiß, dass sie sehr hoch verteidigen und das versucht man zu nutzen. Aber die Pässe und Laufwege müssen perfekt sein, wir haben das sehr, sehr gut gemacht."

Waren die Erfolgsgaranten beim Sieg der Gladbacher über den FC Bayern: Jonas Hofmann und Lars Stindl.
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Waren die Erfolgsgaranten beim Sieg der Gladbacher über den FC Bayern: Jonas Hofmann und Lars Stindl.

4. Stindl bewirbt sich für Comeback in der Nationalmannschaft

Geht es um Rückkehrer in die deutsche Nationalmannschaft, fielen in den vergangenen Wochen nach dem so verheerenden Jahresabschluss des DFB-Teams in Spanien mit der 0:6-Blamage immer wieder die Namen Mats Hummels, Jerome Boateng und Thomas Müller - und das nicht zu Unrecht. Schließlich haben alle drei, die 2019 von Bundestrainer Joachim Löw im Zuge seines Umbruchs ausgebootet wurden, nachhaltig mit konstant guten Leistungen für sich geworben.

Der Tonus: Die besten Spieler des Landes sollen auch die Nationalmannschaft vertreten. Und weil diese drei tatsächlich wohl noch dazuzählen, klang der Aufschrei, der durch so manche Redaktionsräume nach dem Spanien-Desaster hallte, auch durchaus logisch.

Der Name Lars Stindl fiel da seltener, wenn überhaupt. Dabei spielte der Kapitän der Borussia gerade erst das beste Jahr seiner Karriere. 19 Tore und sieben Vorlagen in 37 Pflichtspielen 2020 verzeichnete er, den in den vergangenen zwei Jahren auf so dramatische Art und Weise das Verletzungspech heimsuchte. Syndesmosebandriss 2018 als er sich gerade in der Nationalmannschaft etabliert hatte, WM-Aus. Schienbeinbruch 2019, halbes Jahr Pause.

Der 32-Järhige kämpfte sich immer wieder zurück und ist die Konstante in einer noch recht inkonstanten Gladbacher Mannschaft, die an guten Tagen Bayern schlägt und Real Madrid an den Rand einer Pleite bringt, an schlechten Tagen gegen Hoffenheim, Freiburg oder Augsburg patzt. Stindl ist torgefährlich, laufstark (11,5 Kilometer gegen die Bayern) und mit dem Auge für die ganz feinen Pässe ausgestattet, wie seine zwei Torvorlagen auf Hofmann gegen den FCB zeigten.

Seine Leistung gegen die Bayern war einmal mehr ein Bewerbungsschreiben an den Bundestrainer - der großen Konkurrenz in der DFB-Offensive um Kai Havertz und Co. und seinem Alter zum Trotz.

"Das entscheide ich nicht", sagte Stindls Trainer Rose nach dessen Glanzleistung gegen den Rekordmeister: "Wenn ich könnte, würde ich jeden meiner Spieler in die Nationalmannschaft singen. Aber das müssen sie mit Leistung machen und das müssen dann andere entscheiden."

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