Fussball

Bundesliga: Ganz oder gar nicht - Teile der Fans gegen Zuschauerpläne

SID
Nicht alle Fans sind mit den Zuschauerplänen der DFL einverstanden.

Einige Fan-Organisationen sind mit der beabsichtigten teilweisen Öffnung der Stadien für Zuschauer unzufrieden. Sie fordern den Zugang für alle oder niemanden.

Die Corona-Pandemie treibt mitunter extrem seltsame Blüten. Im Kampf um die Rückkehr zur Normalität vereinen sich derzeit nämlich sogar verhasste Fanlager - weil sie einer Teil-Öffnung der Tribünen rein gar nichts abgewinnen können.

Anhänger der Erzrivalen Borussia Dortmund und Schalke 04 also plötzlich einer Meinung? In diesen besonderen Zeiten ist das tatsächlich der Fall.

"Stadionbesuche erst dann wieder möglich machen, wenn alle ins Stadion dürfen", lautete die am Sonntag auf Facebook verbreitete Botschaft des Schalker Fan-Club Verbands. Ein Aufruf zum Boykott der am 18. September startenden Saison in der Fußball-Bundesliga sei dies zwar nicht, aber die Forderung solle freilich nicht nur auf Schalke gelten: "Wünschenswert wäre, wenn die DFL hier einen einheitlichen Beschluss fassen würde."

Den wird es in dieser Form allerdings nicht geben - selbst wenn auch in BVB-Kreisen oder von anderen Fansgruppierungen eine ähnliche Haltung eingenommen wird. Die Deutsche Fußball Liga hatte an die Klubs zwar einen Leitfaden verschickt, Pläne für die gesamte Auslastung der Stadien sind dort angesichts der angespannten Corona-Situation verständlicherweise aber nicht beschrieben.

BVB-Fans: "Entweder alle oder keiner"

Der Leitfaden enthält in etwa exemplarische Sitzplatzmodelle für bis zu 50 Prozent Auslastung, auch eine Modellrechnung für eine 12,5-prozentige Stehplatzauslastung findet sich. Eine realistische Gesamtkapazität richte sich demnach an der "Anzahl an Personen, die mit dem vorhandenen Platz und in der verfügbaren Zeit unter Einhaltung eines Mindestabstands bewältigt werden kann".

Das bedeutet auch, dass weder die Nordkurve auf Schalke noch die Gelbe Wand in Dortmund rappelvoll werden. "Die aktive Fanszene wird dann wohl nicht ins Stadion gehen", hatte zuletzt Thilo Danielsmeyer, Leiter des Dortmunder Fanprojektes, dem Reviersport gesagt: "Diese Fans sagen ganz klar: Entweder alle oder keiner."

Die meisten befürchten schließlich, dass unter den kolportierten Bedingungen das Stadionerlebnis nicht als solches empfunden werden kann. Wenn plötzlich die Fangruppe, die seit Jahren gemeinsam zu Spielen pilgert, getrennt wird. Wenn der langjährige Dauerkarteninhaber nicht auf seinem angestammten Platz stehen oder sitzen darf. Oder wenn man sich nach einem Treffer nicht leidenschaftlich in den Armen liegen kann.

Auch Ticket-Personalisierung missfällt einigen Fangruppen

Schon der Zusammenschluss "Unser Fußball", dessen Initiative Stand Montag von rund 2400 Fanklubs sowie mehr als 13.000 Einzelpersonen unterstützt wird, hatte auf die Bedeutung der Anhänger hingewiesen. Diese müssten als "elementarer Bestandteil des Fußballs anerkannt werden", schließlich lebe der Fußball "von einer vielfältigen Fankultur im Stadion".

Dabei ist die Anzahl an möglichen Zuschauern innerhalb der Fanlager längst nicht der einzige Aspekt, der für Unverständnis sorgt. Auch die Personalisierung der Tickets missfällt sowohl schwarz-gelben als auch königsblauen Anhängern.

"Jedem sollte bewusst sein", hieß es in der Mitteilung des Schalker Fan-Club Verbands, "dass ein Besuch in unserer Donnerhalle nur mit vielen Auflagen verbunden sein wird".

Ob man deshalb aber gleich ganz verzichten muss?

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